(*1954)

Geboren und aufgewachsen in Hannover, liess sich Lars Becker nach einem längeren Italienaufenthalt in Hamburg nieder, wo er eine Weile als Drucker und Barmann arbeitete, bevor er ein Filmstudium an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und in New York absolvierte.

Seine erste Publikation ‚Kalte Sonne‘, zunächst für das Fernsehen verfilmt, dann zu einem Kriminalroman umgeschrieben, dreht sich um das Schicksal von afrikanischen Flüchtlingen im Deutschland der 80er-Jahre. Die multiperspektivisch mit schnellen Schnitten erzählte Geschichte wartet mir einem farbigen Figurenensemble auf: Desmond Mabaso genannt „Street“, ein Musiker und Strassenkämpfer aus der südafrikanischen Stadt Soweto, der 1978 aus der Haft entwich, untertauchte und jetzt in einer Bar in St. Pauli als Hilfskraft angestellt ist; Streets Arbeitkollege Bruno Guzmann, ein ausgebuffter Barkeeper mit einer Vergangenheit als Fremdenlegionär im Algerienkrieg; Streets alter Kumpel Fats Faniso, der in einem Luxushotel in Johannisburg als Page arbeitet, bis er wegen aufmüpfigem Verhalten gefeuert wird und sich nach Hamburg absetzt; der südafrikanische Generalkonsul Henk Bassers alias Van Vliet, ein ehemaliger Polizeikommandant, der vor einiger Zeit in Soweto Desmonds Schwester umgebracht hat; sowie das deutsche Gespann Jansen und Senff, das die südafrikanische Oberschicht illegal mit Waffen versorgt.

In Beckers zweitem Krimi steht der wortkarge Ex-Terrorist Steiger, Kampfname Amigo, im Mittelpunkt, ein einsamer Wolf, der vor vier Jahren auf einem abgelegenen Bauernhof in der Emilia Romagna untertauchte und sich dort, benebelt vom Grappa, halbherzig der Landwirtschaft widmet. Als er nur knapp einem Mordanschlag entgeht, kehrt er trotz ausgeschriebener Fahndung mit falschen Papieren nach Hamburg zurück, zumal die regelmässigen Überweisungen aus der Kriegskasse in den letzten Monaten ausgeblieben sind. Haben ihn seine ehemaligen Genossen von der Revolutionären Front auf Kreuz gelegt? ‚Amigo‘ – eine atemlose Erzählung über Habgier und Verrat, Rache und Gewalt.

Seit Anfang der 90er-Jahre macht Lars Becker vornehmlich als Drehbuchautor und Filmregisseur (‚Bunte Hunde‘, ‚Schattenboxen‘, ‚Nachtschicht‘, ‚Unter Feinden‘, ‚Schade um das schöne Geld‘, ‚Zum sterben zu früh‘, Beiträge zur Tatort-Serie usw.) von sich reden. Er hat heute seine eigene Filmproduktionsfirma Cinescript und lebt in Hamburg.

Bibliografie:

‚Kalte Sonne‘ (1990), ‚Amigo‘ (1991).