(Kürzel für Henry Christopher Bailey, 1878-1961)

Geboren und aufgewachsen in London als Einzelkind, besuchte H.C. Bailey von 1890 bis 1897 die berühmte City of London School. Danach bekam er ein Stipendium für das Oxford Corpus Christi College an der University of Oxford, wo er Latein, Altgriechisch, Literatur und Geschichte studierte. Nach seinem Abschluss arbeitete er ab 1901 als Theaterkritiker, Kriegsreporter und später auch als Leitartikler für die konservative Zeitung ‚Daily Telegraph‘. In der Freizeit schrieb er Erzählungen für verschiedene Magazine und Romane – sein erstes Buch ‚My Lady of Orange‘, ein historischer Roman, kam 1901 heraus.

Im Jahr 1908 heiratete Bailey Lydia Guest und lebte mit ihr in London, wo 1910 und 1913 ihre beiden Töchter Betty und Mary zur Welt kamen. 1930 gründete er mit Agatha Christie, Dorothy Sayers, G.K. Chesterton und anderen den „Detection Club“. 1946 beendete Bailey seine journalistische Laufbahn beim ‚Daily Telegraph‘ und liess sich mit seiner Frau in Llanfairfechen an der walisischen Nordküste nieder. Er starb dort im Alter von 83 Jahren.

Obgleich sich H.C. Bailey dem Schreiben fast ausschliesslich nebenberuflich widmete, veröffentlichte er nicht weniger als 46 Bücher – historische und romantische Romane, Krimis und Geschichtensammlungen.

Berühmt wurde er vor allem mit seinen Stories um den in London und Wien ausgebildeten, für Scotland Yard tätigen Gerichtsmediziner und Hobbydetektiv Reginald „Reggie“ Fortune, einen scharfsinnigen Spürhund und feinfühligen Menschenkenner mittleren Alters mit einer Passion für kulinarische und kulturelle Genüsse, Gartenarbeit und prachtvolle Autos. Sein wichtigster Kontakt bei Scotland Yard ist Superintendent Bell, ein erfahrener und zuverlässiger, etwas farbloser Polizist. Mit seiner Gattin Joan scheint Reggie eine befriedigende Ehe zu führen.

Auf Deutsch gibt es zwei Bände mit Fortune-Fällen – ‚Die Hottentotten-Venus‘ (im Orignal ‚Call Mr. Fortune‘, sechs Kriminalfälle) und ‚7 Fälle für Mr. Fortune‘ (‚Der Eidechsenschwan‘, ‚Der Himmelschlüsselstrauss‘, ‚Der Dienstervolver‘ und ‚Der Türschlüssel aus dem Band ‚This is Mr. Fortune‘, ‚Party bei Valerie‘, ‚Die Primelblüten‘ und ‚Die Messerspitze‘ aus dem Band ‚Mr. Fortune Here‘). Die besten – in der Regel zwanzig bis dreissig Seiten langen – Geschichten zeichnen sich aus durch geschickte Dramaturgie, sorgfältige Charakterzeichnung und atmosphärische Tiefe.

Baileys zweite Serienfigur ist Joshua Clunk aus London, ein derber, glücklich verheirateter, detektivisch tätiger Anwalt, der sich in elf Romanen sowie in einzelnen Reggie Fortune-Krimis für seine der Unterschicht entstammenden Klienten ins Zeug legt und dabei gelegentlich auch zu illegalen Mitteln greift (keine deutsche Übersetzung).

Bibliografie:

Reggie Fortune-Serie: Geschichtensammlungen: ‚Call Mr. Fortune‘ (1920), ‚Mr. Fortune’s Practice‘ (1923), ‚Mr. Fortune’s Trials‘ (1925), ‚Mr. Fortune, Please‘ (1927), ‚Mr. Fortune Speaking‘ (1929), ‚Mr. Fortune Explains‘ (1930), ‚Case for Mr. Fortune‘ (1932), ‚Mr. Fortune Wonders‘ (1933), ‚Shadow on the Wall‘ (1934), ‚Mr. Fortune Objects‘ (1935), ‚A Clue for Mr. Fortune‘ (1936), ‚This is Mr. Fortune‘ (1938), ‚Mr. Fortune Here‘ (1940); Romane: ‚The Man in the Cape‘ (1933), ‚Shadow in the Wall‘ (1934), ‚Black Land, White Land‘ (1937), ‚The Great Game‘ (1939), ‚The Bishop’s Crime‘ (1940), ‚No Murder‘ (auch unter dem Titel ‚The Apprehensive Dog‘, 1942), ‚Mr. Fortune Finds a Pig‘ (1943), ‚The Cat’s Whisker‘ (auch unter dem Titel ‚Dead Man’s Effects‘, 1944), ‚The Life Sentence‘ (1946), ‚Saving a Rope‘ (1948);

Joshua Clunk-Serie: ‚Garstons‘ (auch unter dem Titel ‚The Garston Murder Case‘, 1930), ‚The Red Castle‘ (auch unter dem Titel ‚The Red Castle Mystery‘, 1932), ‚The Skullen Sky Mystery‘ (1935), ‚Clunk’s Claiment‘ (auch unter dem Titel ‚The Twittering Bird Mistery‘, 1937), ‚The Veron Mystery‘ (auch unter dem Titel ‚Mr. Clunk’s Text‘, 1939), ‚The Little Captain‘ (auch unter dem Titel ‚Orphan Ann‘ (1941), ‚Dead Man’s Shoes‘ (auch unter dem Titel ‚Nobody’s Vineyard‘, 1942), ‚Slippery Ann‘ (auch unter dem Titel ‚The Queen of Spades‘, 1944), ‚The Wrong Man‘ (1945), ‚Honour Among Thieves‘ (1946), ‚Shrouded Death‘ (1946).