(Gemeinsames Pseudonym für Hugh Callingham Wheeler, 1912-1987, und Richard Wilson Webb, 1901-1970; sie schrieben auch unter den Pseudonymen Q. Patrick und Jonathan Stagge)

Das Pseudonym Q. Patrick entstand Anfang der 30er-Jahre, als Richard „Ricky“ Webb – der in Burnham-On-Sea, Somerset, geborene Brite emigrierte 1926 in die USA, forschte dann für ein Chemieunternehmen in Philadelphia und wurde 1942 amerikanischer Staatsangehöriger – und seine Kollegin Martha „Patsy“ Kelly ihre Spitznamen zusammenlegten und den Buchstaben Q voranstellten. Gemeinsam schrieben sie zwei Romane, die nicht ins Deutsche übertragen wurden. Unter dem gleichen Pseudonym verfasste Webb vier weitere Bücher: die zwei ersten allein, die nachfolgenden gemeinsam mit einer gewissen Mary Louise Aswell. Mitte der 30er-Jahre begann Ricky Webbs fruchtbare Zusammenarbeit mit Hugh Callingham Wheeler – auch er ein gebürtiger Engländer: er stammte aus Hampstead und schloss sein Studium 1933 an der University of London ab -, der eben erst in die USA ausgewandert war und, wie Webb, im Jahr 1942 die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Webb und Wheeler gaben ihre Bücher unter den Pseudonymen Q. Patrick, Patrick Quentin und Jonathan Stagge heraus. Nachdem Webb 1952 krankheitshalber ausstieg, verfasste Wheeler noch einige Kriminalromane allein, nun ausschliesslich unter dem Pseudonym Patrick Quentin, bevor er sich 1960 auf das Schreiben von Libretti für Musicals verlegte, 1965 aber doch noch einen letzten Krimi zu Papier brachte. Soviel zur etwas verworrenen Webb-Kelly-Wheeler-Stagge-Quentin-Angelegenheit.

Der gemeinsamen Tätigkeit des Autorengespanns Ricky Webb & Hugh Wheeler entsprangen drei Krimiserien und etliche Standalones. Die bedeutendste Reihe dreht sich um den New Yorker Theaterproduzenten Peter Duluth, der nach dem tragischen Unfalltod seiner Frau Magdalen zu trinken beginnt, zum Entzug in eine Klinik eintritt und sich dort von seinem Kummer ablenkt, indem er auf Anraten seines Psychiaters einem höchst merkwürdigen Kriminalfall auf den Grund geht – der Beginn seiner erfolgreichen Laufbahn als Amateurerdetektiv. Darüber hinaus lernt Duluth im Sanatorium die Mit-Patientin Iris Pattison kennen, eine junge, nach dem Selbstmord ihres Vaters an Depressionen leidende Bühnen- und Filmschauspielerin, die er später heiraten wird. Die Reihe enthält acht vergnügliche Tüftelkrimis mit vielen Wendungen und Haken.

Lieutenant Timothy Trant von der New Yorker Mordkommission, ein in Princeton ausgebildeter, stets elegant gekleideter Cop, der sein gerissenes Naturell hinter nonchalantem Auftreten verbirgt, kommt in sieben Romanen und etlichen Kurzgeschichten zum Zuge und ist überdies in dem Duluth-Titel ‚Fatal Widow‘ zu Gast (Peter Duluth revanchiert sich dafür in ‚Das Ungeheuer‘ mit einem kleinen Besuch).

In Quentins letztem (von manchen Kritikern am höchsten eingestuftem) Krimi ‚Familienschande‘ nimmt Trant nur eine Nebenrolle ein. Ich-erzählende Hauptperson ist Lew Denham, Anfang dreissig, dessen erste Frau Beth vor eineinhalb Jahren bei einem Bootsunfall ums Leben kam. Jetzt heiratet er die sinnenfrohe, kürzlich in einen Skandal verwickelte Britin Virginia Harwood und bringt damit Schande über seine dünkelhafte Bankiersfamilie, bestehend aus Onkel Gene, Tante Peggy, Cousin Hugo und dessen Frau Tanya. Wenig später stolpert er in seiner Wohnung über die Leiche von Virginias zwielichtigem Ex-Mann. Hat jemand aus dem Denham-Clan Olsen umgebracht und dann den Verdacht auf Virginia gelenkt? Lew beginnt auf eigene Faust zu ermitteln – und stösst auf dunkle Familiengeheimnisse.

Für die neunteilige Serie um Doktor Hugh Cavendish Westlake und seine halbwüchsige Tochter Dawn nahmen Webb und Wheeler das Pseudonym Jonathan Stagge an. Hugh Westlake, der mit 31 Jahren (fünf Jahre vor Beginn der Reihe) seine Frau Paula verlor, praktiziert als Landarzt in der fiktiven Ortschaft Kenmore in Pennsylvania. Zu seinen Freunden gehört Inspektor Cobb, der Polizeichef der nahe gelegenen Stadt Grovestown – Westlake brachte seinerzeit Cobbs fünf Kinder zur Welt -, der ihn regelmässig für die Ermittlungen in Mordfällen beizieht. Melodramatische Szenen und eine unheimliche, ja gruselige Atmosphäre kennzeichnen die Geschichten, die sich vor ihren britischen Golden-Age-Vorbildern nicht verstecken müssen.

Bibliografie:

Peter und Iris Duluth-Serie (aka Puzzle-Serie): ‚A Puzzle for Fools‘ – ‚Puzzle für Spinner (auch unter den Titeln ‚Geisterstimmen‘ und ‚Mordgeflüster‘, 1936), ‚A Puzzle for Players‘ – ‚Puzzle für Spieler‘ (auch unter dem Titel ‚Trübes Wasser‘, 1938), ‚Puzzle for Puppets‘ – ‚Puzzle für Puppen‘ (auch unter dem Titel ‚Marionetten‘, 1944), ‚Puzzle for Wantons‘ (auch unter dem Titel ‚Slay the Loose Ladies‘) – ‚Puzzle für Schwindler‘ (auch unter dem Titel ‚Liebe und Mord in Reno‘, 1945), ‚Puzzle for Fiends‘ (auch unter dem Titel ‚Love is a Deadley Weapon‘) – ‚Puzzle für Söhnchen‘ (auch unter dem Titel ‚Der Mann ohne Gedächtnis‘, 1946), ‚Puzzle for Pilgrims‘ (auch unter dem Titel ‚The Fate of the Immodest Blonde‘) – ‚Puzzle für Sünder‘ (auch unter dem Titel ‚Blutige Rache‘, 1947), ‚Run to Death‘ – ‚Das Mädchenopfer‘ (auch unter dem Titel ‚Wettlauf mit dem Tod‘, 1948), ‚Black Widow‘ (auch unter dem Titel ‚Fatal Woman‘) – ‚Fatal Woman‘ (auch unter dem Titel ‚Die Spinne‘, 1952);

Lieutenant Timothy Trant-Serie: ‚Death and the Maiden‘ – ‚Die verschwundenen Briefe‘ (1937, ursprünglich als Q. Patrick), ‚Death for Dear Clara‘ – ‚Die liebe Clara‘ (1937, ursprünglich als Q. Patrick), ‚File on Claudia Cragge‘ (ursprünglich als Q. Patrick, 1938), ‚My Son, the Murderer‘ (auch unter dem Titel ‚The Wife of Donald Sheldon‘) – ‚Das Ungeheuer‘ (1954), ‚The Man with Two Wives‘ – ‚Bill Hardings Frauen‘ (1955), ‚Shadow of Guilt‘ (1959), ‚Family Skeletons‘ – ‚Familienschande‘ (1965);
Einzelwerke: ‚The Follower‘ – ‚In der Falle‘ (1950), ‚The Man in the Net‘ – ‚Der Mann im Netz‘ (1956), ‚Suspicious Circumstances‘ – ‚Einer schlägt zu‘ (1957), ‚Shadow of Guilt‘ – ‚Im Schatten des Verbrechens‘ (1959), ‚The Green-Eyed Monster‘ – ‚Die Wahrheit über Maureen‘ (1960).

Einzelwerke als Q. Patrick: ‚Cottage Sinister‘ (1931), ‚Murder at the Women’s City Club‘ (auch unter dem Titel ‚Death in the Dovecot‘, 1932), ‚S.S. Murder‘ – ‚Der vierte Mann‘ (auch unter dem Titel ‚Keiner spielt Treff-Dame‘, 1933), ‚Murder at Cambridge‘ – ‚Mord in Cambridge‘ (1933), ‚The Grindle Nightmare‘ – ‚Grauen im Grindle-Tal‘ (1935), ‚Death Goes to School‘ – ‚Der raschelnde Rock‘ (1936), ‚Crimefile Number 3: The File on Fenton & Farr‘ (1937), ‚Crimefile Number 4: File on Claudia Cragge‘ (1938), ‚Return to the Scene‘ – ‚Das grüne Tagebuch‘ (1941), ‚Danger Next Door‘ – ‚Die schöne Nachbarin‘ (1951), ‚The Girl on the Gallows‘ (1954).

Als Jonathan Stagge: Dr. Hugh Westlake-Serie: ‚Murder Gone to Earth‘ (auch unter dem Titel ‚The Dogs Do Bark‘) – ‚Die bellenden Hunde‘ (1936), ‚Murder or Mercy‘ (auch unter dem Titel ‚Murder by Prescription‘) – ‚Barmherziger Tod‘ (1937), ‚The Stars Spell Death‘ (auch unter dem Titel ‚Murder in the Stars‘, 1939), ‚Turn oft he Table‘ (auch unter dem Titel ‚Funeral for Five‘) – ‚Die unheimliche Tafelrunde‘ (1940), ‚The Yellow Cab‘ (auch unter dem Titel ‚Call a Hearse‘) – ‚Das gelbe Taxi‘ (1942), ‚The Scarlet Circle‘ (auch unter dem Titel ‚Light from a Lantern‘) – ‚Der rote Kreis‘ (1943), ‚Death, My Darling Daughters‘ (auch unter dem Titel ‚Death and the Dear Girls‘) – ‚Frau Hiltons schöne Töchter‘ (1945), ‚Death’s Old Sweet Song‘ – ‚Das Lied des Todes‘ (1946), ‚The Three Fears‘ – ‚Angst um Daphne‘ (1949).