(Kürzel für Gilbert Brewer, 1922-1983; schrieb auch als Eric Fitzgerald, Bailey Morgan, Elaine Evans, Hal Ellson, Al Conroy, Luke Morgann, Mark Bailey, Harry Arvay und Ellery Queen)

Gil Brewer wurde in Cauandaigua, New York State, als Sohn eines mittellosen, alkoholkranken Pulp-Autors gleichen Namens geboren und wuchs dort mit zwei Schwestern und einem Bruder auf. Nach dem Ausscheiden aus der High School verrichtete er Gelegenheitsjobs, bis er der US-Army beitrat und im Zweiten Weltkrieg in Frankreich und Belgien diente. Er wurde verwundet, was ihm nach Kriegsende eine kleine Rente einbrachte. 1947 liess er sich bei seiner Familie in St. Petersburg, Florida, nieder und heiratete wenig später Verlaine Morris Lee, die zwei Kinder im Teenageralter in die vorerst geheim gehaltene Ehe brachte. In der Nachkriegszeit arbeitete er unter anderem in einem Warenhaus, einer Konservenfabrik und als Buchhändler, bevor er Anfang der 50er-Jahre zum Schreiben kam und sich bald als wichtiger Vertreter der Pulp-Szene etablierte. Mit seinen Berufskollegen Day Keene, Harry Whittington, Talmage Powell und Jonathan Craig verbrachte er viele Nächte mit Trinken und Kartenspielen.

Zu Beginn der 60er-Jahre, als sein Stern bereits verglühte, erlitt Brewer einen Nervenzusammenbruch, der einen längeren Krankenhausaufenthalt nach sich zog und ihn fast vier Jahre am Schreiben hinderte. Seine nachfolgende Publikationen beschränkten sich im Wesentlichen auf Schundromane, Novellisationen von Fernsehfilmen (‚It Takes a Thief‘-Trilogie) und diverse Ghostwriter-Jobs. Im Jahr 1970 zog er sich bei einem selbst verschuldeten Autounfall schwere Verletzungen zu, von denen er sich nie mehr ganz erholen sollte. Seine Alkoholsucht nahm nun immer stärker überhand, Depressionen, Stürze, Knochenbrüche und Pflegebedürftigkeit waren die Folge. Gil Brewer starb 60-jährig in seiner Wohnung in St. Petersburg und hinterliess seine Frau, die ihm – mit kleineren Unterbrüchen – 35 Jahre lang eine treue Gefährtin war.

Brewer war ein gewiefter, schnörkelloser Plotter mit einem feinen Händchen für überraschende Wendungen, ein Meister der direkten Rede. Die Mehrzahl seiner rund dreissig – in horrendem Tempo niedergeschriebenen, in ihren besten Momenten an Jim Thompsons Werke erinnernden – Romane dreht sich um durchschnittliche Männer, die von schönen, abgebrühten Frauen in den Abgrund gezogen werden und dann Gewalt als einzigen Ausweg sehen. ‚Höllisches Finale‘ und ‚Amok‘ gehören zu Brewers besten auf Deutsch vorliegenden Krimis, deren Feinheiten jedoch verborgen bleiben, wenn man sie sich nicht im Original zu Gemüte führt – schauderhafte Übersetzungen.

‚Höllisches Finale‘ ist die bedrückende Geschichte des Koreaveteranen Eric Garth, der Nacht für Nacht träumt, dass er seinem verhassten Bruder Frank den Kopf mit einem Holzhammer einschlägt, und deshalb nach einer schweren Kriegsverletzung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Dort lernt er die heissblütige, jedoch kalt berechnende, auf sein bald zu erwartendes, nicht unbeträchtliches, Erbe spekulierende Krankenschwester Leda Thayer kennen und lässt sich mit ihr auf eine heftige Affäre ein – der Beginn eines Alptraums, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Und dann liegt Frank mit zertrümmertem Schädel in Erics Wohnung.

In dem kleinen, schmutzigen Roman ‚Amok‘ treffen der nach einer Pechsträhne um seine Existenz ringende Ex-Cop Steve Logan, dessen Frau Ruby kurz vor der Niederkunft steht, und der Korea-Veteran Ralph Angers – früher ein viel versprechender Augenarzt, der im Krieg den Verstand verlor und jetzt, von der Idee besessen, eine Augenklinik zu bauen, jeden umlegt, der seinen Weg kreuzt – in einer kleinen Stadt in Florida zufällig aufeinander, als Logan den Fehler begeht, Angers‘ Leben zu retten: der Beginn einer kurzen, symbiotischen, verhängnisvollen Beziehung.

Bibliografie: (Nicht gelistet sind die unter Pseudonym und als Ghostwriter verfassten Romane)

‚Satan is a Woman‘ – ‚Satan ist ein Weib‘ (1951), ‚So Rich, So Dead‘ – ‚Und dann kam die Nacht‘ (1951), ’13 French Street‘ – ‚Haus des Bösen‘ (1951), ‚Flight to Darkness‘ – ‚Höllisches Finale‘ (1952), ‚Hell’s Our Destination‘ (1953), ‚A Killer Is Loose‘ – ‚Amok‘ (1954), ‚Some Must Die‘ (1954), ’77 Rue Paradis‘ (1954), ‚Play it Hard‘ – ‚Spiel mit oder stirb‘ (1954), ‚The Squeeze‘ – ‚Ein Kopf = 260 000 Dollar‘ (1955), ‚And the Girl Screamed‘ – ‚Ein Mädchen schrie‘ (1956), ‚The Angry Dream‘ (auch unter dem Titel ‚The Girl from Hateville‘, 1957), ‚The Brat‘ (1957), ‚Little Tramp‘ (1957), ‚The Bitch‘ (1958), ‚The Red Scarf‘ – ‚Bezahle oder stirb‘ (1958), ‚Wild‘ (1958), ‚The Vengeful Virgin‘ (1958), ‚Wild to Possess‘ – ‚Mord ohne Mörder‘ (1959), ‚Angel‘ (1959), ‚Sugar‘ – ‚Als mich der Teufel holte‘ (1959), ‚Nude on Thin Ice‘ (1960), ‚Blackwoods Teaser‘ (1960), ‚The Three-Way Split‘ (1960), ‚Appointment in Hell‘ (1961), ‚A Taste of Sin‘ (1961), ‚Memory of Passion‘ (1962), ‚The Hungry One‘ (1966), ‚The Tease‘ (1967), ‚Sin for Me‘ (1967);

It Takes a Tief-Trilogie: ‚The Devil in Davos‘ (1969), ‚Mediterranean Caper‘ (1969), ‚Appointment in Cairo‘ (1969).

Gemeinsam mit Day Keene: ‚Love Me and Die‘ – ‚Lieb mich und stirb‘ (1951).