(*1949; schreibt auch als James Dalton und Brit Shelby)

Geboren und aufgewachsen in Shelby, Montana, als Sohn eines Kino-Geschäftsführers und einer Buchhändlerin, studierte James Grady Journalistik an der University of Montana in Missoula. 1973 zog er nach Washington, D.C., wo er ein Jahr als Assistent und Berater in Gesetzgebungsfragen für den demokratischen Senator Lee Metcalf arbeitete – es war die Zeit nach Watergate. Anschliessend wurde er freischaffender Journalist, Krimi- und Drehbuchautor.

Bereits mit 25 Jahren gelang Grady ein grosser Wurf: ‚Die 6 Tage des Condor‘, eine gelungene Mixtur aus ‚Man-on-the-Run-Story‘ und Politthriller, vorzüglich verfilmt durch Sydney Pollak (‚Three Days of the Condor‘) mit Robert Redford in der Hauptrolle. Es ist die Geschichte des CIA-Analytikers Ronald Malcolm mit dem Decknamen Condor, der bei der „Amerikanischen Gesellschaft für Literaturgeschichte“, einer getarnten CIA-Aussenstelle, Thriller auswertet, um den Geheimdienst mit neuen Tricks zu versorgen. Als eines Tages während seiner Abwesenheit sämtliche Bürokollegen einem Anschlag zum Opfer fallen, taucht Condor unter. Erstmals auf freier Wildbahn, setzt er ungeahnte Kräfte frei und kommt den Drahtziehern eines ungeheuerlichen, bis in höchste Geheimdienstkreise reichenden Drogenschmuggel-Unternehmens immer näher.

Vierzig Jahre später, in ‚Die letzten Tage des Condor‘, kehrt Condor als Romanheld zurück, nachdem er unterdessen in ‚Der Schatten des Condor‘, einigen Erzählungen sowie, am Rande, im Roman ‚Mad Dogs‘ aufgetaucht ist. Nach den Geschehnissen im ersten Band zu einem erstklassigen verdeckt arbeitenden CIA-Agenten aufgestiegen, verlor Condor zu Beginn des 21. Jahrhunderts aufgrund von traumatischen Erlebnissen den Verstand und wurde in ein geheimes Irrenhaus der CIA gesteckt. Jetzt ist er wieder auf freiem Fuss und arbeitet in der Library of Congress in Washington, wird jedoch weiterhin von Agenten des neu gegründeten (fiktiven) Supergeheimdienstes Home Security überwacht. Als er eines Abends in seinem Wohnzimmer einen dieser Agenten ermordet vorfindet, gerät er in grosse Not – es beginnt eine von Misstrauen und Paranoia beherrschte Hetzjagd kreuz und quer durch die amerikanische Hauptstadt. Grady erzählt die düstere Geschichte aus rasch wechselnden Perspektiven, spickt sie mit inneren Monologen, springt atemlos zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her.

‚Die Spinne im Labyrinth‘, ein vielschichtiger Standalone, dreht sich um den legendären Agenten Jud Stuart, einen abgebrühten Spezialisten für dreckige CIA-Aktionen („Geheimkrieg“ in Laos, Chile-Putsch, Iran-Contra-Affäre, Watergate-Skandal usw.), der, von Skrupeln gequält, dem Geheimdienst nach 25 Jahren den Rücken gekehrt hat, in der Folge zum Sicherheitsrisiko wird (er säuft zuviel und weiss zuviel) und deshalb liquidiert werden soll – ein tödliches Spiel nimmt seinen Lauf.

James Grady lebt mit seiner Frau, der Journalistin, TV-Produzentin und ehemaligen Privatdetektivin Bonnie Goldstein, in einem ruhigen Vorort Washingtons. Sie haben eine Tochter, die Filmemacherin Rachel Grady, und einen Sohn, Nathan.

Bibliografie:

Condor-Romane: ‚Six Days of the Condor‘ (auch unter dem Titel ‚Three Days of the Condor‘) – ‚Die 6 Tage des Condor‘ (1974), ‚Shadow of the Condor‘ – ‚Der Schatten des Condor‘ (1975), ‚Last Days of the Condor‘ – ‚Die letzten Tage des Condor‘ (2015);

John Rankin-Romane: ‚Runner in the Street‘ – ‚Die Opfer der Macht‘ (1984), ‚Hard Bargains‘ – ‚Washington Blues‘ (1985);

Devlin Rourke-Romane: ‚Razor Game‘ – ‚Messerscharf‘ (1985), ‚Just a Shot Away‘ – ‚So weit die Kugel reicht‘ (1986);

Einzelwerke: ‚Catch the Wind‘ (1980), ‚Steeldown‘ (1988), ‚River of Darkness‘ – ‚Die Spinne im Labyrinth‘ (1991), ‚Thunder‘ (1994), ‚White Flame‘ (1996), ‚Mad Dogs‘ (2006).

Als Brit Shelby: ‚The Great Pebble Affair‘ (1976).

Als James Dalton: ‚City of Shadows‘ (2000).