(*1955; schreibt auch als John Cassar und Peter Johannes)

Geboren und aufgewachsen in Hannover, studierte Gundolf S. Freyermuth von 1973 bis 1980 Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (AVL), Germanistik, Amerikanistik und Geschichte an der Freien Universität Berlin. Seine Magisterarbeit befasste sich mit dem modernen Drama, seine Dissertation mit der Digitalisierung von Kunst und Unterhaltung. In den 80er-Jahren war er Redakteur des Kultumagazins ‚TransAtlantik‘, Kulturressortleiter und Reporter des ’stern‘ und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für AVL der Freien Universität Berlin, von 1992 bis 1995 Chefreporter der Hamburger Zeitschrift ‚Tempo‘.

1989 übersiedelte Freyermuth mit seiner Frau Elke in die USA. Sie lebten zuerst in New York City, dann in Los Angeles, wo 1994 und 1997 ihre Söhne Leon und George zur Welt kamen. Später liess sich die Familie auf einer Ranch in Arizona nieder. 2005 kehrte Freyermuth nach Deutschland zurück, um als Professor für Angewandte Medienwissenschaften an der „ifs“ (internationale filmschule köln) zu unterrichten, 2010 kam ein Lehrauftrag am neu gegründeten ‚Cologne Game Lab‘ hinzu. Er ist deutsch-amerikanischer Doppelbürger und pendelt zwischen Köln und Berlin.

Freyermuths Werk umfasst ungezählte Essays, Kritiken, Glossen, Porträts und Reportagen für bedeutende internationale Printmedien (Schwerpunkt: Digitale Medien und Kommunikation), elf (zum Teil mit seiner Frau verfasste) Sachbücher sowie die drei Kriminalromane ‚Der Ausweg‘, ‚Bogarts Bruder‘ und ‚Perlen für die Säue‘, die von 1989 bis 1999 unter drei verschiedenen Namen – Freyermuth, Cassar und Johannes – erschienen sind.

Freyermuths erster Krimi ‚Der Ausweg‘ ist die Fabel des 38-jährigen Altlinken, Hobbyphilosophen und gescheiterten Juristen Harry Mann, der in seiner Westberliner Altbauwohnung in den Tag hineinlebt, bis er sich heftig in eine schöne Frau verliebt, deren Gatten, blind vor Leidenschaft, um die Ecke bringt – und sich daraufhin jäh in einem neuen Leben wiederfindet: Einem Leben als Killer in einer Welt, in der Korruption, Erpressung und Machtmissbrauch zum guten Ton gehören.

‚Bogarts Bruder‘ spielt in Hollywood, wo am Vorabend des Zweiten Weltkriegs Carl Jordan, Inhaber von ‚Pinnacle Books‘, einem kleinen Avantgarde-Verlag mit angeschlossenem Buchladen und geheimem Pornohandel für betuchte Kunden, aus dem Leben scheidet – Selbstmord oder Mord? Carls jüngerer Bruder Hank, ein 39-jähriger Abenteurer und Reporter, der gerade, um ein Haar der Hinrichtung entronnen, aus dem spanischen Bürgerkrieg in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt ist, übernimmt den Laden und macht sich auf, Carls letzte Stunden zu recherchieren. Wenig später wird der ‚Pinnacle Books‘-Kunde Wilhelm Bullzogen getötet, ein deutscher Millionär im Exil, der Hitler bei dessen Aufstieg finanziell unterstützte. Bei seinen Ermittlungen wird Hank in einen äusserst gefährlichen Kriminalfall gezogen, in den amerikanische Politiker, deutsche Emigranten, Nazi-Typen und korrupte LAPD-Cops verwickelt sind, aber auch Carl Jordans undurchsichtige fromme Witwe und der damals noch kaum bekannte Schauspieler Humphrey Bogart. Okjekt der Begierde ist der erotische Schlüsselroman ‚Transkontinentale Liebschaften‘ von Bullzogens Frau (und Hanks ehemaliger Geliebten) Alma Berger, der anonym in ‚Pinnacle Books‘ veröffentlicht wurde – und von dem es nur noch ein einziges Exemplar zu geben scheint. ‚Bogarts Bruder‘: ein vergnügliches, poetisches und kurzweiliges, durch originelle Vergleiche und unzählige Anspielungen auf Film, Literatur, amerikanische Politik und die Geschehnisse in Nazideutschland bereichertes Buch mit Hank Jordan als vielschichtigem Ich-Erzähler (der Titel bezieht sich auf eine physiognomische Ähnlichkeit des Helden mit Bogart) – und einem Cameo-Auftritt von Dashiell Hammett.

‚Perlen für die Säue‘, aus wechselnden Blickwinkeln erzählt, ist ein turbulenter, figurenreicher Krimi mit parodistischen Elementen – und gleichzeitig eine scharfe Abrechnung mit den niederträchtigen, über Leichen gehenden Machenschaften der „Vierten Gewalt“, für die einzig Auflage und Einschaltquoten zählen. In der Mitte des Romans wird Wolfgang Wedel-Mayer, Chefredakteur des beliebten Hamburger Käseblatts ‚Die Wichtige‘ – ein skrupelloses, vulgäres Ekelpaket mit gewaltigem Frauenverschleiss, für den Journalismus ein Kampfsport ist – um die Ecke gebracht, ein Mord, für den jeder, der dem Getöteten jemals begegnet ist, ein handfestes Motiv haben dürfte, auch seine Frau Doris, die von ihrem Liebhaber Georg Claas, dem allmächtigen 70-jährigen Verleger der ‚Wichtigen‘, schwanger ist. Oder gibt es vielleicht doch politische Gründe für die Tat? Wedel-Mayer hatte nämlich angekündigt, in der nächsten Ausgabe seiner Zeitschrift einen Artikel zu veröffentlichen, der in Deutschland für einen Skandal sorgen würde.

Über tausend Seiten abwechslungsreiche Spannungsliteratur, erschienen unter drei Namen in drei Verlagshäusern, stilistisch und inhaltlich weit über dem üblichen Niveau deutschsprachiger Krimis – eine stolze Bilanz für den Autor, der auch mit zwei schönen Sachbüchern über deutsche Emigranten in der Hitlerzeit (‚Reise in die Verlorengegangenheit‘, 1993, und ‚Fluchtpunkt Hollywood‘, 2011) in Erscheinung getreten ist.

Bibliografie:

Als Gundolf S. Freyermuth: ‚Der Ausweg‘ (1989).

Als John Cassar: ‚Bogarts Bruder‘ (1997).

Als Peter Johannes: ‚Perlen für die Säue‘ (1999).