(*1949; schrieb auch unter dem Pseudonym C.W. Diaz)

Geboren im südwestenglischen Dorset, aufgewachsen in Südafrika, wo er die Grundschule absolvierte, versuchte sich John Fullerton nach Abschluss seiner Ausbildung zuerst als Farmer und im Finanzwesen, bevor er Anfang der 70er-Jahre zum Journalismus kam und dann über dreissig Jahre mit viel Herzblut in diesem Beruf arbeitete, neunzehn Jahre für die Agentur Reuters. Er berichtete unter anderem über den Bürgerkrieg im Libanon, den Afghanistankrieg, den ersten Golfkrieg und den Balkankonflikt sowie, nach 9/11, aus Pakistan und Afghanistan. Darüber hinaus unterrichtete er angehende Journalisten, war Dozent für Kreatives Schreiben an der Leicester University und veröffentlichte fünf Spannungsromane und ein Sachbuch.

Nach berufsbedingten Aufenthalten in 38 Ländern schloss Fullerton im Jahr 2010 ein Studium der Buddhismuskunde an der University of Sunderland mit einem Master-Titel ab, löschte daraufhin seine Website und verstummte als Autor. Der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder pendelt zwischen London und Südostasien.

Fullertons vier zwischen 1996 und 2006 erschienene Politthriller kreisen um reale Konflikte (Balkankrieg, War On Terror nach 9/11, Bürgerkrieg in Beirut, Apartheid). Ein fünfter Roman, ‚Clap‘, mit dem Schauplatz Kuba ist im Jahr 2000 unter dem Pseudonym J.W. Diaz erschienen. Zuvor hatte der Autor, der offenbar um 1980 herum zwei Jahre undercover für den britischen Geheimdienst in Afghanistan unterwegs gewesen war, das Sachbuch ‚The Sovjet Occupation of Afghanistan‘ herausgegeben.

Fullertons bekanntester Roman ‚Das Affenhaus‘ spielt im verwüsteten Sarajewo des Winters 1993/94, als die bosnisch-herzegowinische Hauptstadt unter Dauerbeschuss durch die serbischen Armeen steht. In einer von Serben bewohnten, despektierlich als „Affenhaus“ bezeichneten Mietkaserne am Rand der Stadt ist eine Polizei-Informantin (eine heroinsüchtige serbische Zahnärztin) grausam ermordet worden. Nacelnik Rosso, der pflichtbewusste und instinktsichere Chef der von Bosniern dominierten Kriminalpolizei verbeisst sich in den Fall, den ausser ihm keinen Menschen zu interessieren scheint – eine Mordermittlung in einer Stadt, die voll von Leichen ist, behelfsmässig vergrabenen, verwesenden Körpern, an denen sich die ausgesetzten Hunde gütlich tun. Bei seinen Recherchen gerät Kommissar Rosso – Sohn eines berüchtigten kroatischen Nazi-Kollaborateurs, Ehemann der tief gefallenen, im Krieg zur Alkoholikerin gewordenen Intellektuellen Sabina, Ziehvater der todesmutigen 19-jährigen Krankenschwester Tanya – in die Grabenkämpfe der unversöhnlichen bosnischen, serbischen und kroatischen Milizen, an denen auch Heckenschützen, Nutten, UNO-Soldaten, Kriegskorrespondenten, Betrüger, Schwarzmarkthändler und anderes Strandgut, das jeder Krieg mit sich bringt, teilhaben. Eine wichtige Rolle spielt Rossos Intimfeind Luka, ein verkrüppelter, charismatischer Gangsterboss, gleichzeitig aber auch eine unverzichtbare Waffe der Bosnier im Guerillakrieg gegen die Serben. ‚Das Affenhaus‘, Fullertons erster und einziger ins Deutsche übersetzte, mit prägnantem Personal aufwartender Krimi, zeichnet ein beklemmendes Bild der langsam vor sich hin sterbenden Stadt Sarajewo und ihrer zwischen Hass und Fatalismus schwankenden, von Hunger und Kälte gequälten Bevölkerung.

Bibliografie:

‚The Monkey House‘ – ‚Das Affenhaus‘ (1996), ‚A Hostile Place‘ (2003), ‚Give Me Death‘ (auch unter dem Titel ‚This Green Land‘, 2004), ‚White Boys Don’t Cry‘ (2006).

Als J.W. Diaz: ‚Clap‘ (2000).