(1911-1988)

John Dudley Ball, geboren in Schenectady, New York State, als Sohn eines Naturwissenschaftlers, besuchte das Carroll College in Milwaukee, Wisconsin, mit einem Bachelor-Abschluss 1934. Nach der Collegezeit zum Piloten ausgebildet, diente er im Zweiten Weltkrieg drei Jahre lang als Instruktor bei der Air Force. 1942 heiratete er die Autorin Nanoni Patricia „Nan“ Hamilton. Nach dem Krieg arbeitete er in der Musikbranche, zuerst als Verfasser von Covertexten für ‚Columbia Masterworks Records‘ und als Musikkritiker beim ‚Brooklyn Eagle‘, danach als Kolumnist beim ‚New York World-Telegram‘. In dieser Zeit publizierte er seine ersten Bücher, die sich mit der Schallplattenindustrie befassen.

Von 1958 bis 1961 war Ball Leiter der PR-Abteilung des ‚Institute of the Aerospace Sciences‘, anschliessend bis 1963 Chefredakteur einer Webeagentur in Beverly Hills, ehe er im selben Jahr ein Leben als freier Schriftsteller begann. Nebenbei arbeitete er Mitte der 70er-Jahre als Deputy Sheriff in Los Angeles County und als Freiwilliger beim Polizeidepartement von Pasadena. Dort unterrichtete er Polizisten im Kampfsport Aikido, den er während eines längeren Asienaufenthalts erlernt und perfektioniert hatte. Unter dem Pseudonym Donald Johnson war Ball zudem ein berühmter Vertreter des Nudismus – er verfasste mehrere Texte und ein Schulbuch zu diesem Thema und war Redakteur des Blattes ‚Sunshine & Health‘.

Im Jahr 1965 veröffentlichte Ball seinen ersten (und weitaus bekanntesten) Kriminalroman ‚In der Hitze der Nacht‘, der den Auftakt zum Virgin Tibbs-Siebenteiler bildet. Detective Tibbs, Anfang dreissig, ist ein schwarzer, unverheirateter, ungemein kultivierter Polizeioffizier der Mordkommission Pasadena in Südkalifornen. Er hat zwar einen Partner, Bob Nakamura, ermittelt jedoch die meiste Zeit auf eigene Faust.

‚In der Hitze der Nacht‘ spielt nicht in Pasadena, sondern in Wells, einer trostlosen Kleinstadt im tiefen Süden der Vereinigten Staaten, wo Maestro Enrico Mantoli, der prominente Organisator kommender Festspiele, ermordet aufgefunden wird. Der rassistische Polizeichef Gillespie ist mit dem Fall heillos überfordert und deshalb froh, auf die Unterstützung durch Virgil Tibbs zählen zu können – der allenfalls auch als Sündenbock verwendbar wäre. Auf gescheite, unspektakuläre und feinfühlige Art behandelt Ball sein Thema „rassistische Vorurteile in den amerikanischen Südstaaten der frühen 60er-Jahre“. Die gleichnamige Verfilmung mit Sidney Poitier und Rod Steiger gewann 1967 fünf „Oscars“, unter anderem als bester Film.

Die nachfolgenden Vergil Tibbs-Romane sind vorwiegend in Pasadena angesiedelt (Ausnahme: ‚The Eyes of Buddha‘, der in Katmandu spielt); unter ihnen ‚Nicht schiessen, Johnny!‘, die rührende Geschichte des neunjährigen, der weissen Unterschicht entstammenden Johnny McGuire, in der John Ball hart mit dem amerikanischen Waffenfetischismus ins Gericht geht. Als der zwei Jahre ältere Billy Hotchkiss Johnnys Transistorradio kaputt macht, dreht dieser durch. Er entwendet den geladenen Colt seines Vaters, um sich an seinem Peiniger zu rächen, feuert blindlings in das Hotchkiss-Haus, sucht dann voller Panik das Weite. Auf seiner Flucht trifft Johnny auf vier schwarze Teenager, fühlt sich von ihnen bedroht, es kommt zu einer Schiesserei, die einer der Schwarzen nicht überlebt. Vergil Tibbs zweifelt daran, dass Johnny der Täter ist. Er organisiert die Fahndung nach dem untergetauchten Jungen und muss gleichzeitig achtgeben, dass in Pasadena keine Rassenunruhen ausbrechen.

Balls zweite Serie dreht sich um den verheirateten 34-jährigen Cop Jack Tallon, Sergeant bei der Polizei in Pasadena, der nach einer misslungenen Geiselbefreiungsaktion die Nase voll hat von der urbanen Gewalt und deshalb das Amt des Polizeichefs im gemütlichen Städtchen Whitewater, Washington State, übernimmt. Als er realisiert, dass Gewalt auch vor kleinen Ortschaften nicht Halt macht, und dass seine Untergebenen dem Verbrechen meist recht hilflos gegenüberstehen, baut er eine schlagkräftige, gut organisierte Truppe auf.

In mehreren Krimi-Einzelwerken spielt Balls Passion, das Fliegen, eine wichtige Rolle. Neben seinen Krimis verfasste der Autor aber auch eine Reihe von Abenteuergeschichten, Kriegsromanen, Sachbüchern sowie etwa 400 Artikel über Musik, Astronomie, Reisen und die Flugfahrt.

John Ball starb 77-jährig in der kalifornischen Stadt Encino, wo er den zweiten Teil seines Lebens verbracht hatte, und hinterliess seine Frau und seinen 1952 geborenen Sohn John.

Bibliografie:

Virgil Tibbs-Serie: ‚In the Heat of the Night‘ – ‚In der Hitze der Nacht‘ (auch unter dem Titel ‚Heisser Mond‘, 1965), ‚The Cool Cottontail‘ – ‚Totes Zebra zugelaufen‘ (1966), ‚Johnny Get your Gun‘ (auch unter dem Titel ‚Death for a Playmate‘ – ‚Nicht schiessen, Johnny!‘ (1969), ‚Five Pieces of Jade‘ – ‚Das Jadezimmer‘ (auch unter dem Titel ‚Fünf Stücke Jade‘, 1972), ‚The Eyes of Buddha‘ – ‚Die Augen des Buddha‘ (auch unter dem Titel ‚Unter den Augen Buddhas‘, 1976), ‚Then Came Violence‘ (1980), ‚Singapore‘ – ‚Singapur. Ein Fall für Virgil Tibbs‘ (1986);

Jack Tallon-Serie: ‚Police Chief‘ (1977), ‚Trouble for Tallon‘ (1981), ‚Chief Tallon and the S.O.R.‘ (1984); ‚Rescue Mission‘ (1966), ‚Last Plane Out‘ (1970), ‚The First Team‘ (1971), ‚Mark One – The Dummy‘ (1974), ‚Phase Three Alert‘ (1977), ‚The Killing in the Market‘ – ‚Heisser Markt für Mord‘ (1978), ‚The Murder Children‘ (1979), ‚The Kiwi Target‘ (1989), ‚The Van‘ (1989).