(1920-2008; schrieb auch als Elissa Grandower, H. Baldwin Taylor und Harry Walker)

Hillary Waugh, in den 50er- und 60er-Jahren ein sehr einflussreicher Autor, ist heute selbst in seiner Heimat in Vergessenheit geraten. Er kam in New Haven, Connecticut, zur Welt und wuchs auch dort auf. Sein Kunst- und Musikstudium schloss der talentierte Badminton- und Schachspieler 1942 an der Yale University ab. Im Zweiten Weltkrieg diente er drei Jahre als Navy-Pilot in Panama. Danach war er Karikaturist, Songwriter, Herausgeber eines Wochenblatts, Wissenschafts- und Mathematiklehrer an einer High School und Dozent für Krimischreiben an der Yale University.

Im Jahr 1947 veröffentlichte Waugh seinen ersten Roman ‚Madame Will Not Dine Tonight‘, der den Auftakt zum „Cozy“-Dreiteiler um den steinreichen Hobbydetektiv Sheridan Wesley aus New York City bildet. In den 60er-Jahren verbrachte er einige Zeit bei den Detectives der New Yorker Mordkommission. 1991 erschien sein Sachbuch ‚Hillary Waugh’s Guide to Mysteries and Mystery Writing‘. Er verfasste über fünfzig Bücher, darunter fünf Schauerromane als Elissa Grandover.

Waugh gehört zu den Begründern der Police-Procedural-Novel (Ed McBains erster Roman über das 87. Polizeirevier ist ein paar Jahre nach Waughs Frühwerken erschienen). Er brach als erster Autor das Tabu, ein Sexualverbrechen ins Zentrum der Geschichte zu stellen (‚Sleep Long My Love‘, 1959). Seine auf drei Serien verteilten Krimihelden sind Fred Fellows, Polizeichef in der (fiktionalen) ländlichen Kleinstadt Stockford in Connecticut; der New Yorker Cop Lieutenant Frank Sessions von der Mordkommission Manhattan East (so genannte Homicide North-Reihe mit drei düsteren, von komplexen Figuren getragenen Geschichten); und der hartgesottene Privatdetektiv Simon Kaye. Die Mehrzahl von Waughs Romanen spielt in amerikanischen Kleinstädten oder Vororten.

Waughs bekanntester Krimi ist das 1952 erschienene Einzelwerk ‚Spurlos verschwunden‘, in dem Chief Frank Ford, der ruppige Polizeichef des fiktiven Städtchens Bristol in Massachusetts, und sein Assistent Sergeant Cameron dem Mord an einer achtzehnjährigen Studentin auf den Grund gehen. Ungemein realistisch und detailversessen schildert der Autor die Ermittlung aus der Sicht der beiden ungleichen Polizisten – oder, in den Worten von Chief Ford: „Du weisst doch, wie das bei der Polizei läuft. Jede Ermittlung bedeutet Kleinarbeit, nichts als mühselige Kleinarbeit. Bedeutet, jeder Möglichkeit nachzugehen, eine Tonne Sand zu sieben, um ein Goldkörnchen zu finden. Mit hundert Leuten zu reden, ohne weiterzukommen, und sich dann die nächsten hundert vorzunehmen“.

Hillary Waugh war zweimal verheiratet, zuerst von 1951 bis 1981 mit Diana Taylor, dann von 1983 bis 1993 mit der Krimiautorin Shannon O’Cork. Er verbrachte die meiste Zeit seiner zweiten Lebenshälfte in Guilford bei New Haven, wo er Anfang der 70er-Jahre auch politisch tätig war, und starb 88-jährig in einem Pflegeheim in Torrington, Connecticut. Er hinterliess seinen Sohn Lawrence und seine Töchter Kathryn und Sandra, alle aus erster Ehe, sowie sieben Enkelkinder.

Bibliografie:

Sheridan Wesley-Serie: ‚Madam Will Not Dine Tonight‘ (1947), ‚Hope to Die‘ (1948), ‚The Odds Run Out‘ (1949);

Chief Fred Fellows-Serie: ‚Road Block‘ – ‚Zahltag‘ (1959), ‚Sleep Long, My Love‘ – ‚Unter falschem Namen‘ (1959), ‚That Night It Rained‘ – ‚Die Nacht des grossen Regens‘ (auch unter dem Titel ‚Die Nacht, in der es regnete‘, 1961), ‚Born Victim‘ – ‚Vermisst wird‘ (1962), ‚The Late Mrs. D.‘ – ‚Seine dritte Frau‘ (1962), ‚Death and Circumstance‘ – ‚Die Bestie‘ (1963), ‚Prisoner’s Plea‘ – ‚Der letzte Appell‘ (1963), ‚The Missing Man‘ – ‚Ein Mann wird gesucht‘ (1964), ‚End of a Party‘ – ‚Das Ende einer Party‘ (1965), ‚Pure Poison‘ – ‚Gift in falschen Händen‘ (1966), ‚The Con Game‘ – ‚Die Entlarvung‘ (1968);

Lt. Frank Sessions-Serie (Homicide North-Romane): ’30 Manhattan East‘ – ‚Tödliche Doppelrolle‘ (1968), ‚The Young Prey‘ – ‚Tod in Harlem‘ (1969), ‚Finish Me Off‘ – ‚Kein Platz für Zuhälter‘ (1970);

Simon Kaye-Serie: ‚The Doria Rafe Case‘ (1980), ‚The Glenna Powers Case‘ (1980), ‚The Billy Cantrell Case‘ (1981), ‚The Nerissa Claire Case‘ – ‚Der Fall Nerissa Claire‘ (1983), ‚The Veronica Dean Case‘ – ‚Der Fall Veronica Dean‘ (1984), ‚The Priscilla Copperwaite Case‘ (1986);

Einzelwerke: ‚Last Seen Wearing‘ – ‚Spurlos verschwunden‘ (auch unter dem Titel ‚Eine perfekte Indizienkette‘, 1952), ‚A Rag and a Bone‘ – ‚Fünf Jahre später…‘ (1954), ‚Rich Man, Dead Man‘ (auch unter dem Titel ‚Case oft he Brunette Bombshell‘, 1956), ‚Rich Man, Murder‘ – ‚Tod eines Playboys‘ (1956), ‚The Eighth Mrs. Bluebeard‘ – ‚Die achte Mrs. Blaubart‘ (auch unter dem Titel ‚Blaubarts achte Frau‘, 1958), ‚The Girl Who Cried Wolf‘ – ‚In der Maske des Wolfs‘ (1958), ‚Girl On the Run‘ – ‚Ein Mädchen muss flüchten‘ (1965), ‚Run When I Say Go‘ – ‚Es war die falsche Dame‘ (1969), ‚The Shadow Guest‘ – ‚Vorhang auf für den Mörder‘ (1971), ‚Parrish fort he Defense‘ (1974), ‚A Bride for Hampton House‘ – ‚Eine Braut für den Toten‘ (1975), ‚The Secret Room of Morgate House‘ (1977), ‚Madman at My Door‘ – ‚Der Böse vor der Tür‘ (1978), ‚A Death in a Town‘ (1988).

Als Harry Walker: ‚The Case of the Missing Gardener‘ (1954).

Als H. Baldwin Taylor: ‚The Triumvirate‘ (1966), ‚The Duplicate‘ (1967), ‚The Trouble With Tycoons‘ (auch unter dem Titel ‚The Missing Tycoon‘, 1967).

Als Elissa Grandover: ‚Seaview Manor‘ (1976), ‚The Summer at Raven’s Roost‘ (1976), ‚Blackbourne Hall‘ (1979), ‚Rivergate House‘ (1980).

Gemeinsam mit Bernard Wolfe: ‚Come on Out, Daddy (auch unter dem Titel ‚Death and Circumstance‘, 1963).

Gemeinsam mit Douglas McBriarty und David Serafin: ‚Murder on Safari‘ (auch unter den Titeln ‚Whitewater VJ‘ und ‚Port of Light‘, 1987).