(Kürzel für William Riley Burnett, 1899-1982; schrieb auch als John Monahan und John Updyke)

W.R. Burnett, geboren in Springfield als Spross einer Politikerfamilie, aufgewachsen in Dayton, Ohio, besuchte das Miami Military Institute und die Ohio State University. Nach sechs Jahren quittierte er seinen eintönigen Job als Statistiker des Bundesstaats Ohio und liess sich 1927 in der damaligen Verbrecherhochburg Chicago nieder, um seine schriftstellerische Laufbahn in die Wege zu leiten. Er jobbte als Nachtwächter in einem schäbigen Hotel, das vornehmlich von Landstreichern, Preisboxern und Gangstern bevölkert war. Als er nach Ohio zurückkehrte, hatte Burnett über hundert Kurzgeschichten und fünf Romane im Gepäck, alle unveröffentlicht. Der internationale Durchbruch liess dann nicht lange auf sich warten: Er erfolgte 1929 mit ‚Kleiner Cäsar‘.

Burnett verfasste insgesamt 20 Radio- und Theaterstücke, unzählige Stories und Liedtexte und 36 Romane (fast ausschliesslich Western und Krimis) und zählte namentlich in den 40er- und frühen 50er-Jahren zu den renommiertesten Drehbuchschreibern Hollywoods. Er starb 82-jährig in Santa Monica, Kalifornien, und hinterliess seine Frau Whitney, mit der er knapp vierzig Jahre verheiratet war, und seine Kinder James und Williams.

Von Burnetts stilprägenden, temporeichen, mit lebensnahen Dialogen – hauptsächlich Gefasel, Beleidigungen und Drohungen – aufwartenden Gangsterromanen ist der nagelharte Erstling ‚Kleiner Cäsar‘ der grösste Wurf. Der Autor schildert in diesem schlakenfreien Band den Aufstieg und Fall von Cesare Enrico „Rico“ Bandello, einem skrupellosen, schiesswütigen, von Ergeiz zerfressenen, jedoch nicht einmal ganz unsympathischen Burschen mit blassem Teint und flinken Händen, dem besten Pistolenschützen von Little Italy, innerhalb der Chicagoer Gangster-Hierarchie der späten 20er-Jahre, der Zeit der Prohibition, der organisierten Kriminalität, Vorbild war Salvatore „Sam“ Cardinella. Rico liebt nur drei Dinge: sich selbst, sein schwarzes, welliges Haar und seine Pistole. Er beginnt als Revolverheld in Sam Vettoris Organisation, schaltet später jeden aus, der ihm im Weg steht, bis ihm „Big Boy“, der Chef der Chicagoer Unterwelt, die Herrschaft über die gesamte Nordseite der Stadt übergibt. Doch dann verrät ihn sein Jugendfreund Joe Massaro, um die eigene Haut zu retten. Die Geschichte endet mit Ricos legendären Worten „Mother of God! Is this the end of Rico?“, bevor er im Kugelhagel die Seele aushaucht. 1938 wurde der Roman von Mervyn LeRoy grossartig verfilmt, Edward G. Robinson spielte die Hauptrolle.

Wie in all seinen Gangsterromanen befasst sich der Autor in ‚High Sierra‘ mit den schandbaren Auswirkungen der Grossen Depression auf die soziale Unterschicht, der kriminelle Handlungen als einzige Überlebenschance geblieben sind. Hauptperson Roy Earle, „Der letzte der Dillinger-Bande, der letzte der grossen Gangster“, ist ein überraschend vielschichtiger Kerl – Typus harte Schale, weicher Kern. Er freundet sich mit einem kleinen Hund an, greift den Menschen, die ihm etwas bedeuten, grosszügig unter die Arme, und verliebt sich zum ersten Mal ernsthaft in eine Frau. Gezeichnet von sechs Jahren Knast nach einem Banküberfall, geplagt durch Alpträume, lässt er sich durch den einflussreichen Gangster „Big Mac“ zu einem letzten Coup überreden – zusammen mit drei Grünschnäbeln soll er die mit einem Haufen wertvollem Schmuck gefüllten Tresore eines kalifornischen Luxushotels plündern. Er bezahlt dafür mit dem Leben. Raoul Walsh verfilmte den Roman 1941 nach einem Drehbuch von Burnett und John Huston, Humphrey Bogart spielte Roy Earle.

‚Asphaltdschungel‘ wartet mit einem besonders schillernden Gangster-Ensemble auf. Der auf junge Mädchen stehende Schwerverbrecher „Doc“ Erwin Riedenschneider, nach sieben Jahren aus dem Zuchthaus entlassen, hat einen Plan für einen gigantischen Juwelenraub in einer ungenannten Grossstadt im Mittleren Westen (vermutlich Cincinnati) und heuert den brutalen Heisssporn Dix Handley für den Coup an. Der Unterwelt-Anwalt und Frauenheld Alonzo Emmerich soll den Raubzug finanzieren, doch derzeit ist er total pleite. Cobby, ein abgehalfterter, versoffener Buchmacher, fungiert als Mittelsmann, der bucklige Kneipier Gus Mimissi als Fahrer und der frisch gebackene Vater Louis Bellini als Safeknacker. Gefährlichster Gegner der Bande ist Commissioner Theo Hardy, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Stadt von Korruption und Organisierter Kriminalität zu säubern. Der Bruch läuft zunächst läuft wie am Schnürchen, doch dann werden Geldgier und gegenseitiges Misstrauen den Banditen zum Verhängnis. Unterstützt durch den von ihm verehrten Autor, verarbeitete John Huston die Caper Novel 1950 zu einem Streifen, der neue Massstäbe setzte.

Bibliografie:

‚Little Caesar‘ – ‚Kleiner Cäsar‘ (auch unter den Titel ‚Der kleine Cäsar‘ und ‚Little Caesar‘, 1929), ‚The Silver Eagle‘ (1931), ‚Dark Hazard‘ (1933), ‚High Sierra‘ – ‚High Sierra‘ (1940), ‚The Quick Brown Fox‘ (1942), ‚Nobody Lives Forever‘ – ‚Späterer Mord nicht ausgeschlossen‘ (1943), ‚Tomorrow’s Another Day‘ (1945), ‚Romelle‘ (1947), ‚The Asphalt Jungle‘ – ‚Asphaltdschungel‘ (auch unter dem Titel ‚Da waren es nur noch zwei‘, 1949), ‚Little Men, Big World‘ – ‚Im Schatten der Scheinwerfer‘ (1951), ‚Vanity Row‘ – ‚Ein gefährlicher Weg‘ (1952), ‚Big Stan‘ (zuerst als John Monahan, 1953), ‚Underdog‘ – ‚Der Gezeichnete‘ (1957), ‚Conant‘ – ‚Ein Mann namens Conant‘ (1961), ‚Round the Clock at Volari’s‘ – ‚Nachtclub Volari‘ (1961), ‚The Widow Barony‘ (1962), ‚The Cool Man‘ – ‚Von vielen Hunden gehetzt‘ (1968), ‚Goodbye Chicago: 1928, End of an Era‘ – ‚Goodbye Chicago‘ (1981).