(*1936)

James Lee Burke wurde 1936 in Houston, Texas, geboren und wuchs an der Golfküste von Texas und Louisiana auf. Er studierte Englisch am Southwestern Louisiana Institute in Lafayette und an der University of Missouri in Columbia mit einem Masters-Abschluss 1960. Nebenbei verrichtete er Aushilfsjobs in der Erdölindustrie, als Landvermesser und als Lastwagenfahrer. Nach dem Studium arbeitete er unter anderem als Zeitungsreporter, Sozialarbeiter und als Englischlehrer an verschiedenen Colleges. In den 60er- und frühen 70er-Jahren verfasste er mehrere nicht zum Krimigenre gehörende Romane und einen Kurzgeschichtenband. Die folgende Zeit war von seiner Alkoholsucht geprägt. Doch Burke konnte sich aufrappeln, wurde 1977 trocken, und Ende der 80er-Jahre gelang ihm mit seinen ersten Dave Robicheaux-Romanen der literarische Durchbruch. Seit 1989 ist er hauptberuflicher Autor. In den 80er-Jahren unterrichtete er zudem Creative Writing an der Wichita State University in Kansas.

Dave Robicheaux, genannt „Streak“, ein alkoholkranker, die meiste Zeit jedoch trockener Cajun mit schwieriger Kindheit und traumatischer Vietnamvergangenheit, ist zu Beginn der Reihe Detective beim New Orleans Police Department. Am Schluss des ersten Krimis ‚Neonregen‘ verliert er seinen Job und kehrt zu seinen Ursprüngen zurück: In die Kleinstadt New Iberia im Süden von Louisiana, wo er für das Sheriff Department arbeitet, hin und wieder aber auch auf eigene Faust ermittelt bzw. für Gerechtigkeit und Ordnung sorgt. Darüber hinaus betreibt er mit seinem schwarzen Freund Batist einen Bootsverleih und Köderladen.

In ‚Blut in den Bayous‘ trifft Robicheaux auf ein kleines salvadorianisches Flüchtlingsmädchen, Alafair, die einzige Überlebende eines Flugzeugabsturzes über dem Golf von Mexiko, die er später adoptiert – und in diesem Roman wird Robicheaux‘ zweite Frau Annie Ballard, eine feinfühlige Sozialarbeiterin, die er in ‚Neonregen‘ kennen gelernt hatte, im Bett ermordet – ein Verlust, der ihm ungemein nahe geht, und den er im Alkohol ersäuft, bevor er zur Rache schreitet.

Im nachfolgenden Roman ‚Black Cherry Blues‘ kehrt Clete Purcell, Robicheaux‘ ehemaliger Polizeipartner und Lebensretter, aus Lateinamerika zurück, wo er als Kopfgeldjäger unterwegs war, und etabliert sich in New Orleans als Barkeeper und Privatdetektiv – die Wege der beiden alten Kumpel kreuzen sich fortan immer wieder.

Der vierte Roman ‚Flamingo‘ bedeutet für Robicheaux einen Wendepunkt: Er heiratet seine dritte Frau Bootsie Giacano – die Witwe eines Vertreters der organisierten Kriminalität -, obwohl er weiss, dass sie unheilbar an Lupus erkrankt ist, und führt mit ihr eine gute, von gegenseitigem Respekt geprägte Ehe. (Bootsie wird im Fortgang der Reihe ihrer Krankheit erliegen.)

Robicheaux geht seinen Kriminalfällen, die ihn oft persönlich betreffen, mit an Besessenheit grenzender Leidenschaft und unkonventionellen Methoden nach, hat seine gewalttätige Ader nicht immer im Griff und nimmt das Gesetz gelegentlich in die eigene Hand. ‚Strasse ins Nichts‘ führt ihn zurück zu seiner traurigen Famliengeschichte. In diesem Roman erfährt er, dass seine Mutter Mae, die 30 Jahre zuvor die Familie verlassen hatte, eine Prostituierte war und von zwei Polizisten als unliebsame Zeugin ermordet wurde.

Burke erzählt die düsteren, auf einer pessimistischen Weltsicht gründenden, tief in der Vergangenheit verwurzelten Robicheaux-Geschichten in einer sinnlich-poetischen Sprache und besticht mit ungemein plastischen und stimmungsvollen Schilderungen des ländlichen Louisiana mit seinem tropischen Klima und den heruntergekommen Dörfern, mit seinen herrlichen Landschaften und gefährlichen Sümpfen, mit seiner Korruption und seinem Rassismus, Phänomenen, die hier zum Alltag gehören.

Auch in seiner vierteiligen Reihe um den hart gesottenen, zu Wutausbrüchen neigenden Rechtsanwalt und früheren Texas Ranger Billy Bob Holland ist es Burke gelungen, gegenwärtige und vergangene Geschehnisse fein miteinander zu verweben. Die Krimis spielen in dem texanischen Bergkaff Deaf Smith, dessen ebenso hinterwäldlerische wie verkommene Bevölkerung mit sehr beachtlichen kriminellen Energien aufwartet.

In drei weiteren Krimis bekleidet Billy Bob Hollands Cousin Hackberry Holland, genannt „Hack“, die Hauptrolle, ein ehemaliger Kriegsgefangener in Korea, ein eins fünfundneunzig grosser Witwer mit kantigem Profil, der jetzt als Sheriff in Rain Gods, Texas, zum Rechten schaut.

Burke lebt mit seiner Frau Pearl, mit der er seit 1962 verheiratet ist und vier Kinder hat, in Missoula, Montana, und New Iberia, Louisiana. Seine jüngste Tochter Alafair (!) Burke, eine ehemalige Staatsanwältin und jetzige Dozentin für Strafrecht, schreibt nebenberuflich ebenfalls Krimis.

Bibliografie:

Dave Robicheaux-Serie: ‚The Neon Rain‘ – ‚Neonregen‘ (1987), ‚Heaven’s Prisoners‘ – ‚Mississippi Delta – Blut in den Bayous‘ (auch unter dem Titel ‚Blut in den Bayous‘, 1988), ‚Black Cherry Blues‘ – ‚Black Cherry Blues‘ (auch unter dem Titel ‚Schmierige Geschäfte‘, 1989), ‚A Morning for Flamingos‘ – ‚Flamingo‘ (1990), ‚A Stained White Radiance‘ – ‚Weisses Leuchten‘ (1992), ‚In the Electric Mist with Confederate Dead‘ – ‚Im Schatten der Mangroven‘ (1993), ‚Dixie City Jam‘ – ‚Mississippi Jam‘ (1994), ‚Burning Angel‘ – ‚Im Dunkel des Deltas‘ (1995), ‚Cadillac Jukebox‘ – ‚Nacht über dem Bayou‘ (1996), ‚Sunset Limited‘ – ‚Sumpffieber‘ (1998), ‚Purple Cane Road‘ – ‚Strasse ins Nichts‘ (2000), ‚Jolie Blon’s Bounce‘ – ‚Die Schuld der Väter‘ (2002), ‚Last Car to Elysian Fields‘ (2003), ‚Crusader’s Cross‘ (2005), ‚Pegasus Descending‘ (2006), ‚The Tin Roof Blowdown‘ (2007), ‚Swan Peak‘ (2008), ‚The Glass Rainbow‘ (2010), ‚Creole Belle‘ (2012), ‚Light of the World‘ (2013);

Billy Bob Holland-Serie: ‚Cimarron Rose‘ – ‚Dunkler Strom‘ (1997), ‚Heartwood‘ – ‚Feuerregen‘ (1999), ‚Bitterroot‘ – ‚Die Glut des Zorns‘ (2001), ‚In the Moon of Red Ponies‘ (2004);

Hack Holland-Serie: ‚Lay Down My Sword and Shield‘ – ‚Zeit der Ernte‘ (1971), ‚Rain Gods‘ – ‚Regengötter‘ (2009), ‚Feast Day of Fools‘ – ‚Glut und Asche‘ (2011), ‚House of the Rising Sun‘ (2015);                                     

Einzelwerke: ‚Wayfaring Stranger‘ (2014), ‚The Jealous Kind‘ (2016).