(Kürzel für Brian Francis Wynne Garfield, *1939; schreibt auch als Bennett Garland, Alex Hawk, John Ives, Drew Mallory, Frank O’Brian, Jonas Ward, Brian Wynne und Frank Wynne)

Brian Garfield, geboren in New York City als Sohn einer Kunstmalerin, aufgewachsen in Arizona, machte einen Master-Abschluss an der University of Arizona. Ende der 50er-Jahre war er Mitglied der recht erfolgreichen Jazz-Rock-Blues-Band ‚The Palisades‘. Mit achtzehn, während der Militärdienstzeit, verfasste er seinen ersten Roman. Es folgten über siebzig Bücher mit einer Gesamtauflage von rund 20 Millionen: Western, Abenteuer-, Horror-, Spionage- und Kriminalromane, historische Romanzen und zwei Bände mit Kriminalstories, aber auch je ein Sachbuch über Western-Filme und den Zweiten Weltkrieg in Alaska und eine Biografie des britischen Geheimagenten, Naturforschers und Hochstaplers Richard Meinertzhagen. Darüber hinaus war er in der Filmbranche tätig und präsidiert seine eigene Filmgesellschaft, die Shan Productions Company.

Zu Garfields bekanntesten Prosawerken zählen der höchst erfolgreich mit Charles Bronson verfilmte Selbstjustizroman ‚Ein Mann sieht rot‘ (Garfield war mit der reisserischen Verfilmung begreiflicherweise gar nicht zufrieden), die beiden stimmungsvollen Krimis um den Navajo-Trooper Sam Watchman aus Arizona, die gemeinsam mit Donald Westlake verfasste Caper Novel ‚Bahn frei für eine Fuhre Gold‘, der Spionageroman ‚Hopscotch‘ und der historische Roman ‚Das Gold der Zaren‘ – alles Werke, die in der ersten Hälfte der 70er-Jahre erschienen sind. Garfields nach 1977 publizierte Romane sind nicht ins Deutsche übersetzt worden.

‚Ein Mann sieht rot‘ ist die Geschichte des 47-jährigen New Yorker Buchprüfers Paul Benjamin (in der Verfilmung und der deutschen Übersetzung heisst er Paul Kersey), dessen Leben aus den Fugen gerät, als drei jugendliche schwarze Einbrecher seine Frau Esther (in der deutschen Übersetzung: Joanna) und seine Tochter Carol brutal zusammenschlagen: Esther stirbt, Carol, die mit dem Anwalt Jack Tobey verheiratet ist, erleidet ein schweres psychisches Trauma, von dem sie sich nicht mehr erholen wird. Paul, im Grunde ein vernünftiger und liberal denkender Zeitgenosse, versucht sich zuerst mit kleinen, mehr oder weniger sinnvollen Handlungen abzulenken und führt lange Gespräche mit seinem Schwiegersohn, doch er steht gewaltig unter Druck, immer kurz vor der Explosion, fühlt sich auf der Strasse ständig bedroht von gefährlich wirkenden Typen, die er am liebsten tot sehen würde, und findet nicht mehr zurück in den Alltag. Anders als im Film lässt Paul seinen Gewaltfantasien erst im letzten Viertel freien Lauf: Wahllos eschiesst er Kriminelle, um sich an einer Gesellschaft zu rächen, die zugelassen hat, dass das Leben seiner Frau und seiner Tochter zerstört wurde. ‚Ein Mann sieht rot‘ ist eine einfühlsame und unspektakuläre psychologische Studie über einen Mann, der, als er den Boden unter den Füssen verliert, sich nicht anders als mit blinder Gewalt zu helfen weiss.

Zu Beginn des Nachfolgebandes ‚Ein Mann dreht durch‘ erfahren wir, dass Paul damals in New York in fünf Wochen nicht weniger als 17 Kriminelle hingerichtet hat. Seine Tochter starb zwei Monate nach dem Überfall, worauf er seinen Wohnsitz in die Verbrecherhochburg Chicago verlegte, um dort eine etwas subtilere Rache-Taktik zu verfolgen: Er besucht Gerichtsverhandlungen, lauert anschliessend den gegen Kaution freigelassenen Gangstern auf und bläst ihnen das Licht aus. Doch dann verliebt sich Paul in die attraktive und einsame Staatsanwältin Irene Evans, und mehrere Nachahmungstäter, die auch den Tod unschuldiger Menschen in Kauf nehmen, beginnen ihr Unwesen zu treiben – eine Welt bricht für ihn zusammen, als er erkennt, wie viel Schaden er mit seiner sinnlosen Rachetour angerichtet hat.

In ‚Der bessere Indianer‘ machen Sam Watchman, 33-jährig, sein junger, weisser Partner Buck Stevens und der unfähige, sich jedoch arg überschätzende FBI-Agent Vickers Jagd auf fünf Bankräuber – drei frühere Green Berets, unter ihnen der eiskalte Ex-Major Leo Hargit, ein Pilot, den sie aus dem Vietnamkrieg kennen, und ein ehemaliger Sträfling, der über Insiderinformationen verfügt -, die sich mit ihrer Beute von fast einer Million Dollar und einer weiblichen Geisel ins Gebirge von Arizona abgesetzt haben und dort von einem Blizzard überrascht werden. Die schnelle, abwechslungsweise aus der Sicht der Verbrecher und ihrer Verfolger erzählte Geschichte gipfelt in einem dramatischen Duell zwischen Watchman und Hargit.

Garfields anspruchsvollstes Werk ist ‚Das Gold der Zaren‘. In diesem vorzüglich recherchierten Roman verknüpft er zwei wichtige Ereignisse des 20. Jahrhunderts miteinander: Den unglaublich brutalen Russischen Bürgerkrieg 1918 bis 1920 (Rote Armee gegen Weisse Armeen) und die Eroberung der Krimstadt Sewastopol (damals die stärkste Festung der Welt) durch Nazideutschland 1942. Bindeglied sind 500 Tonnen Gold (die eiserne Reserve des letzten Zaren), die im Januar 1920 in den Wirren des russischen Bürgerkrieges in Sibirien verloren gingen, bis nach über zwanzig Jahren die Nazis kamen und das Gold mitnahmen, um es dann 1944 irgendwo in der UdSSR zu verstecken. Anfang der 70er-Jahre ist Harry Bristow, ein bekannter Historiker und Sachbuchautor ukranisch-amerikanischer Abstammung, auf der Suche nach Material für Bücher über den Krieg zwischen der Roten Armee unter Trotzki und den zaristischen Weissen Armeen mit Admiral Alexander Koltschak als oberstem Befehlshaber auf der einen, über die Belagerung Sewastopols durch die Deutschen auf der andern Seite – eine recht zähe Angelegenheit, in der Zeit des Kalten Krieges. Durch seinen alten Freund Evan McIver von der CIA lernt Bristow die junge Jüdin Nikki Eisen kennen. Sie wird seine Geliebte und verhilft ihm zu einem Treffen mit Chaim Tippelskirch, dem Ende 1919, unmittelbar vor der Kapitulation der Weissen, von Koltschak das Kommando über den aus 28 gepanzerten Waggons bestehenden Goldzug übertragen worden war. Kurz nach diesem Treffen erhält Bristow zu seiner Verblüffung plötzlich die Erlaubnis, für weitere Nachforschungen in die Sowjetunion einzureisen – denn für die Geheimdienste dreier Länder, die auf das Gold scharf sind, ist klar: Wenn jemand den Schatz aufstöbern kann, dann Harry Bristow. Diese drei Länder aber sind die UdSSR, die USA und Israel…

Brian Garfield, ein enger Freund des Krimiautors Don Westlake, den er in den 60er-Jahren, während seiner Zeit in New York City, kennen gelernt hatte, verliess die Stadt 1979 und bezog Wohnsitz in Kalifornien. Heute lebt er mit seiner zweiten Frau Bina in Pasadena, Kalifornien, und Santa Fé, New Mexico.

Bibliografie:

Paul Benjamin-Romane: ‚Death Wish‘ – ‚Ein Mann sieht rot‘ (auch unter den Titeln ‚Der Vigilant oder ein Mann sieht rot‘ und ‚Ein Mann sieht rot oder der Vigilant‘, 1972), ‚Death Sentence‘ – ‚Ein Mann dreht durch‘ (1975);

Trooper Sam Watchman-Romane: ‚Relentless‘ – ‚Der bessere Indianer‘ (1972), ‚The Threepersons Hunt‘ – ‚Einer gegen Threepersons‘ (1974);

Einzelwerke: ‚The Hit‘ – ‚Das Weisse im Auge der Mafia‘ (auch unter dem Titel ‚Der rosa Cadillac‘, 1970), ‚The Villiers Touch‘ (1970), ‚Deep Cover‘ (1971), ‚What of Terry Conniston?‘ – ‚Ein Tropfen Blut im Sand‘ (1971), ‚Line of Succession‘ (1972), ‚Gangway!‘ – ‚Bahn frei für eine Fuhre Gold‘ (gemeinsam mit Donald Westlake‘, 1973), ‚Kolchak’s Gold‘ – ‚Das Gold der Zaren‘ (1973), ‚The Romanov Succession‘ (1974), ‚Hopscotch‘ – ‚Hopscotch‘ (auch unter dem Titel ‚Freitod durch fremde Hand‘ (1975), ‚Recoil‘ – ‚Nicht aktenkundig‘ (1977), ‚Necessity‘ (1988), ‚The Marksman‘ (2003).

Als John Ives: ‚Fear in a Handful of Dust‘ (auch unter dem Titel ‚Fear‘, 1978; später als Brian Garfield unter dem Titel ‚Fleshburn‘, 1984), ‚The Marchand Woman‘ (1979).

Als Drew Mallory: ‚Target Manhattan‘ (1975).

Als Frank O’Brian: ‚The Rimfire Murders‘ (1962).