(Pseudonym für Leonard S. Zinberg, 1911-1968; schrieb auch als Steve April)

Leonard ‚Len‘ S. Zinberg, besser bekannt als Ed Lacy, kam in New York City zur Welt. Nach der Scheidung seiner Eltern wuchs er ab 1921 bei der Mutter und ihrem zweiten Mann, einem Juristen, in Manhattan auf und besuchte dann das College of the City of New York. In den 30er-Jahren zog er durch die Vereinigten Staaten und bestritt seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs, bis er Anfang der 40er-Jahre in seine Geburtsstadt zurückkehrte. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er an der Invasion Italiens teilnahm, entschloss er sich für ein Leben als Autor. Wenn es die finanzielle Situation erlaubte, reiste er mit seiner Frau in die Karibik oder nach Europa. Im Alter von 56 Jahren erlitt Zinberg in der Nähe seines Hauses in Harlem einen plötzlichen Herztod. Er hinterliess seine Frau Esther und eine Tochter.

Zinberg schrieb bereits in den frühen 30er-Jahren seine ersten Texte, die in verschiedenen Magazinen abgedruckt wurden. Nachdem er sich lange Zeit weitgehend auf die kurze Strecke konzentriert hatte (Ausnahmen: ‚Walk Hard, Talk Loud‘, die Geschichte des schwarzen Boxers Andy Whitman, und ‚Welcome Home‘, ein satirischer Roman über einen GI, der nach dem Krieg in seine Heimat zurückkehrt – beide Titel sind in den frühen 40ern erschienen), veröffentlichte er 28 mit Ed Lacy gezeichnete Kriminalromane um verschiedene hartgesottene, meist afroamerianische Protagonisten. Daneben schrieb er Texte über seine zweite Passion, den Boxsport, und für Comic Strips. 1948 unterstützte er Henry Wallace, den Führer der ‚Progressive Party‘, im Wahlkampf gegen Truman.

Zinbergs bekannteste Figur ist Toussaint „Touie“ Marcus Moore aus Harlem, der erste glaubhaft skizzierte schwarze Privatdetektiv der Kriminalliteratur; er ist in ‚Mord auf Kanal 12‘ und ‚Der Tod des Matadors‘ im Einsatz, im ersten Buch in der Kleinstadt Bingston, Ohio, und in New York, im zweiten vorwiegend in Mexiko. Weitere wiederkehrende Gestalten sind die New Yorker Cops Lee Hayes und Dave Wintino, die ebenfalls  je zwei Auftritte haben.

Touie Moore ist ein gross gewachsener und kräftiger Pfeifenraucher, der als Offizier im Zweiten Weltkrieg diente. Nach der Militärzeit arbeitete er für eine grössere Detektivagentur, bis er sich 1953 als Rausschmeisser und Gelegenheitsdetektiv selbständig machte. Er fährt einen alten Jaguar und ist stets gut gekleidet, lebt aber zunächst höchst bescheiden in einer kleinen Wohnung, die er sich mit zwei Kumpeln teilt, und die ihm auch als Büro dient. Im ersten Roman verliebt er sich in die mutige schwarze Verkäuferin Frances Davis, die er später heiratet, und die in ‚Der Tod des Matadors‘ ein Kind von ihm erwartet. In diesem Krimi wird der hauptberuflich jetzt als Postbote tätige Protagonist von seinem früheren Arbeitgeber beauftragt, den populärsten Matador Mexikos als Betrüger, eventuell gar als Mörder zu entlarven – ein ungemein heikles Unterfangen für Touie Moore, der die spanische Sprache nicht beherrscht und auch nicht auf die gewohnte Infrastruktur zurückgreifen kann.

Zinberg, ein politisch links stehender Weisser, der mit einer jüdischen Afroamerikanerin verheiratet war, hat seine zentralen Themen – Rassenhass und Unterdrückung von Minderheiten in den 50er- und 60er-Jahren – stets auf unprätentiöse, realistische und feinfühlige Weise behandelt.

Bibliografie:

Einzelwerke: ‚The Woman Aroused‘ (1951), ‚Sin in Their Blood‘ (auch unter dem Titel ‚Death in Passing‘) – ‚Sünde im Blut‘ (auch unter dem Titel ‚Der tödliche Hass‘, 1952), ‚Strip for Violence‘ – ‚Gefährliche Neugier‘ (1953), ‚Enter Without Desire‘ – ‚Zahlbar in Mord ‚ (auch unter dem Titel ‚Telefon Sandyhook 776‘, 1954), ‚Go for the Body‘ (1954), ‚The Best That Ever Did It‘ (auch unter dem Titel ‚Visa to Death‘) – ‚Besondere Kennzeichen‘ (1955), ‚The Men from the Boys‘ – ‚Verdammter Polyp!‘ (auch unter dem Titel ‚Verdammter Bulle!‘, 1956), ‚Be Careful How You Live‘ (auch unter dem Titel ‚Dead End‘) – ‚Mit leeren Händen‘ (1958), ‚Breathe No More My Lady‘ (1958), ‚Shakedown for Murder‘ – ‚Ein sanftes Ende‘ (1958), ‚Blonde Bait‘ – ‚Blonde Beute‘ (1959), ‚The Big Fix‘ – ‚Knockout für einen Killer‘ (1960), ‚A Deadly Affair‘ (1960), ‚Bugged for Murder‘ – ‚Die Frau, die keiner kannte‘ (1961), ‚The Freeloaders‘ (1961), ‚South Pacific Affair‘ (1961), ‚The Sex Castle‘ (auch unter dem Titel ‚Shoot it Again‘ (1963), ‚Sleep in Thunder‘ – ‚Ein gutes Gewissen‘ (1964), ‚Pity the Honest‘ (1965), ‚The Hotel Dwellers‘ (1966), ‚The Napalm Bugle‘ (1968), ‚The Big Bust‘ (1969);

Tossaint Moore-Romane: ‚Room to Swing‘ – ‚Mord auf Kanal 12‘ (auch unter dem Titel ‚Kein Spielraum‘, 1957), ‚Moment of Untruth‘ – ‚Der Tod des Matadors‘ (1964);

Dave Wintino-Romane: ‚Lead with Your Left‘ – ‚Gut Gezielt‘ (1957), ‚Double Trouble‘ – ‚Puppe im Brautkleid‘ (1965);

Lee Hayes-Romane: ‚Harlem Underground‘ – ‚Geheimauftrag Harlem‘ (1965), ‚In Black & White‘ – ‚Schwarz auf Weiss‘ (1967).