(Pseudonym für Philip Nicholson, 1940-2005)

Eine schöne Szene aus den 90er-Jahren: Philip Nicholson sitzt in seinem Stammlokal ‚Gleneagles‘ im Küstenstädtchen Mgarr auf Gozo und schaut vergnügt den Touristen zu, die den Spuren des Bestsellerautors A.J. Quinnell folgen, der auf dieser kleinen Mittelmeerinsel ansässig ist.

Philip Nicholson kam in Nuneaton, Warwickshire, während eines Angriffs der deutschen Luftwaffe zur Welt und wuchs in West Yorkshire auf. Nach der Schulzeit, die er vor allem an der Queen Elizabeth’s Grammar School in Wakefield verbrachte, arbeitete er kurze Zeit für eine Schifffahrtsgesellschaft in Liverpool. Mit 20 Jahren wurde er Textilwarenhändler in Hongkong.

Nicholson verbrachte dann fast 20 Jahre als Kaufmann in verschiedenen Ländern des Fernen Ostens, hielt sich jedoch auch immer wieder in Schwarzafrika auf, bevor er Ende der 70er-Jahre Wohnsitz auf der maltesischen Insel Gozo bezog und unter dem Pseudonym A.J. Quinnell (es setzt sich zusammen aus den Initialen des Sohnes eines maltesischen Barmanns und dem Namen des walisischen Rugbyspielers Derek Quinnell und wurde erst posthum gelüftet) zu schreiben begann. Den grossen literarischen Durchbruch schaffte er 1980 mit seinem ersten (zweimal verfilmten) Roman ‚Mann unter Feuer‘, der den Auftakt zur Reihe um den Söldner Creasy bildet.

Nicholson war in dritter Ehe mit der bekannten dänischen Krimiautorin Elsebeth Egholm verheiratet, die beiden pendelten zwischen Gozo und Dänemark und unternahmen viele Reisen miteinander. Er starb 65-jährig in seiner Wahlheimat Gozo. Den sechsten Creasy-Roman, der sich mit den frühen Jahren des Legionärs befassen sollte, konnte er nicht mehr beenden.

Quinnells bekannteste Figur ist besagter Creasy, ein aus Tennessee stammender, mit 14 Jahren Vollwaise gewordener Einzelgänger mit einer Vergangenheit als Marine (er wurde entlassen, nachdem er einen unfähigen Offizier verprügelt hatte), als Angehöriger der französischen Fremdenlegion, für die er im Fernen Osten und in Afrika ins Gefecht zog, sowie als Kriegsgefangener und Folteropfer. Die Creasy-Serie war vor allem in Japan äusserst populär, offenbar betrachteten die Japaner Creasy als eine Art „Ronin“ – einen entehrten Samurai-Krieger, der sich mit guten Taten rehabilitieren möchte.

Seitdem Creasy vor kurzem dem Söldnerleben desillusioniert den Rücken gekehrt hat, sieht der hünenhafte Mann, dessen Körper von Narben übersät ist, nicht mehr viel Sinn in seinem Leben – er widmet sich vor allem dem Rumhängen und Saufen, festen Frauenbeziehungen geht er tunlichst aus dem Weg. Und jetzt ist er fast 50-jährig und vom Alkohol arg gezeichnet, als ihm sein bester Freund Guido Arrelia in ‚Mann unter Feuer‘ einen Job als Bodyguard vermittelt – es ist die Zeit, in der auf den Strassen Italiens reihenweise Kinder reicher Familien entführt werden. Creasys Auftraggeber ist der Stofffabrikant Ettore Balletto, der mit seiner extravaganten Frau Rika und der aufgeweckten 11-jährigen Tochter Pinta in Norditalien lebt. Obwohl Creasy sich zunächst dagegen wehrt, entsteht zwischen ihm und Pinta eine tiefe Freundschaft, die jäh endet, als das Mädchen bei einem Entführungsversuch ums Leben kommt. Creasy schwört blutige Rache. Er begibt sich auf die Insel Gozo, um für seinen Feldzug zu trainieren – und verliebt sich dort zum ersten Mal in seinem Leben ernsthaft in eine Frau. Rasante Handlungsführung, farbig gezeichnete Charaktere und die rührende Beziehung zwischen dem schroffen, verschlossenen Krieger und dem ungemein charmanten kleinen Mädchen, aber auch eindrucksvolle Schilderungen der Inseln Malta und Gozo machen ‚Mann unter Feuer‘ zu einem ganz besonderen Leseerlebnis.

Bibliografie:
Creasy-Serie: ‚Man on Fire‘ – ‚Der Söldner‘ (auch unter dem Titel ‚Mann unter Feuer‘, 1980), ‚The Perfect Kill‘ – ‚Die Spur des Söldners‘ (1992), ‚The Blue Ring‘ – ‚Der blaue Ring‘ (1993), ‚Black Horn‘ (1994), ‚Message From Hell‘ (1996);
‚The Mahdi‘ – ‚Der falsche Mahdi‘ (1981), ‚Snap Shot‘ (auch unter dem Titel ‚The Snap‘) – ‚Der Treffer‘ (1982), ‚Blood Ties‘ – ‚Blutzoll‘ (1984), ‚Siege of Silence‘ – ‚Operation COBRA‘ (1986), ‚In the Name oft he Father‘ – ‚Im Namen des Vaters‘ (1987), ‚The Shadow‘ (1992), ‚The Trail of Tears‘ (1999).

++ Erstellt: August 2011 ++