(1932-2007)

Paul Emil Erdman kam nach weiten Umwegen zur Schriftstellerei. Geboren als Sohn eines amerikanisch-stämmigen Pfarrers im kanadischen Stratford, Ontario, aufgewachsen in den USA, studierte er am Concordia Seminary, St. Louis, und an der Edmund A. Walsh School of Foreign Service der Georgetown University, Washington, D.C. Im Jahr 1958 doktorierte er in Ökonomie, europäischer Geschichte und Theologie an der Universität Basel. Nachdem er einige Jahre als Volkswirtschaftler bei der Europäischen Gesellschaft für Kohle und Stahl und am Stanford Research Institute in Menlo Park, Kalifornen, gearbeitet hatte, gründete er 1965 in Basel eine Privatbank, die Salik Bank, die 1969 von der United California Bank aufgekauft wurde. Ein Jahr später kam es zum Konkurs, und Erdman wurde wegen illegaler Spekulationen im Silber- und Kakaomarkt angeklagt. Während der Untersuchungshaft begann er an seinem ersten Roman ‚Der Milliarden-Dollar-Schnitt‘ zu schreiben. Nach acht Monaten kam er auf Kaution frei, setzte sich in die Vereinigten Staaten ab und entschloss sich für ein Leben als Autor. 1973 wurde er in Absentia zu neun Jahren Haft verurteilt, kehrte jedoch selbstverständlich nie mehr in die Schweiz zurück. Er lebte als freier Schriftsteller in San Francisco und auf einer kleinen Ranch in der Nähe von Healdsburg, Sonoma County, wo er 74-jährig nach langer Krankheit starb. Erdman hinterliess seine Schweizer Frau Helly, geborene Boeglin, die er 1954 geheiratet hatte, und zwei Töchter, Jennifer und Constance.

Erdmans Werk besteht aus fünf Sachbüchern zu ökonomischen Themen und neun handlungsreichen Finanzkrimis (so genannte „financial fiction“ oder „fi-fi“), die alle teilweise in der Schweiz angesiedelt sind – einem Land, mit dem ihn eine Hassliebe verbunden hat. Erdman publizierte überdies mehrere Artikel über seine zweite Passion, den American Football, und schrieb von 1998 bis 2005 eine Kolumne zu finanziellen Themen für die Webseite ‚MarketWatch.com‘. Sein zehnter Roman ‚The Great Game‘ blieb unveröffentlicht.

Erdmans erster Roman ‚Der Milliarden-Dollar-Schnitt‘, von dem im englischen Sprachraum über 2 Millionen Exemplare abgesetzt wurden, handelt von Insidergeschäften, waghalsigen Spekulationen und verzweifelten Aktionen zur Rettung maroder Konzerne. Eine wichtige Rolle spielt das Bankenparadies Schweiz, vertreten unter anderem durch Dr. Walter Hofer, den mit allen Wassern gewaschenen Vorstandspräsidenten der zweitgrössten Bank des Landes, der für die Briten und die Amerikaner die Kohlen aus dem Feuer holen soll, aber auch die Russen mischen munter mit, indem sie den Goldpreis in die Höhe schnellen lassen, während der Dollar ins Bodenlose fällt.

In Erdmans berühmtestem Roman ‚Crash ’81. Der Grosse Schock‘ stehen sich Ende der 70er-Jahre zwei schillernde Figuren gegenüber: Das amerikanische Finanzgenie Bill Hitchcock, ein ehemaliger Bankenbesitzer, der neuerdings Saudiarabien in Wirtschaftsfragen berät (es ist die Zeit der grossen Ölkrise), und der Schah von Persien, der mit allen (auch atomaren) Mitteln die Herrschaft über den Nahen Osten anstrebt und deshalb einen Atomwissenschaftler der Extraklasse engagiert.

‚Schweizer Konten‘, eine brisante Mischung aus Fiktion und Fakten, angesiedelt in der zweiten Hälfte des Zweiten Weltkriegs, kommt im Wesentlichen mit einer Handvoll historischen und zwei erdachten Figuren aus. Auf der Seite der Alliierten und der Schweizer sind dies Allan Dulles, der 1943 bis 1945 von Bern aus die amerikanischen Geheimdienstaktionen in der Schweiz koordinierte (und 1953 Direktor der CIA wurde), Peter Burckhardt (fiktiv) und seine Vorgesetzten Hauptmann Waibel und Oberstbrigadier Masson vom Geheimdienst der Schweizer Armee, und die junge, mutige in Basel als Vizekonsulin ansässige Amerikanerin Nancy Reichman (fiktiv), die das Bindeglied zwischen Dulles und dem Schweizer Geheimdienst darstellt. Ihre Gegner sind der hohe SS-Offizier Walter Schellenberg, Himmlers rechte Hand, und Sturmbannführer Hans Wilhelm Eggen von der Waffen-SS, doch auch die Russen sind im Spiel. Der minutiös recherchierte (alle Informationsquellen sind im zehnseitigen Anhang aufgeführt!), zweifellos auch von Erdmans Ressentiments gegen die Schweiz geprägte Roman enthüllt die vielschichtigen Verflechtungen der „neutralen“ Schweiz mit Nazi-Deutschland – um zu verhindern, dass ihr Land gewaltsam ins Dritte Reich eingegliedert wurde, bzw. zu Gunsten der eigenen Prosperität, liess ein grosser Teil der Schweizer Wirtschafts- und Finanzwelt der deutschen Kriegsmaschinerie jede erdenkliche Unterstützung zukommen.

Bibliografie:

‚The Billion Dollar Sure Thing‘ (auch unter dem Titel ‚Billion Dollar Killing‘) – ‚Der Milliarden-Dollar-Schnitt‘ (1973), ‚The Silver Bears‘ – ‚Die Silberhaie‘ (1974), ‚The Crash of ’79‘ – ‚Crash ’81. Der Grosse Schock‘ (1979), ‚The Last Days of America‘ – ‚Die letzten Tage von Amerika‘ (1981),’‚The Panic of ’89‘ – ‚Panik ’89‘ (1986), ‚Palace‘ – ‚Las-Vegas-Spiel. The Palace‘ (1987), ‚Swiss Account‘ – ‚Schweizer Konten‘ (1991), ‚Zero Coupon‘ – ‚Zero Bonds‘ (1993), ‚The Set Up‘ (1997).