(Pseudonym für Carl Constantine Kosak, *1934)

Über K.C. Constantines bürgerlichen Namen wurde lange Zeit gerätselt – er lautet Carl Constantine Kosak. Geboren in der kleinen Industriestadt McKees Rock, Pennsylvania, auf dem Höhepunkt der Grossen Depression, diente Kosak in den frühen 50er-Jahren bei den US-Marines. Nach dem Studium am Westminster College in New Wilmington, Pennsylvania, ging er verschiedenen Tätigkeiten nach. Zuletzt lehrte er Kreatives Schreiben an der Seton Hill University in Greensburg, Pennsylvania, bis er 1993 gefeuert wurde. Neben seinen Brotberufen begann er bereits Anfang der 70er-Jahre zu schreiben – und erweckte mit Mario Balzic eine faszinierende Krimifigur zum Leben. Der die Öffentlichkeit scheuende Autor lebt mit seiner Frau Linda in Greensburg, Pennsylvania. Ein längeres „Interview“ mit Kosak kann auf der Website ‚Badattitudes.com‘ nachgelesen werden – dort gibt er die jung verstorbene Romanautorin Flannery O’Connor und den Philosophen und Autor des Buches ‚The True Believer‘ als seine wichtigsten Einflüsse an. Am 2. Mai 2011, am Festival of Mystery in Oakmont, Pennsylvania, trat Kosak zum ersten Mal in der Öffentlichkeit auf und signierte seine Werke.

Mario Balzic, in dessen Adern italienisches und serbisches Blut fliesst, bildet den Mittelpunkt in dreizehn der siebzehn zwischen 1972 und 2000 erschienenen Rocksburg-Romanen – handlungsarmen, dialogreichen, mit lässigem Humor erzählten Geschichten, in denen Constantine ein recht pessimistisches Bild einer von Neid, Missgunst und Korruption zerrütteten amerikanischen Gesellschaft zeichnet. Balzic ist zuerst Polizeichef, dann, in ‚Family Values‘ und ‚Blood Mud‘, Privatdetektiv in dem heruntergekommenen (fiktiven) Bergwerksstädtchen Rocksburg – gemeint ist Kosaks Geburtsort McKees Rock. Assistiert wird er u.a. von Detective Sergeant Ruggiero „Rugs“ Carlucci, der in ‚Good Sons‘ Balzics Nachfolge als Polizeichef antritt. Constantines siebzehntes und letztes Buch ‚Saving Room for Desert‘ sieht drei Steifenpolizisten im Einsatz, und Mario Balzic kommt zu einem Cameo-Auftritt.

Mario Balzic, die „Amerikanische Antwort auf Kommissar Maigret“, ist ein Polizist mit Ecken und Kanten, der sich in seine Kriminalfälle verbeisst und es vorzüglich versteht, sich auf Menschen und ihre Milieus einzulassen, ein pfiffiger, sprachgewandter und teilnahmsvoller, ab und zu ein paar Gläser zu viel kippender Gemütsmensch, der seine cholerische Seite meistens gut unter Kontrolle hat – einzig seine bürokratischen Kollegen und Vorgesetzten reizen ihn oftmals bis aufs Blut. Er hat zwei Töchter, Emily und Marie, und führt mit Ruth eine befriedigende Ehe, wenngleich seine von ihm vergötterte Mutter, die im Fortgang der Reihe einen schweren Hirnschlag erleidet, unter demselben Dach lebt; Balzic hält sich allerdings nur selten zuhause auf.

In Constantines Meisterwerk ‚Tomaten von unten‘ muss Mario Balzic von Anfang an bös unten durch: Tag für Tag zähe Sitzungen mit Politikern und Anwälten, die den neuen Tarifvertrag der Polizei verhandeln; Gattin Ruth kontrolliert ständig seinen Mund nach Zeichen übermässigen Rotweinkonsums (rote Zähne!); der nichtsnutzige Mann einer engen Bekannten aus seiner Jugendzeit ist verschwunden; und ganz am Schluss enhüllt Balzic ein schreckliches Familiendrama, das ihm ungemein nahe geht – und in dem Tomaten eine nicht unbedeutende Rolle spielen.

Bibliografie:

Rocksburg-Serie: ‚The Rocksburg Railroad Murders‘ – ‚Die Morde von Rocksburg‘ (auch unter dem Titel ‚Mord in einer kleinen Stadt‘, 1972), ‚The Man Who Liked to Look at Himself‘ – ‚Ohne Sitte und Moral‘ (auch unter dem Titel ‚Filme für den Staatsanwalt‘, 1973), ‚The Blank Page‘ – ‚Ein unbeschriebenes Blatt‘ (1974), ‚A Fix Like This‘ – ‚Eine abgekartete Sache‘ (1975), ‚The Man Who Liked Slow Tomatoes‘ – ‚Tomaten von unten‘ (1982), ‚Always a Body to Trade‘ – ‚Immer ein As in der Tasche‘ (1983), ‚Upon Some Midnights Clear‘ – ‚Eine schöne Bescherung‘ (1985), ‚Joey’s Case‘ – ‚Joeys Ende‘ (1988), ‚Sunshine Enemies‘ – ‚Blues für Mario Balzic‘ (1990), ‚Bottom Liner Blues‘ (1993), ‚Cranks and Shadows‘ (1995), ‚Good Sons‘ (Rugs Carlucci-Roman, 1996), ‚Family Values‘ (1997), ‚Brushback‘ (Rugs Carlucci-Roman, 1998), ‚Blood Mud‘ (1999), ‚Grievance‘ (Rugs Carlucci-Roman, 2000), ‚Saving Room for Desert‘ (2002).