(Pseudonym für Ronald Ivan Grbich, 1939-2012)

Geboren in Johannesburg, Südafrika, studierte Ronald Ivan Grbich Maschinenbau und Jura an der dortigen University of the Witwatersrand. Anschliessend arbeitete er der Reihe nach als Grubeningenieur, Journalist und Rechtsanwalt in Johannesburg. Parallel zu seiner juristischen Tätigkeit, unter dem Pseudonym William Wingate, veröffentlichte er von 1977 bis 1989 fünf Politthriller, ehe er von seinen Verlegern fallen gelassen wurde. Die Romane sind im Original seit kurzem wieder als eBooks verfügbar, teilweise in etwas modifizierter Form.

Grbich war überdies ein leidenschaftlicher Pokerspieler, nachzulesen in seinem 2011 publizierten eBook ‚Wake Up Late, Read This…Play Winning Poker Before Noon‘. Und ein Fachmann für Mafiafragen, wovon das ebenfalls 2011 als eBook erschienene Sachbuch ‚The Don: How to Run a Mafia Familiy‘ zeugt. Laut seinen Söhnen Robin und Julian ist er am 28. August 2012 in Las Vegas gestorben, wo er viele Jahre ein hoch geachtetes Mitglied des berühmten Spielclubs ‚Bellagio Poker Room‘ war.

Wingates Geschöpf Iwan Yazov, alias Crystal, alias John Hardacre, alias Miami Slim, ist ein unglaublich cooler Typ, ein listenreicher Überlebenskünstler, ein Mann, der weder Moral noch Loyalität kennt und für jeden arbeitet, solange die Entlöhnung stimmt. Höchst wahrscheinlich der beste Berufskiller aller Zeiten. Ein Naturereignis.

Wingates Prosa lebt indes nicht nur von der überlebensgrossen Hauptfigur, sondern auch von schlackenfreier, tempostarker und schwarzhumoriger, gelegentlich auch zynischer Erzählweise, expliziter Schilderung von (oft skurrilen) Gewaltakten und packender Zeichung der Haupt- und Nebenfiguren. All dies macht die Lektüre seiner Romane, die sich in der Handlung stark voneinander unterscheiden, zu einem einzigartigen Erlebnis.

Zu Beginn der Reihe sorgt Yazow in seiner Doppelfunktion als Oberst des bulgarischen Geheimdienstes und als Hitman des KGB hinter dem Eisernen Vorhang für Angst und Schrecken – bis er in den 70er-Jahren fünfzehn bulgarische Geheimdienstagenten tötet, die Zentrale des Komitees für Staatssicherheit in Sofia in die Luft jagt und in den Westen, zu den Amerikanern, überläuft (‚Feuerspiel‘).

Im Nachfolgeband ‚Blutbad‘ soll Yazow für die CIA den gerissenen, analphabetischen – mit westlichen und palästinensischen Terrororganisationen sympathisierenden und ihnen Zuflucht bietenden – Diktator von Uganda, Obama Okan, umlegen (gemeint ist natürlich Idi Amin), während der KGB die Liquidierung seines abtrünnigen Agenten in die Wege leitet und seine beiden fähigsten Killer in die USA einschleust. Die CIA ihrerseits scheint ebenfalls nicht an einer längeren Zusammenarbeit mit Yazow interessiert zu sein und denkt bereits darüber nach, wie man ihn nach erfülltem Auftrag endgültig loswerden könnte. Der instinktsichere und kaltblütige Auftragsmörder spürt jedoch die Gefahr – und kann in letzter Sekunde über den Viktoriasee nach Ruanda entkommen, nachdem er, bis an die Zähne bewaffnet, in Uganda ein ungeheures Blutbad angerichtet und bürgerkriegsähnliche Zustände heraufbeschworen hat.

Der dritte Roman ‚Die Vergeltung des Fremden‘ sieht den Killer als John Hardacre am Werk. „Ein schlanker, nicht besonders gross gewachsener Mann, dessen Gesicht eine tiefe Freudlosigkeit und Bedrohlichkeit ausstrahlt“; so beschreibt ihn die 15-jährige Lou, die Ich-Erzählerin, als er in dem hinterwäldlerischen Appalachen-Kaff Baptist’s Fire, Tennessee, auftaucht, wo sie mit ihrem verwitweten Vater Jed eine Garage betreibt – und wo der untergetauchte New Yorker Mafiaboss Sam Camazza, genannt Cam, und seine rechte Hand Joey Dibella ihr Comeback auf der grossen Bühne in die Wege leiten. Als Hardacre von Cams Chergen drangsaliert und provoziert wird, startet er seinen äusserst blutigen Rachefeldzug, den Lou auf rührende Weise dokumentiert.

Der vierte Krimi ‚Crystal‘ beginnt mit einer spektakulären Sexszene, die sich zwischen der umwerfenden Blondine Liz Fitzwilliam und dem New Yorker Mafioso und Heroinzar Giacomo Graniano, alias Jack English, in einem noblen Nachtclub abspielt. Doch danach hat Graniano nicht mehr viel zu lachen in Wingates Erzählung um Geldgier, Verrat und Korruption, denn Yazov/Crystal beginnt alsbald mit seinen rigorosen Aufräumarbeiten – und zerstört die Rauschgiftroute zwischen der Türkei (Mohnernte), Marseille (Umwandlung der Morphin-Base in Heroin) und New York City (Verkauf des Stoffs an die grossen Mafiafamilien) auf seine ihm eigene Art.

‚Verschollen in Hongkong‘, der letzte und stärkste Titel der Serie, wird aus der Sicht des New Yorker Ex-Marines Anthony Rice erzählt, dessen 14-jährige Tochter Candice während des Familienurlaubs in Hongkong gekidnapped und vermutlich einem Nobelbordell der Triaden zugeführt wird, worauf die Mutter den Verstand verliert. In seiner Verweiflung verkauft Rice sein Hab und Gut und begibt sich mit dem Erlös auf die Suche nach Candice. Eigentlich ein aussichtsloses Unterfangen, doch dann schickt ihm Michael Tarrant, ein alter Bekannter von der CIA, der ihm noch einen Gefallen schuldet, seinen besten Mann zu Hilfe: Miami Slim, alias Yazov. Und der hat einen durch seine Einfachheit bestechenden Plan: Die Triadenbosse in die Eier treten, ihnen klar machen, dass ihr Blut in Strömen fliesst, solange sie Candice nicht freigeben – die „Zehn Plagen“ des Alten Testaments dienen ihm dabei als Vorbild.

Bibliografie:

Yazof/Crystal/Hardacre/Miami Slim-Serie: ‚Firefly‘ – ‚Feuerspiel‘ (1977), ‚Bloodbath‘ – ‚Blutbad‘ (1978), ‚In Hardacre’s Way‘ (auch unter dem Titel ‚Shotgun‘) – ‚Die Vergeltung des Fremden‘ (auch unter dem Titel ‚Malone‘, 1980), ‚Crystal‘ – ‚Crystal‘ (1983), ‚Hong Kong, Let Candice Go‘ – ‚Verschollen in Hongkong‘ (1985).