(*1959, schreibt auch als Jacob Stone)

Geboren in Boston, Massachusetts, studierte Dave Zeltserman an der University of Colorado in Boulder mit Abschlüssen in Angewandter Mathematik und Computer-Wissenschaft. Danach kehrte er mit seiner Frau Judy nach Boston zurück, wo er zwanzig Jahre lang Software-Programme für Konzerne wie Motorola, DEC, Nokia, Lucent und Cisco entwickelte. Seit 2004 widmet er sich vorwiegend dem Krimischreiben und der chinesischen Kampfkunst. Er lebt in Newton, Massachusetts.

’28 Minuten‘ ist die kunstvoll konstruierte Geschichte eines Banküberfalls: Minutiös geplant durch den freundlichen 48-jährigen Software-Experten und Familienvater Dan Wilson, der sich seit dem Verlust seiner Arbeitsstelle vor knapp zwei Jahren im Leben nicht mehr zurechtfindet; durchgeführt von ihm und seinen ebenfalls erwerbslosen Kumpanen Joel, Gordon und Shrini – auch sie aus der IT-Branche, und auch sie ganz ohne kriminelle Erfahrung. Der Plan ist einfach und narrensicher: Einen Programmierfehler im Alarmsystem der Bank ausnutzend, als Mafiosi verkleidet, einen Bandenkrieg vortäuschend, die Schliessfächer des berüchtigten russischen Mobsters Viktor Petrenko ausräumen, danach das Weite suchen und es sich gut gehen lassen. Doch dann fallen Schüsse, eine junge Frau stirbt, eine weitere Geisel wird lebensgefährlich verletzt, die Amateurräuber geraten sich in die Haare – eine atemlose Jagd beginnt, mit Dan Wilson, Viktor Petrenko und dem abgebrühten, seit einem Schicksalsschlag zerrissenen, seinen Beruf indes noch immer sehr ernst nehmenden Cop Alex Resnick als zentrale Figuren.

Joe Denton, ein korrupter Bulle, spielsüchtiger Kokser und Meister des Selbstbetrugs, der stets den Weg des geringsten Widerstandes nimmt, verbrachte sieben Jahre im Knast von Bradley County, Vermont, nachdem er dem integren Bezirksstaatsanwalt Phil Coakley mit einem Brieföffner das Gesicht verunstaltet und dessen Büro in Brand gesteckt hatte, um Beweise zu vernichten. ‚Small Crimes‘, der erste Band der jeweils aus der Perspektive des Bösewichts erzählten „Badass Gets Out of Jail-Trilogie“, in der frisch aus dem Knast entlassene Männer sich auf eigen Art wieder in in die Gesellschaft eingliedern, beginnt am Tag von Joes Freilassung – und dieser setzt sich gleich wieder in die Nesseln. Er zerstreitet sich mit seinen Eltern, bei denen er eigentlich zunächst unterkommen sollte, besucht gegen ihren heftigen Widerstand seine hasserfüllte Frau Elaine, die ihn damals mit den beiden Töchtern verlassen hat, um unter anderem Namen ein neues Leben zu beginnen. Dann lässt er sich auch wieder auf den niederträchtigen örtlichen Sheriff Dan Pleasant ein, dessen Kontrahent Manny Vassey, der Pate der organisierten Kriminalität in Vermont, im Sterben liegt und kurz davor steht, Staatsanwalt Coakley mit einem umfassenden Geständnis zu beglücken, um seine Seele zu retten. Dies aber hätte üble Folgen für Pleasant und Denton, waren sie doch damals eng mit Massey und seinem psychopathischen, sadistischen Sohn verbandelt. Pleasant hat Denton am Wickel und befiehlt ihm, innert weniger Tage entweder Coakley oder Vassey zu liquidieren, wenn er nicht selbst ins Gras beissen will. Nach ungezählten Gewaltakten nimmt die rasante, bitterböse Geschichte einen unerwarteten Ausgang.

„Badass“ des zweiten Teils ‚Paria‘ ist Kyle Nevin aus South Boston, ein gewalttätiger, grossspuriger und unberechenbarer irischer Gangster, der acht Jahre im Bau verbrachte, nachdem er von seinem Mentor und Boss Red Mahoney fallen gelassen und dem FBI ans Messer geliefert worden war. Endlich wieder auf freiem Fuss, macht er dort weiter, wo er vor dem Strafvollzug aufgehört hat: Saufen, koksen und ficken, drohen, prügeln und rumballern, Beweise manipulieren, seinen kleinen Bruder Danny bis aufs Blut piesacken. Dann kidnappt er einen zehnjährigen Jungen, um mit dem Lösegeld die Jagd auf den untergetauchten Verräter Red Mahoney zu finanzieren. Die Entführung geht natürlich gründlich schief, erweist sich dann aber als Trittbrett für Nevins spektakulären Aufstieg zum Erfolgsautor und Medienstar. Am Schluss aber werden Kyle Nevin nicht die Entführung und die Morde zum Verhängnis, sondern Dashiell Hammetts Krimi ‚Rote Ernte‘ – mehr sei hier nicht verraten. ‚Paria‘ ist eine rabenschwarze, von düsterer Komik durchdrungene, Donald Westlake verpflichtete Geschichte mit einem Protagonisten, den man eigentlich zutiefst verachtet, aber, ohne es zu wollen, zeitweilig halt doch ein wenig ins Herz schliesst.

Dass er auch über eine leichtfüssig-humoristische Seite verfügt, offenbart Zeltserman in seiner Julius Katz & Archie-Serie (drei Geschichtensammlungen und ein Roman) mit dem reizvollen Gespann Julius Katz als Nero Wolfe-Pastiche und Sidecick Archie, einem technischen Wunderwerk ohne Herz und ohne Seele.

In Zeltsermans jüngster (unter dem Pseudonym Jacob Stone verfasster) Reihe steht der Serienmörder-Jäger Morris Brick im Mittelpunkt, ein ex-Cop, der in Los Angeles als Privatdetektiv arbeitet.

Bibliografie:

Bill Shannon-Romane: ‚Bad Thoughts‘ (2007), ‚Bad Karma‘ (2009);

Badass Gets Out of Jail-Romane: ‚Small Crimes‘ – ‚Small Crimes‘  (2008), ‚Pariah‘ – ‚Paria‘ (2009), ‚Killer‘ – ‚Killer‘ (2010);

Hunted-Romane: ‚The Hunted‘ (2012), ‚The Dame‘ (2012);

Julius Katz & Archie-Serie: ‚Julius Katz and Archie‘ (Roman, 2011), ‚Julius Katz Mysteries‘ (Stories, 2011), ‚One Angry Julius Katz‘ (Stories, 2012), ‚Archie Solves the Case‘ (Stories, 2013);

Einzelwerke: ‚Fast Lane‘ (auch unter dem Titel ‚In His Shadow‘ (2000), ‚The Caretaker of Lorne Field‘ (2010), ‚Outsourced‘ – ’28 Minuten‘ (2010), ’21 Tales‘ (Stories, 2010), ‚Blood Crimes‘ (2010), ‚A Killer’s Essence‘ (2011), ‚Monster‘ (2012), ‚The Boy Who Killed Demons‘ (2014), ‚Husk‘ (2018), ‚The Tenth Wish‘ (2019), ‚Everybody Lies in Hell‘ (2019).

Als Jacob Stone:

Morris Brick-Serie: ‚Deranged‘ (2017), ‚Crazed‘ (2017), ‚Malicious‘ (2018), ‚Cruel‘ (2018), ‚Unleashed‘ (2019).