(1958-2026)
Keigo Higashino wurde in den Slums von Osaka geboren und wuchs dort in ärmsten Verhältnissen auf. Nach dem Studium der Elektrotechnik an der Universität Osaka arbeitete er als Ingenieur für den japanischen Elektrokonzern DENSO. Nebenbei verfasste er seine ersten Kriminalromane. 1985 liess er sich mit seiner Frau, einer Highschool-Lehrerin, in Tokio nieder, um sich ganz dem Schreiben von Krimis, Essays und Kinderbüchern zu widmen. Der Durchbruch gelang ihm 1998 mit dem Krimi ‚Himitsu‘, der 1999 verfilmt wurde. Mehrmals mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, zählt Higashino zu den erfolgreichsten Krimiautoren Japans. Von 2009 bis 2013 war er Vorsitzender der Vereinigung Mystery Writers of Japan. Der sein Privatleben bedeckt haltende Autor lebte mit seiner Frau in Tokio, wo er mit 68 Jahren an Darmkrebs starb.
Im ersten Band der siebenteiligen Kommissar Kaga-Serie, ‚Böse Absichten‘, ermordet der erfolglose Kinderbuchautor Nonoguchi seinen verheirateten Jugendfreund Kunihiko Hidaka, der sich auf dem Höhepunkt seiner schriftstellerischen Laufbahn befindet. Er gesteht die Tat und rechtfertigt sie damit, dass Hidaka ihn jahrelang als Ghost Writer ausgenutzt und zudem seine grosse Liebe (Hidakas erste Frau!) vor sieben Jahren in den Suizid getrieben hat. Der scharfsinnige, stets logisch vorgehende Kommissar glaubt jedoch nicht an Nonoguchis weitschweifige Erläuterungen. Am Ende des raffiniert gebauten, aus wechselnden Perspektiven erzählten „Whydunits“ verblüfft Higashino den Leser mit einem dramatischen Twist.
‚Verdächtige Geliebte‘ ist Higoshinos berühmtester Roman. Er handelt von zwei genialen Wissenschaftlern, die seit der gemeinsam verbrachten Studienzeit miteinander befreundet sind: Zum einen der Physikprofessor Yukawa (genannt „Detektiv Galileo“), der in der Freizeit seinen Studienkollegen Kommissar Kusanagi bei der Lösung kniffliger Fälle unterstützt, indem er „die Fakten analysiert, gelegentlich damit experimentiert und versucht, die logische Antwort zu finden“. Ihm gegenüber steht der Mathematiklehrer Ishigami. Als seine Nachbarin Sayoko, alleinerziehende Mutter einer halbwüchsigen Tochter, ihren gewalttätigen, sie immer wieder belästigenden Ex-Mann in ihrer Wohnung im Affekt erdrosselt, nimmt der insgeheim in Sayoko verliebte Mathematiker die Sache in die Hand: Er beseitigt die Leiche, verschafft Sayoko ein unumstössliches Alibi – und liefert dem Physiker in der Folge einen Wettkampf auf Messers Schneide. Die tiefgründige, meisterhaft gestaltete, charaktergetriebene Geschichte gipfelt in einem erschütternden Finale.
In ‚Heilige Mörderin‘ betreibt der Unternehmer Mashiba eine besonders üble Art von Heiratsschwindel: Falls seine jeweilige Ehegattin im ersten Jahr nicht schwanger wird, serviert er sie ab und wendet sich einer neuen „Gebärmaschine“ zu. Sein aktuelles Opfer ist die schöne Ayane. Kurz nach Ablauf der „Probezeit“, als er bereits eine junge Ersatzfrau im Auge hat, wird er mit Arsen vergiftet. Der Verdacht fällt auf Ayane, doch diese weilte zum Zeitpunkt des Mordes bei ihren Eltern im fernen Sapporo. In dieser verzwickten Situation bittet Kommissar Kusanagi Professor Yukawa um Hilfe. Gelingt es dem Superhirn, Ayanes scheinbar wasserdichtes Alibi zu widerlegen?
Das Einzelwerk ’Mord am See’, eine schnörkellose, von Dialogen geprägte Geschichte, kreist um vier begüterte Paare, unter ihnen der Grafikdesigner Shunsuke Namiki und seine Frau Minako, deren Ehe vor dem Aus steht, sowie der resolute Mediziner Fujima. Sie erholen sich gemeinsam in einem komfortablen Ferienhaus an einem See, während ein Privatlehrer ihre Sprösslinge auf die Aufnahme an eine Eliteschule vorbereitet. Die Idylle wird zerstört, als Shunsukes Mitarbeiterin und heimliche Geliebte Eriko Takashina überraschend im Feriencamp auftaucht und kurz danach mit eingeschlagenem Schädel aufgefunden wird. Minako gesteht die Tat sofort, worauf die Gruppe beschliesst, die Leiche zu entsorgen, ohne auch nur die geringste Spur von ihrem Aufenthalt am See zu hinterlassen – nach dem Motto: „wo keine Leiche ist, gibt es keinen Fall“. Und somit auch keine Polizei. Shunsuke bezweifelt allerdings, dass Manuko den Mord begangen hat. Er beginnt zu recherchieren – und bringt erstaunliche Zusammenhänge ans Licht. In nüchternem Stil seziert Higashino das hinterhältige Treiben der nur auf den eigenen Vorteil bedachten Gruppe.
Bibliografie:
Kommissar Kaga-Serie: ‚Sotsugyo‘ (1986), ‚Nemuri no mori‘ (1989), ‚Dochiraka ga Kanojo o Koroshita‘ (1996), ‚Akui‘ – ‚Böse Absichten‘ (1996), ‚Watashi ga Kare o Koroshita‘ – ‚Ich habe ihn getötet‘ (1999), ‚Akai Yubi‘ (2006), ‚Shinzanmono‘ (2009), ‚Kirin no Tsubasa‘ (2011), ‚Inori no Maku ga Oriru Toki‘ (2013);
Physikprofessor Yukawa-Serie: ‚Tantei Galileo‘ (1998), ‚Yogisha X no Kenshin‘ – ‚Verdächtige Geliebte‘ (2005), ‚Seijo no Kyusai‘ – ‚Heilige Mörderin‘ (2008), ‚Manatsu no Hoteishiki‘ – ‚Unschuldige Täter‘ (2011), ‚Kindan no Majutsu‘ (2012), ‚Chinmoku no Paredo‘ (2018);
Einzelwerke: ‚Ningyo-tachi no le‘ (1983), ‚Makyu‘ (1984), ‚Hokago‘ (1985), ‚Meitantei no Okite‘ (1996), ‚Himitsu‘ (1998), ‚Byakuyako‘ – ‚Unter der Mitternachtssonne‘ (1999), ‚ ‘Reikusaido‘ – ’Mord am See’ (2001), ‚Gemu no Na wa Yükai‘ (2002), ‚Ryusei no Kizuna‘ (2008), ‚Namiya Zakkaten no Kiseki‘ – ‚Kleine Wunder um Mitternacht‘ (2012).