(*1952)
Geboren und aufgewachsen in Cleveland, Ohio, als Sohn einer italienisch-stämmigen Familie, lebte Richard Montanari nach abgebrochenem Studium in London, wo er Kleider und Enzyklopädien verkaufte. Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten arbeitete er mehrere Jahre in der väterlichen Baufirma, bis er zum Journalismus wechselte und zahlreiche Essays in ‚The Chicago Tribune‘ und anderen Printmedien veröffentlichte. Mitte der 90er-Jahre debütierte er als Krimiautor. Seine zwei ersten (nicht ins Deutsche übersetzten) Romane drehen sich um den zerrissenen Cop Jack Paris, Detective der Mordkommission Cleveland.
Das Herzstück von Montanaris belletristischem Werk bildet die neunteilige Reihe um das Ermittlergespann Byrne & Balzano von der Mordkommission Philadelphia, zwei kluge, angenehm zurückhaltende und ausgezeichnet zusammenarbeitende Detectives, über deren Biografie und Innenleben Montanari nur das Nötigste bekannt gibt. Kevin Byrne, geschiedener Vater einer erwachsenen, taubstummen Tochter, ist ein routinierter, draufgängerischer, zur Selbstironie fähiger Polizist mit irischen Wurzeln und traumatischer Vergangenheit. Jessica Balzano, alleinerziehende Mutter eines kleinen Kindes, ehrgeizig, pflichtbewusst und wesentlich jünger als ihr Partner, ist die Tochter eines legendären Cops italienischer Herkunft. Die Romane zeichnen sich aus durch unaufgeregte Plots, plastisch gezeichnete Figuren und sorgfältige, realistische Darstellung der Polizeiarbeit, während die Handlungsführung nicht immer den Gesetzen der Logik folgt.
Montanaris kompositorische Qualitäten kommen in ‚Lunatic‘, dem dritten Band der Byrne & Balzano-Reihe, besonders gut zur Geltung. Im Wissen, dass dem Thema Serienmord kaum noch neue Facetten abzugewinnen sind, schickt der Autor hier gleich vier – ihr Unwesen aus höchst unterschiedlichen Motiven treibende – Killer ins Gefecht, wobei es ihm in bewundernswerter Manier gelingt, die losen Fäden einem kompakten Ende zuzuführen. Atemlose Spannung erzeugt er mit bewährten Kunstgriffen: Gliederung der Geschichte in kurze, aus wechselnden Blickwinkeln erzählte Kapitel; und grosszügiger Einsatz von Cliffhangern, falschen Fährten und überraschenden Wendungen.
Bibliografie:
Jack Paris-Krimis: ‚Don’t Look Now‘ (auch unter dem Titel ‚Deviant Way‘, 1995), ‚Kiss of Evil‘ (2001);
Byrne & Balzano-Serie: ‚The Rosary Girls‘ – ‚Cruzifix‘ (2005), ‚The Skin Gods‘ – ‚Mefisto‘ (2006), ‚Broken Angels‘ (auch unter dem Titel ‚Merciless) – ‚Lunatic‘ (2007), ‚Play Dead‘ (auch unter dem Titel ‚Badlands‘) – ‚Septagon‘ (2008), ‚The Echo Man‘ – “Echo des Blutes‘ (2011), ‚The Killing Room‘ – ‚Der Teufel in dir‘ (2012), ‚The Stolen Ones‘ – ‚Der Abgrund des Bösen‘ (2013), ‚The Doll Maker‘ – ‚Tanz der Toten‘ (2014), ‚Shutter Man‘ – ‚Shutter Man‘ (2015);
Einzelwerke: ‚The Violet Hour‘ – ‚Violett ist die Nacht‘ (1998), ‚The Devil’s Garden‘ (auch unter dem Titel ‚Deathless‘) – ‚Die Gärten des Teufels‘ (auch unter dem Titel ‚im Netz des Teufels‘, 2009), ‚The Buried Girl‘ (2017).