(Pseudonym für Artur Carlos Mauricio Pestana dos Santos, *1941)

Artur Carlos Mauricio Pestana dos Santos wurde in der Küstenstadt Benguela, Angola, geboren und wuchs dort und in Lubango auf. Er studierte Soziologie in Lissabon und später, aus politischen Gründen, im Exil in Algier. Dort gründete er mit einem sich ebenfalls für die Unabhängigkeit Angolas einsetzenden Kollegen das Zentrum für Angola-Studien. 1969 schloss er sich mit seiner damaligen Lebensgefährtin den Guerilla-Kämpfern zur Befreiung Angolas an. Als Nom de Guerre, angelehnt an seinen Nachnamen Pestana, benutzte er „Pepetela“, der später zu seinem literarischen Pseudonym wurde. Nach der Unabhängigkeit Angolas im Jahr 1975 war er sechs Jahre lang Vizeminister für Bildung. 1982 wurde er Professor für Soziologie an der Universität in Luanda, der Hauptstadt des bettelarmen Landes. Sein Privatleben hält er bedeckt.

Als Schriftsteller bekannt wurde Pepetela mit dem autobiografisch geprägten – 1970/71 verfassten und 1980 ersterschienenen – Roman ‚Mayombe‘ über die angolanische Unabhängigkeitsbewegung MPLA im tropischen Regenwald Mayombe. 1997 wurde er für sein Gesamtwerk mit dem Prémio Camoes ausgezeichnet, dem wichtigsten Literaturpreis des portugiesischen Sprachraums. Seine Bibliografie enthält Romane, ein Kinderbuch, ein Sachbuch über Luanda und zwei Theaterstücke. Anfang der Nuller-Jahre veröffentlichte er ausserdem die vergnüglichen Krimi-Satiren ‚Jaime Bunda, Agente Segreto‘ und ‚Jaime Bunda e a Morte do Americano‘. Der erste Band ist 2004 in einer ausgezeichneten Übersetzung im Unionsverlag erschienen, ergänzt durch informative Auszüge aus Interviews mit dem Autor.

Jaime Bunda (James Bond lässt grüssen!), Spross einer einflussreichen Familie, ist Praktikant im „Bunker“, der Zentrale des angolanischen Geheimdienstes SIG in Luanda. Jaimes Markenzeichen ist ein unerhört ausladendes Hinterteil. Seine kriminalistischen Kenntnisse sind von Sherlock Holmes-, Philip Marlowe, Perry Mason und Mickey Spillane inspiriert. ‚Jaime Bunda, Geheimagent‘ dreht sich um Jaime Bundas allerersten Fall: den Mord an einem vierzehnjährigen Mädchen, das vergewaltigt und erdrosselt in den Mangroven aufgefunden worden ist. Er soll Inspektor Kinanga zur Hand gehen, der allerdings nicht recht weiss, was er mit dem „unglaublichen Agenten“ anfangen soll: „Still wie tiefes Wasser, aber unberechenbar, unstet, fast unheimlich, ein sanftes Lächeln mit verschleierten Drohungen, eine Schnelligkeit im Denken, von der mir ganz übel geworden ist.“ Doch der Praktikant wächst an der Aufgabe und bringt mit seinen höchst eigenwilligen Ermittlungen die Elite bald mächtig ins Schwitzen. Pepetela würzt die humorvolle, leichtfüssige Geschichte mit subtiler Systemkritik und kleinen Geschichten aus dem Alltag der Angolaner, schickt mehrere sich abwechselnde Erzähler ins Gefecht – und spricht gelegentlich direkt mit dem Leser. Die eigentliche Krimihandlung rückt dadurch ein wenig nach hinten.

Für Petelela waren die Krimis „ein Vorwand, um durch Luanda zu streifen und ein neues Thema aufnehmen, nämlich die Immigration der Menschen aus Westafrika und dem Orient, wie Libanesen, Syrier und Pakistaner. Sie dominieren viele Handelswege und bringen eine neue Religion zu uns, den Islam, den es vorher in unserem Land nicht gab.“ Darüber hinaus sei dieses Buch der Versuch, uns die komplizierte und widersprüchliche Geschichte Angolas vor Augen zu führen. Eine fesselnde, aufschlussreiche Lektüre.

Bibliografie:

‚Jaime Bunda, Agente Segreto‘ – ‚Jaime Bunda, Geheimagent‘ (2001), ‚Jaime Bunda e a Morte do Americano‘ (2003).