(*1967)

Geboren und aufgewachsen in der irischen Hauptstadt Dublin als fünftes von sechs Kindern, ging Liz Nugent an eine katholische Privatschule. Danach verbrachte sie einige Zeit in London, ehe sie einen Schauspielkurs an der Gaiety School of Acting in Dublin absolvierte. Ab 1995 war sie als Bühnen-Managerin mit der Show „Riverdance“ auf Tour. Später arbeitete sie zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der nationalen irischen Radio- und Fernsehstation RTE. Darüber hinaus schrieb sie eine Kinder-Animationsserie für den gälischen Fernsehsender TG4, ein Radiodrama, Fernsehstücke und eine Kurzgeschichte für Erwachsene. 2014 debütierte sie als Krimiautorin. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Toningenieur und Multiinstrumentalisten Richard McCullough, in ihrer Geburtsstadt.

Nugents besondere Stärke ist die Darstellung von komplexen Charakteren und von verheerenden, ausweglosen, durch Lügen und Verrat, Verdrängung, Intrigen und Egomanie zerstörten Familienstrukturen. Dabei lässt sie stets auch ihren trockenen, schwarzen Humor aufblitzen.

Ihr erster Roman ‚Die Sünden meiner Väter‘ ist weniger ein Krimi als das Psychogramm eines seit zwanzig Jahren kinderlos mit der Illustratorin Alice verheirateten Kinderbuchautors, der sich im Verlauf der Ehe von einem verstockten jungen Mann zu einem Charme versprühenden Soziopathen entwickelt.

Drei Ich-erzählende Figuren bilden den Kern des kunstvoll komponierten – von 1980 bis 2016 in Dublin spielenden – Psychothrillers ‚Auf der Lauer liegen‘. Lydia Fitzsimons, eine kontrollsüchtige egozentrische Frau, die als Neunjährige in einem Anfall von Missgunst ihre Zwillingsschwester umgebracht hat und sich jetzt, mit Mitte vierzig, nach mehreren Fehlgeburten in einer existentiellen Krise befindet; Lydias einziges Kind, der an Essattacken leidende Laurence, den die Mutter über alle Massen verhätschelt und mit besitzergreifender Liebe tyrannisiert; und das liebenswürdige Fotomodell Karen, das in den Strudel der dysfunktionalen Familie Fitzsimons gerät. Die Katastrophe wird ausgelöst durch Lydias wahnwitzige Idee, Karens drogenabhängige, von tragischen Erlebnissen gezeichnete Schwester Annie als bezahlte Leihmutter ein von ihrem Mann, dem angesehenen Richter Fitzsimons, gezeugtes Kind austragen zu lassen. Als Annie ihn zu erpressen beginnt, bezahlt sie dies mit dem Leben. Den Leichnam lässt das Ehepaar im Garten verschwinden, doch Laurence ahnt, dass seine Eltern in Annies Tod verwickelt sind. Kurz nach dem Mord erleidet der Richter einen tödlichen Herzinfarkt. Fünf Jahre später trifft Laurence zufällig auf Karen, die immer noch versucht, die Wahrheit über Annies Verschwinden herauszufinden. Es kommt zu einem schockierenden, etwas an den Haaren herbeigezogenen Finale.

In ‚Kleine Grausamkeiten‘ folgt Liz Nugent dem Leben der irischen Brüder, William, Brian und Luke von 1982 bis 2019, wobei sie jedem von ihnen ein Drittel des auf wechselnden Zeitebenen erzählten Romans gewährt. Die Geschichte beginnt mit dem gewaltsamen Tod eines der drei. Welcher es ist, warum und wie er gestorben ist, erfahren wir erst auf den letzten Seiten. Aufgewachsen bei einer exaltierten, im Showbiz für Furore sorgenden, lieblos-dominanten Mutter und einem stillen, geduldigen Vater, zerstreiten sie sich schon in jungen Jahren, doch voneinander lassen können sie nicht. William, der Älteste, ist ein rücksichtsloser, sexistischer Filmemacher, Brian ein kleinlicher, geldgieriger Intrigant und Luke, der Jüngste, der wohl am meisten unter den Ränkespielen seiner Mutter gelitten hat, bringt es zu einer kurzen Karriere als Popstar, bevor ihn Alkohol- und Drogenexzesse und seine psychische Fragilität ins Verderben stürzen. Welcher der Brüder wurde zum Opfer? Und welcher zum Mörder?

„Wenn ich sterbe, kannst du mich einfach mit dem Müll entsorgen. Ich bin dann ja tot, für mich macht das keinen Unterschied mehr. Du wirst dir natürlich die Augen aus dem Kopf weinen. Er lachte, und ich lachte auch, denn wir wussten beide, dass ich mir nicht die Augen aus dem Kopf weinen würde. Ich weine nie“. Die 42-jährige Sally befolgt den ironisch gemeinten Auftrag ihres Adoptivvaters, des verwitweten Psychiaters Thomas Diamond, minutiös. Dies ist die Ausgangslage des Romans ‚Die seltsame Sally‘. Eine herzzerreissende Geschichte, in der ein monströser pädophiler Zahnarzt – Sallys leiblicher Vater – das Leben der drei Menschen, die ihm eigentlich am nächsten standen, mit ausgeklügelten Manipulationen zerstörte; eine verschlungene Mischung aus präziser psychologischer Studie und verstörendem Thriller mit raffinierten Twists, die dem Leser den Boden unter den Füssen wegziehen.

Bibliografie:

‚Unravelling Oliver‘ – ‚Die Sünden meiner Väter‘ (2014), ‚Lying in Wait‘ – ‚Auf der Lauer liegen‘ (2016), ‚Skin Deep‘ (2018), ‚Little Cruelties‘ – ‚Kleine Grausamkeiten‘ (2020), ‚Strange Sally Diamond‘ – ‚Seltsame Sally Diamond‘ (2023), ‚The Trooth About Ruby Cooper‘ (2026)