(*1955)
Geboren und aufgewachsen im Stadtviertel Bacalan von Bordeaux (Département Gironde), studierte Hervé Le Corre Literaturwissenschaften an der Université Bordeaux-Montaigne. Danach unterrichtete er bis zur Pensionierung 2017 Literatur an verschiedenen Schulen der Gironde. Mit dreissig begann er nebenbei zu schreiben und reihte sich gleich mit seinem ersten, 1990 in der Série noire erschienenen Roman ‚La Douleur des morts‘ unter die bedeutendsten Noir-Autoren Frankreichs ein. Sein mehrfach preisgekröntes Werk umfasst dreizehn in Bordeaux angesiedelte Krimis und rund ein Dutzend Novellen. Le Corre lebt in der Kleinstadt Pessac bei Bordeaux.
Im deutschsprachigen Raum debütierte der sprachlich und stilistisch brillante Autor 2024 mit seinem zwölften Roman ‚Durch die dunkelste Nacht‘, herausgegeben von Thomas Wörtche im Suhrkamp Verlag, ausgezeichnet übersetzt von Anne Thomas. Drei Figuren bilden den Kern der aufwühlenden, an Gewaltszenen reichen Geschichte: Louise, dreissigjährige, alleinerziehende Mutter des achtjährigen Sam, mehrfaches Opfer von männlicher Gewalt – eine beherzte Frau, die sich nach der Geburt ihres Sohnes von ihrer Drogenabhängigkeit befreien konnte und als Haushalthilfe für ältere Leute sorgt; der ehemalige Afrika-Söldner Christian, ein triebhafter Frauenmörder, der von seiner Mutter seit vielen Jahren seelisch und sexuell missbraucht wird; sowie Commandant Jourdan, ein desillusionierter, ausgebrannter Kripo-Ermittler Mitte vierzig, dessen Familienleben in Trümmern liegt. „Jourdan versucht, in allem einen Sinn zu erkennen: diese Verbrechen, die Täter, die Arbeit als Polizist. Festnehmen, verurteilen und bestrafen. Wozu, wo doch die Toten nicht wieder lebendig werden“? Vorerst gilt es aber, Louises ehemaligem Lebenspartner, der sie seit der Trennung verfolgt, vergewaltigt und zusammenschlägt, das Handwerk zu legen. Und den Frauenmörder hinter Gitter zu bringen. Ruhelos, zornerfüllt und ohne Rücksicht auf Verluste begibt Jourdan sich auf einen seiner gefährlichen Alleingänge.
Bibliografie:
‚La douleur des morts‘ (1990), ‚Du sable dans la bouche‘ (1993), ‚Les effarés‘ (1996), ‚Copyright‘ (2001), ‚Tango Parano‘ (2005), ‚L’Homme aus lèvres de saphir‘ (2005), ‚Les coeurs déchiquetés‘ (2009), ‚Derniers retranchements‘ (2011), ‚Après la guerre‘ (2014), ‚Prendre les loups pour des chiens‘ (2017), ‚Dans l’ombre du brasier‘ (2019), ‚Traverser la nuit‘ – ‚Die dunkelste Nacht‘ (2021), ‚Qui après nous vivrez‘ (2024).