(*1988)

Eli Cranor, geboren und aufgewachsen im US-Bundesstaat Arkansas, war Footballspieler in der Profi-Liga und fünf Jahre Trainer eines Highschool-Teams. Nach längeren Aufenthalten in Süd-Florida und Schweden machte er einen Abschluss in English Literature in Arkansas und arbeitete dort als Highschool-Lehrer, bevor er ernsthaft zu schreiben begann. Der Durchbruch gelang ihm 2022 mit seinem ersten Roman ‚Don’t Know Though‘, mit dem er den Edgar Award für den besten Erstling gewann. Darüber hinaus schreibt er Kurzgeschichten sowie die wöchentliche Kolumne ‚Where I’m Writing From‘ in der ‚Arkansas Democrat-Gazette‘ und veröffentlicht er lesenswerte Fachgespräche auf dem Portal ‚CrimeReads‘. Mit seiner Frau Mallory und den beiden Kindern in der Kleinstadt Russellville, Arkansas, ansässig, ist er Writer in Residence an der Arkansas Tech University und „Offensive Consultant“ für das Arkansas Tech Football Team.

‚Don’t Know Though‘, 2024 in der vorzüglichen Übersetzung von Cornelius Hartz unter dem Titel ‚Bis aufs Blut‘ im Zürcher Atrium Verlag erschienen, ist im Football-Milieu irgendwo in den Ozarks angesiedelt, wo dieser Sportart eine enorme Bedeutung zukommt. Trent Powers, aufgewachsen bei schnell wechselnden Pflegefamilien, mit der toughen Marley verheirateter Vater zweier Kinder, wird in der Südstaaten-Kleinstadt Denton als Coach der Highschool-Mannschaft „Denton Pirates“ für die anstehenden Playoff-Partien angeheuert. In seiner kalifornischen Heimat als Trainer gescheitert und somit auf Erfolge angewiesen, kommt er nicht darum herum, seinen besten Spieler, den bulligen, impulsiven Billy Lowe aufzustellen, der aufgrund einer Prügelei in Ungnade gefallen ist. Billy lebt mit seiner alkoholkranken Mutter Tina, ihrem Baby und seinem gewalttätigen Stiefvater Travis in einem schäbigen Trailerpark. Als Travis erschlagen im Wohnwagen aufgefunden wird, fällt der Verdacht sofort auf Billy. Aus vorerst nicht so richtig nachvollziehbaren Motiven nimmt Trent ihn unter seine Fittiche. Und dann geht alles fürchterlich schief. Die düstere und dramatische, hauptsächlich aus Billys Blinkwinkel erzählte Geschichte ist geprägt von alltäglicher Gewalt, von zerrütteten Familien, vom armseligen Leben der untersten Schichten im ländlichen Süden der Vereinigten Staaten. Ein grandioses Debüt.

Cranors kompakter Southern Noir ‘Ozark Dogs’ kommt mit einem kleinen Figurenensemble aus. Jeremiah Fitzjurl, verwitweter 70-jähriger Scharfschütze in Vietnam und derzeit trockener Alkoholiker, betreibt einen Schrottplatz in der nach Stilllegung des Atomkraftwerks verfallenen Ozark-Kleinstadt Taggard. Er hat seine charakterstarke, knapp 18-jährige Enkelin Joanna, genannt Jo, liebevoll allein erzogen, nachdem ihr Vater vor vielen Jahren wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde und ihre drogensüchtige Mutter kurz danach das Weite suchte. In Taggard leben auch Bunn Ledford und sein Sohn Evail, die Anführer eines rechtsradikalen Drogenrings, der Crystal Meth von einer mexikanischen Gang bezieht und diese im Gegenzug mit amerikanischen Mädchen versorgt. Zwischen den Familien Fitzjurl und Ledford schwelt seit einem weit zurückliegenden Mord eine unversöhnliche Feindschaft, die sich jetzt, als Jo vom Homecoming-Ball nicht nachhause kommt, in einer blutigen Konfrontation entlädt. Eine wichtige – lange Zeit in Dunkeln bleibende – Rolle spielt Jos Freund Colt Dillard, Starspieler des lokalen Footballteams, während Sheriff Mona McNabb sich erst gegen den Schluss markant in Szene setzt. Eli Cranor überzeugt in ‚Ozark Dogs‘ mit dichter, dramatischer Handlungsführung, einfühlsam porträtierten Charakteren und stimmungsvollen Milieuschilderungen.

Bibliografie:

‚Don’t Know Though‘ – ‚Bis aufs Blut‘ (2022), ‚Ozark Dogs‘ – ‚Ozark Dogs‘ (2023), ‚Broiler‘ (2024), ‚Mississippi Blue‘ (2025).