(*1936)

Luis Fernando Verissimo wurde als Sohn des Autors und Berkeley-Dozenten Erico Verissimo in der südbrasilianischen Grossstadt Porto Alegre geboren und wuchs dort und in den USA auf. Seit den frühen 70er-Jahren schreibt er mit grossem Erfolg als Crônicas bezeichnete – in Zeitungen und Sammelbänden abgedruckte – humoristische Kolumnen, Glossen und Kurzgeschichten, später kamen Kinderbücher, Comicbände, Drehbücher, Theaterstücke und vier Kriminalromane hinzu. Verissimo, einer der einfallsreichsten, stilistisch brillantesten und populärsten Schriftsteller Brasiliens, ist seit 1964 mit Lucia Helena Massa verheiratet und hat drei Kinder: den Journalisten Fernando, die Autorin Mariana und den Musiker Pedro. Er lebt mit seiner Frau in Porto Alegre.

‚Der Club der Engel‘ ist eine listige, schwarzhumorige Version von Agatha Christies ‚Zehn kleine Negerlein‘. Zehn wohlhabende, moralisch nicht über alle Zweifel erhabene ältere Herren, die sich seit Ewigkeiten kennen, haben vor zwanzig Jahren den „Hackfleisch-Club“ ins Leben gerufen. Als mit dem homosexuellen Ramon der Organisator ihrer monatlichen Dinner an AIDS stirbt, droht die Clique auseinanderzubrechen. Doch da stösst der Ich-Erzähler Daniel auf den mysteriösen Meisterkoch Lucidio, der sich bereit erklärt, den Mitgliedern weiterhin einmal pro Monat ein exquisites Mahl zu servieren. Dies ist die Ausgangslage eines heiteren Sterbens – nach jedem Treffen gibt einer der Feinschmecker buchstäblich den Löffel ab -, das die Hinterlassenen erstaunlich gelassen hinnehmen, denn, so Daniel nach dem achten Todesfall: „Jetzt aufzuhören wäre denen gegenüber ungerecht, die schon gestorben sind.“ Die kurzweilige Erzählung endet mit einer verblüffenden Pointe.

‚Meierhoffs Verschwörung, eine herrlich-schräge Satire auf Verschwörungsideologien, spielt in Manaus, der am Rand des Regenwalds gelegenen Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas. Ein junger, namenloser Journalist aus Rio, der für sein Blatt eine Reportage über halluzinogene Pflanzen schreiben soll, trifft zufällig auf den heruntergekommenen Polen Josef Theodor, der sich als Torpedo oder Auslöscher, sprich Killer, bezeichnet – angeblich kennt er einundzwanzig Arten, einen Menschen mit blossen Händen umzubringen. Gestärkt durch Zuckerrohrschnaps, den er sich in rauen Mengen hinter die Binde giesst, erzählt der Pole dem Journalisten lang und breit die folgende Geschichte: Im Auftrag des Pentagons habe die streng geheime Meierhoff-Gruppe mit Unterstützung durch den Wissenschaftler Doktor Curtis ein Virus entwickelt, das die Erde „von den überflüssigen Rassen, den überzähligen Mündern säubert und die Welt den Weissen und den Robotern überlässt“ – dies sei ein essentieller Bestandteil des Biowaffenprogramms des US Verteidigungsministeriums gewesen. Doch dann sei etwas schiefgegangen, Curtis sei auf Abwege geraten, und er, Josef, habe in Aktion treten müssen. Von Josefs Gerede mitgerissen, wittert der Journalist die Story seines Lebens.

Biblografie:

‚O Jardin do Diabo‘ – ‚Im Garten des Teufels‘ (1988), ‚Gula – O Clube dos Anjos‘ – ‚Der Club der Engel‘ (1998), ‚Borges e os Orangotangos Eternos‘ – ‚Vogelsteins Verwirrung‘ (2000), ‚O Opositor‘ – ‚Meierhoffs Verschwörung‘ (2004).