(*1944)
Jean-Pierre Gattégno wurde es als Sohn eines türkischen Vaters und einer griechischen Mutter in Brive-la-Gaillarde, Departement Corrèze, geboren. Nach dem Studium an der Université de Paris VII unterrichtete er französische Literatur an verschiedenen Schulen und verfasste zahlreiche pädagogische Schriften und Bücher, bevor er Anfang der 90er-Jahre als Autor von Romanen und Erzählungen debütierte. Er lebt in Paris.
Gattégnos bekanntester Krimi ‚Schnee auf den Gräbern‘ dreht sich um den Pariser Psychoanalytiker Michel Durand, der während seiner Therapiesitzungen immer wieder in tiefen Schlaf versinkt. So weit, so gut, doch eines Tages erlebt er beim Erwachen aus einem wilden Traum eine böse Überraschung: Olga, eine masochistische, mit dem steinreichen Ganoven Max Montignac verheiratete Kleptomanin, liegt erdrosselt auf der Couch. Hat Michel seine Patientin in geistiger Umnachtung getötet? Um ein wenig Zeit zu gewinnen, verstaut er die Leiche erst einmal ordentlich unter der Couch, später wird er sie heimlich auf einem Friedhof verbuddeln. Die Karten werden neu gemischt, als Montignac aufgebracht in Durands Praxis auftaucht, nachdem Olga offenbar mit seinen Geldreserven von sieben Millionen Francs verschwunden ist. Kurz danach wird auch er ermordet.
In dem Haken schlagenden, schwarzhumorigen, 2001 unter dem Titel ‚Mortal Transfer‘ von Jean-Jacques Beineix verfilmten Krimi erfreut der elegante Stilist den Leser mit einem farbenfrohen Figurentableau – Durands Kontrollanalytiker Doktor Zlibovic, Durands Ex-Frau Florence, auch sie eine Psychotherapeutin, der versoffene Penner Herostrat, Kommissar Chapireau, mit dem Durand das Gymnasium besucht hat – und mit satirisch gefärbten Seitenhieben gegen die Zunft der Seelenklempner.
Bibliografie:
Michel Durand-Krimis: ’Neutralité malveillante‘ – Eiskalter Blick’ (1992), ‚Mortel Transfert‘ – ‚Schnee auf den Gräbern‘ (1997);
Einzelwerke: ‚La Nuit du professeur‘ – ‚Der vertauschte Mantel‘ (1994), Une place parmi les vivants‘ – ‚Der Geschichtendieb‘ (2001), ‚Le Grand Faiseur‘ (2002), ‚Longtemps, je me suis couché de bonne heure‘ (2004), ‚Avec vue sur le Royaume‘ (2007), ‚J’ai tué Anémie Lothomb‘ (2009), ‚Mon âme au diable‘ (2010), ‚Le Seigneur de la route‘ (2012), ‚Les Aventures de l’infortuné marrane Juan de Figueras‘ (2018).
Schnee auf den Gräbern – Ein witziger, gut aufgebauter Rätselkrimi im Milieu der Psychoanalytiker. Der Spannungsbogen reicht bis zur letzten Seite. Aus dem wirklichen Leben entsprungene Figuren erleben Szenen, die es in sich haben. Leseempfehlung in einem Diskussionsforum Depressionen: „Es folgen zahlreiche, sehr unangenehme Verwicklungen.“ Hin und wieder wird es anstrengend und dann folgt die nächste Kapriole.