(1877-1959; schrieb auch als Carl Trebla)

Carl Albert Loosli kommt die Ehre zuteil, 1926 mit ‚Die Schattmattbauern‘ den allerersten Schweizer Kriminalroman verfasst zu haben. Erschienen ist er allerdings erst sechs Jahre später. Die himmeltraurige Geschichte – eine feine Mischung aus Justizroman, Sittengemälde und psychologischer Studie, gewürzt mit einer gehörigen Portion Systemkritik – spielt 1893 in der wohlhabenden (erfundenen) Gemeinde Habligen im Emmental, einer ländlichen, hügeligen Region des Kantons Bern. Nach einer verregneten Sommernacht findet man den verbitterten, hasserfüllten Bauern Rees Rösti in seinem Hof, der Kopf zerstört durch eine Ladung Schrott. Der Verdacht fällt auf Röstis Schwiegersohn Fritz Grädel, der in die Mühlen der Justiz gerät und darob zerbricht, wenngleich er schliesslich mangels Beweisen freigesprochen wird. Erst viele Jahre später – für Grädel viel zu spät – enthüllt ein Brief die erschütternde Wahrheit.

Looslis Biografie ähnelt jener seines Zeitgenossen Friedrich Glauser: Unehelich geboren in dem seeländischen Dorf Schüpfen, Kanton Bern, aufgewachsen bei einer Pflegemutter, die ihn 1889 in einer Erziehungsanstalt versorgt und bald darauf stirbt, Abbruch des Gymnasiums, Zwangsaufenthalt in einer Jugenderziehungsanstalt von 1895 bis 1897, Entmündigung, Flucht nach Paris. Doch Loosli rappelt sich auf. Er heiratet 1903, lässt sich mit seiner Frau Ida als freier Autor im Berner Vorort Bümpliz nieder und macht als Gerichtsreporter, Zeitungsredakteur, Herausgeber und „Philosoph von Bümpliz“ von sich reden. Loosli starb 82-jährig in Bern-Bümpliz, neun Jahre nach seiner Frau. Eine durch die Herausgeber Fredi Lerch und Erwin Marti vorzüglich gestaltete Werkausgabe in sieben Bänden ist von 2006 bis 2009 im Rotpunktverlag erschienen. Im Jahr 2021 gab der Chronos Verlag die dreiteilige Biografie ‚Carl Albert Loosli 1877-1959‘ heraus, verfasst von Erwin Marti.

Das Werk des literarisch stets etwas im Abseits stehenden Autors enthält Mundart-Erzählungen, Gedichte, Theaterstücke, Satiren, sozialkritische Essays und Streitschriften, unter anderem gegen Antisemitismus und Faschismus, sowie Literaturkritiken und Texte zur Kunst. ‚Die Schattmattbauern‘ blieb – abgesehen von den Erzählungen ‚Die Geisterphotographie. Eine Detektivgeschichte nach Conan Doyles‘ mit „Harlock Shelmes“ als Held, ‚Der verlassene Stuhl‘, ‚Sunnemüli-Bänzes Burdi‘ und ‚Zweierlei Kaliber‘ – Looslis einziger Beitrag zur Kriminalliteratur.

Bibliografie: ‚Die Schattmattbauern‘ (1932).