(1923-2003)

George Leonard Baxt, Spross von osteuropäischen Emigranten, erblickte das Licht der Welt angeblich auf einem Küchentisch im New Yorker Stadtteil Brooklyn und wuchs mit einem Bruder und zwei Schwestern auf. Seine Homosexualiät lebte er bereits als Schüler in vollen Zügen aus. Nach abgebrochener Ausbildung am City College of New York und am Brooklyn College arbeitete er kurze Zeit als Radioansager, ehe er in Manhattan eine Anstellung bei einer Künstleragentur erhielt und sich später in diesem Beruf selbstständig machte. Zu Beginn der 50er-Jahre verfasste er seine ersten Kurzgeschichten, Theaterstücke und Fernsehdrehbücher. Als viele seiner Berufskollegen auf McCarthys Schwarze Liste gerieten, verliess er die USA und setzte seine berufliche Karriere beim Englischen Fernsehen fort. Fünf Jahre später kehrte er in seine Heimat zurück, um als Autor von Drehbüchern (unter anderem für die Kultfilme ‚Circus of Horrors‘ und ‚Night of the Eagle‘) Fuss zu fassen. Mitte der 60er debütierte er als Krimiautor.

Baxts bedeutendste und eigenständigste Figur ist der schwule dunkelhäutige Detective Pharoah Love von der New Yorker Mordkommission, ein cooler, blitzgescheiter Bursche um die vierzig, dem Baxt fünf vergnügliche, mit bizarren Figuren bevölkerte Romane gewidmet hat. „Wir machen uns eine Menge Gedanken, ehe wir einen Fall ad acta legen. Das lenkt uns ein bisschen ab von den Raubüberfällen und den Rassenunruhen“ ist Pharoahs Leitspruch. Im ersten Band ‚Pharoah Love und die Badewanne des Todes‘ lernt er den erfolglosen Autor Seth Piro kennen, als er den Mord an dessen ehemaligem Lebenspartner ermittelt – der Beginn einer aussergewöhlichen Freundschaft, der auch im nachfolgenden Roman ‚Pharoah Love und die dichtende Dame‘ grosse Bedeutung zukommt. Baxt opfert seinen liebenswerten Protagonisten in ‚Pharoah Love und die Wildkatze‘, reaktiviert ihn jedoch 25 Jahre später für zwei weitere Bände.

Von 1984 bis 1997 verfasste Baxt dreizehn in den 20er- bis 50er-Jahren angesiedelte „Promi-Krimis“, in denen die jeweils Titel gebende Figur (in der Regel eine Person aus Baxts Bekanntenkreis) in einen Mordfall verwickelt wird und diesen – mit marginaler Unterstützung durch andere Hollywood-Grössen und Detective Jacob Singer von der Mordkommission des NYPD – gleich selbst auflöst. Wer mehr Wert auf extravagentes Personal, vulgären Tratsch und knackige Sprüche als auf stringente Handlungsführung legt und mit Baxts gnadenlosem Name-Dropping etwas anfangen kann, ist bei dieser Reihe gut aufgehoben. ‚Mordfall für Tallulah Bankhead‘ hat damals den grössten Zuspruch bekommen. Die exaltierte, scharfzüngige Schauspielerin Tallulah Bankhead ist freudig erregt, als vier ihrer Bekannten durch die Hexenjagd des House Committee on Un-American Activities (HCUA) aus der Bahn geworfen werden und ihrem Leben ein Ende setzen. Doch dann taucht ein Killer auf, der mehreren namhaften Denunzianten das Licht ausbläst. Umgeben von ihrem Fanclub, bestehend aus den Schriftstellerinnen Dorothy Parker und Lillian Hellmann, dem Cop Jacob Singer und einem Theateragenten namens George Baxt, beginnt Tallulah zu rätseln, wer am ehesten als Rächer der McCarthy-Opfer in Frage kommt. Zu guter Letzt trommelt sie alle Beteiligten zusammen und schüttelt den Namen des Mörders aus dem Hut.

Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, starb George Baxt kurz nach seinem achtzigsten Geburtstag in New York City an den Folgen einer Herzoperation.

Bibliografie:

Pharoah Love-Serie: ‚A Queer Kind of Death‘ – ‚Pharoah Love und die Badewanne des Todes‘ (1966), ‚Swing Low, Sweet Harriet‘ – ‚Pharoah Love und die dichtende Dame‘ (1967), ‚Topsy and Evil‘ – ‚Pharoah Love und die Wildkatze‘ (1968), ‚A Queer Kind of Love‘ (1994), ‚A Queer Kind of Umbrella‘ (1995);

Jacob Singer-Serie (Promi-Krimis): ‚The Dorothy Parker Murder Case‘ – ‚Mordfall für Dorothy Parker‘ (1984), The Alfred Hitchcock Murder Case‘ – ‚Mordfall für Alfred Hitchcock‘ (1986), ‚The Tallulah Murder Case‘ – ‚Mordfall für Tallulah Bankhead‘ (1987), ‚The Talking Pictures Murder Case‘ (1990), ‚The Greta Garbo Murder Case‘ – ‚Mordfall für Greta Garbo‘ (1992), ‚The Noel Coward Murder Case‘ – ‚Mordfall für Noel Coward‘ (1992), ‚The Marlene Dietrich Murder Case‘ – ‚Mordfall für Marlene Dietrich‘ (1993), ‚The Mae West Murder Case‘ – ‚Mordfall für Mae West‘ (1993), ‚The Bette Davis Murder Case‘ – ‚Mordfall für Bette Davis‘ (1994), ‚The Humphrey Bogart Murder Case‘ – ‚Mordfall für Humphrey Bogart‘ (1995), ‚The William Powell and Myrna Loy Murder Case‘ (1996), ‚The Fred Astaire and Ginger Rogers Murder Case‘ (1997), ‚The Clark Gable and Carloe Lombard Murder Case‘ (1997);

Sylvia Plotkin und Max Van Larsen-Krimis: ‚A Parade of Cockeyed Creatures‘ – ‚Kein Orpheus für die Unterwelt‘ (1967), ‚I! Said the Demon‘ – ‚“Ich“!, sagte der Dämon‘ (1969);

Einzelwerke: ‚The Affair at Royalties‘ – ‚Flirt mit Scotland Yard‘ (1971), ‚Burning Sappho‘ – ‚Ein Brief an Sappho‘ (1972), ‚The Neon Graveyard‘ (1979), ‚Process of Elimination‘ (1984), ‚Satan Is a Woman‘ (1987), ‚Who’s Next‘ (1988).