(*1963; schreibt auch als Raymond A. Scofield)

Gert Anhalt kam im hessischen Kurort Bad Wildungen zur Welt und studierte von 1984 bis 1988 Japanologie in Marburg und Tokio. Danach war er in verschiedenen leitenden Funktionen für die ARD, das ZDF und den Hörfunk in Tokio, Peking und Deutschland tätig und veröffentlichte Reportagen und Sachbücher über Japan. Seit 2011 arbeitet er als Reporter und Redakteur für den Hessischen Rundfunk, Schwerpunkt Zeitgeschiche und Politik.

Nachdem Anhalt unter dem Pseudonym Raymond A. Scofield mehrere actiongeladene, vornehmlich in Fernost spielende Politthriller zu Papier gebracht hatte, veröffentlichte er von 2002 bis 2007 die mit bürgerlichem Namen gezeichnete Trilogie über den plattfüssigen, kleingewachsenen und rundlichen Privatschnüffler Hamada Kenji aus Tokio, der sich selbst als „Mädchen für alles mit wenig Ahnung von Detektivarbeit“ bezeichnet und die These vertritt, dass die besten Männer, also auch er selbst, von der Pubertät geradewegs in die Midlife-Crisis kommen. Er betreibt seinen in Japan äusserst seltenen Beruf nicht wegen des Geldes, sondern in erster Linie aus Protest gegen seinen rückgratlosen, mit unlauteren Mitteln reich gewordenen, vor drei Jahren verstorbenen Vater, der ihm vier schmutzige Milliarden Yen hinterlassen hat. Sein Büro befindet sich im Obergeschoss einer verlassenen Baubaracke und ist mit einem Telefon, einem grünen Klapptisch, zwei roten Campingstühlen und einer Thermoskanne bestückt. Mit Aufträgen nicht gerade überschüttet, verbringt er den grössten Teil des Tages in seiner Stammkneipe oder vertreibt sich die Zeit mit der Lektüre von Manga-Geschichten, in denen sein Vorbild Megaman die japanischen Werte hochhält. Seit einem Techtelmechtel mit der Austauschstudentin Susanne vor zehn Jahren spricht Kenji ein paar Brocken Deutsch.

Zu Beginn des ersten Bandes ‚Tote mögen keine Sushi‘ schickt ihn der mächtige Konzernboss Takahana mit zehn Millionen Dollar nach Frankfurt/Main (bzw. Furankufuruto), um dort den fünfjährigen Sohn seines Deutschland-Repräsentanten aus den Fängen mysteriöser Entführer zu befreien. Bei der Übergabe des Lösegelds geht jedoch irgend etwas völlig schief: Ken erwacht ohne Pass, Kreditkarte, Lösegeld und Flugticket in einem Park, neben ihm ein blutiges Samuraischwert und der enthauptete Manager. Mit knapper Not gelingt es dem von der Presse bereits zum Ninja-Killer gehypten Detektiv, im Appartment von Susanne Unterschlupf zu finden; Susanne, die, wie sich herausstellt, in leitender Funktion für Takahanas Konzern arbeitet. Wenig später stolpert Kenji schon wieder über die kopflose Leiche eines japanischen Managers und entdeckt nun Querverbindungen zu Kriegserbrechen der japanischen Besatzer in China währends des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges im Dezember 1937.

Kenji hat die wilden Abenteuer in Deutschland insgesamt recht gut überstanden und träumt nun von einer Karriere als Folkmusiker, bis zu Beginn des zweiten Bandes ‚Für eine Handvoll Yen‘ seine kriminalistischen Fähigkeiten wieder einmal gefragt sind. Seine im Sterben liegende frühere Nachbarin und Ersatzmutter „Tante Hiroko“ drückt ihm ihren halbjährigen Enkel Akira in die Hand, damit er ihn in Sicherheit vor drei Männern bringt, die taubenblaue Anzüge tragen und soeben ihre Wohnung verwüstet haben. Der leicht überforderte Detektiv übernimmt den Auftrag und begibt sich auf die Suche nach Akiras schwer verschuldetem Vater, unterstützt durch seine beste Freundin, die Proficatcherin Kiko, seinen alten Kumpel Nori und den Obdachlosen Rudi, der Tokios Unterwelt wie kein zweiter kennt. Die Ermittlungen führen ihn in den Club Adonis, wo er als Gigolo (sic!) mit Mika anbändelt, der Gattin des für Wucherzinsen und rabiate Umfangsformen bekannten Bankers Morita, doch auch eine hochkriminelle, auf Organhandel spezialisierte Sekte scheint ihre Hände im Spiel zu haben.

Gert Anhalts funkensprühende Detektivromane fesseln durch die rasante, mit Slapstick durchsetzte Handlung, humorvolle Schilderungen der soziokulturellen Eigenheiten und sprachlichen Finessen der Japaner und natürlich durch den höchst originellen Ich-Erzähler Hamada Kenji, den der Leser leicht ins Herz schliesst.

Bibliografie:

Als Gert Anhalt:

Hamada Kenji-Serie: ‚Tote mögen keine Sushi‘ (2002), ‚Für eine Hand voll Yen‘ (2004), ’Sayonara für eine Leiche’ (2007);

Einzelwerk: ‚Mordsmässig schmalzig. Caspari ermittelt‘ (2014).

Als Raymond A. Scofield:

’Gelber Kaiser’ (1997), ’Das schwarze Thangka’ (1998), ’Babylon’ (1999), ’Die Tibet-Verschwörung’ (2001), ’Die Krallen des Tigers’ (2002), ’Unternehmen Hydra’ (2002), ’Der Jadepalast’ (2005).