(*1943)

Jo Jong-Rae wurde im Landkreis Seungju in der koreanischen Provinz Jeolla geboren. Als im Jahre 1950 – kurz nach der japanischen Kolonialherrschaft und der darauffolgenden Teilung des Landes – der Korea-Konflikt ausbrach, flüchtete er mit seinen Eltern in Richtung Süden. Er studierte Koreanistik an der Dongguk Universität in Seoul, bevor er 1970 zu schreiben begann. Sein Werk enthält Erzählungen und Romane, darunter sein zehnbändiges Hauptwerk ‚Das Taebaek – Gebirge‘, eine 1994 unter demselben Titel verfilmte Abhandlung über den Koreakrieg. Im Jahre 2013 kehrte er an die Uni zurück, um Koreanische Sprache und Literatur zu lehren. Jo Jong-Rae wurde immer wieder der Propaganda für Nordkorea verdächtigt und von rechtsgerichteten Organisationen verfolgt.

In dem anspruchsvollen, aus drei Perspektiven erzählten Spannungsroman ’Das Spiel mit dem Feuer’ setzt sich Jo Jong-Rae mit Koreas jüngster Vergangenheit auseinander, namentlich dem „Bruderkrieg“ der frühen 50er-Jahre, dem nahezu 2 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Im Mittelpunkt stehen der unglaublich erfolgreiche Seouler Unternehmer Hwang Bokman und sein Sohn, der Universitätsdozent Hwang Hyungmin, die mit anonymen Anrufen von der dritten Hauptperson, einem Mann, der sich Shin Bumho nennt, unter Druck gesetzt werden: Bokman habe seine Biografie entscheidend gefälscht, er sei vor dreissig Jahren nicht als Widerstandskämpfer gegen die Kommunisten aus dem Norden geflohen, sondern unter ärmlichen Bedingungen im Süden auf einem Bauernhof aufgewachsen, habe als Schmied gearbeitet und danach als führendes Mitglied einer kommunistischen Partisanentruppe – damals noch unter seinem angestammten Namen Bae Joemsu – 38 Angehörige des mächtigen Clans der Shin mit selbst angefertigten Speeren erstochen.

Als Bokman der seelischen Belastung durch die stets mit der Frage „Hast du nicht schon viel zu lange gelebt?“ beendeten Telefonate nicht mehr standhält und einen schweren Zusammenbruch erleidet, beginnt Hyungmin zu ermittlen. Er wühlt sich tief in den Lebenslauf seines von ihm verehrten Vaters, recherchiert die Geschichte seiner Vorfahren und seines Landes, reist an den väterlichen Geburtsort und spricht mit den wenigen verbliebenen Zeitzeugen. Der Anrufer aber, ein einfacher Buchvertreter, der Bae Joemsu zehn Jahre lang ununterbrochen gesucht hat, um dem letzten Willen seiner Mutter nachzukommen, hat nur ein Ziel vor Augen: dem Kriegsverbrecher ebenso viel Leid zuzufügen wie dieser damals seinen Opfern.

Bibliografie:

Munye ch’ulp’an‘ ’Das Spiel mit dem Feuer’ (1982).