(1952-2020)

Geboren in Cincinnati, Ohio, aufgewachsen in Chicago, studierte John Wessel an der University of Chicago mit einem Abschluss 1975. Anschliessend verrichtete er Gelegenheitsjobs und arbeitete als Buchhändler und Literaturkritiker, ehe er in den 90er-Jahren zu schreiben begann und bis 2002 die dreiteilige Harding-Serie herausgab. Danach verloren sich seine Spuren, bis im Oktober 2020 ein kurzer Nachruf erschien. Wessel hinterliess seine Frau Susan, mit der er 49 Jahre verheiratet war, und seine Schwester Carol.

Der vornamenlose Privatdetektiv Harding aus Chicago, ein hilfsbereiter, integrer und schlagfertiger Mann um die vierzig mit einer Vorliebe für Horrorfilme und melancholische Country-Songs, musste seine Lizenz vor zehn Jahren abgeben, als er bei Ermittlungen in einem tragisch endenden Fall den gewalttätigen Auftraggeber gehörig in die Schranken wies und dafür die Quittung in Form von achtzehn Monaten Haft erhielt. Seit seiner Freilassung übernimmt er kleine, schmutzige Jobs für seinen ehemaligen Partner Donnie Wilson, der es als Leiter einer Sicherheitsagentur weit gebracht hat. Unterstützt wird Harding durch die Fotografin Alison und den Technikfreak Boone, zwei fein gezeichnete Figuren.

Im ersten und einzigen ins Deutsche gebrachten Band soll Harding der fragilen Schönheit Elenya bei der Scheidung von dem prominenten plastischen Chirurgen Stephen Rosenburg zur Seite stehen, damit sie zu ihrem Recht – einem Haufen Geld – kommt. Weil der skrupellose Arzt auf ausgefallene Sexspiele mit seinen Studentinnen steht, sollten ein paar hübsche Fotos zur Auftragserfüllung eigentlich genügen. Doch dann prasselt eine Menge Unbill auf den smarten Schnüffler nieder: Rosenbergs derzeitige Geliebte wird abgemurkst, Harding gehört zu den Hauptverdächtigen, unerwartete Verbindungen zu den verhängnisvollen Geschehnissen von vor zehn Jahren kommen ans Licht – Hardings Zukunft hängt an einem seidenen Faden. ‚Bis hierher und nicht weiter‘: insgesamt ein gelungenes Debüt, für das einige Kritiker dem Autor etwas überschwänglich das Prädikat „Chandler der 90er-Jahre“ verliehen haben.

Bibliografie:

Harding-Serie: This Far, No Further – ‚Bis hierher und nicht weiter‘ (1996), ‚Pretty Ballerina‘ (1998), ‚Kiss It Goodbye‘ (2002).