(*1966)

Niccolo Ammaniti kam als Sohn des berühmten Psychiaters und Sachbuchautors Massimo Ammaniti in Rom zur Welt und lebt auch heute dort. Sein Biologiestudium brach er kurz vor Abschluss ab, um das Schreiben ins Zentrum seines Lebens zu rücken. Sein Werk enthält Kurzgeschichten, Essays, Drehbücher und bisher sieben Romane – Milieustudien über die italienische Provinz, die Dystopie ‚Anna‘ und den Krimi ‚Io non ho Paura‘ (‚Ich habe keine Angst‘), mit dem ihm 2001 in Italien der Durchbruch gelang.

‚Ich habe keine Angst‘, eine kongeniale Mischung aus Coming-of-Age-Roman und Country Noir vor dem Hintergrund der unüberwindbaren Kluft zwischen dem Mezzogiorno und dem Norden, angesiedelt in einem gottverlassenen süditalienischen Nest, wird aus der Sicht des neunjährigen Michele erzählt. Zu Beginn des brütend heissen Sommers 1978 entdeckt er auf einem Hügel in einem zerfallenen Bauernhaus einen angeketteten, halb verhungerten, etwa gleichaltrigen Jungen namens Filippo, eine Begegnung, die fortan seine Gedanken, Gefühle und Träume beherrscht – erst recht, als er zufällig mitbekommt, dass es sich bei Filippo um das Opfer einer Entführung aus begütertem norditalienischem Elternhaus handelt und die Polizei ihn fieberhaft sucht. Auf rührende Art beginnt Michele sich um seinen neuen Freund zu kümmern, bringt ihm zu essen und zu trinken, wäscht ihm den geschundenen Körper. Erst nach und nach erschliesst sich ihm die Wahrheit, dass fast die gesamte Dorfbevölkerung, auch sein Vater, an dem Verbrechen beteiligt ist. Er überwindet seine Angst und radelt mitten in der Nacht auf den Hügel, um Filippo zu befreien. Ammanito erzählt die erschütternde Geschichte in einer kargen Sprache, ohne jegliche Gefühlsduselei, und versetzt den Leser in eine andere Welt, eine andere Zeit.

Bibliografie:

‚Io non ho paura‘ – ‚Ich habe keine Angst‘ (auch unter dem Titel ‚Die Herren des Hügels‘, 2001).