(*1975)

Nickolas Austin Pizzolatto kam als Spross einer streng katholischen itailenisch-stämmigen Arbeiterfamilie in New Orleans zur Welt und wuchs dort und in der ländlichen Umgebung von Lake Charles, Louisiana, auf. Er verliess das Elternhaus mit siebzehn und studierte an der Louisiana State University mit einem Abschluss in Englisch und Philosophie. Danach jobbte er vier Jahre als Barkeeper in Austin, Texas, bis er an der University of Arkansas einen Master in Creative Writing erwarb. 2006 erschien seine Geschichtensammlung ‚Between Here and the Yellow Sea‘. Mit seinem bisher einzigen, 2010 publizierten Roman ‚Galveston‘, der acht Jahre später ziemlich frei nach seinem mit Jim Hammett gezeichneten Drehbuch verfilmt wurde, schrieb er sich in die vorderste Reihe der Country-Noir-Autoren. Darüber hinaus unterrichtete Pizzolatto Fiktion und Literatur an der University of North Carolina in Chapel Hill, der University of Chicago und der De Pauw University in Indiana. 2010 zog er nach Kalifornien, um sich als Drehbuchautor zu etablieren. 2012 kreierte er die bahnbrechende, höchst erfolgreiche TV-Serie ‚True Detective‘. Er lebt in Austin.

Roy Cody, Eintreiber und Auftragskiller einer Organisation in New Orleans mit Stan Ptitko an der Spitze, erfährt zu Beginn der Erzählung von seinem Arzt, dass er Lungenkrebs im Endstadium hat – eine krasse Fehldiagnose, wie sich später zeigt. Am selben Abend stellt ihm sein Boss eine Falle – er soll wegen einer Frauengeschichte umgelegt werden. Doch Roy dreht den Spiess um, tötet die Schergen, rettet nebenbei die 18-jährige Prostituierte Raquel „Rocky“ Arceneaux und flüchtet mit ihr in seine texanische Heimat. Unterwegs gesellt sich Rockys vermeintliche dreijährige Schwester Tiffany hinzu und weckt beim 40-jährigen, vom Leben gezeichneten Gangster Vatergefühle. Er versteckt sich mit seiner „kleinen Familie“ in einem schäbigen Motel, ändert sein Outfit, doch Stan und seine Bande heften sich an seine Fersen. Nach dem Showdown, den nur wenige überleben, wandert Roy für zwölf Jahre ins Gefängnis. Endlich wieder auf freiem Fuss, schlägt er sich als Hausmeister in der öden Hafenstadt Galveston durch, bis er schliesslich in einer rührenden Szene auf eine junge Grafikdesignerin trifft – Tiffany ist ihr Name.

Roy Cody vollzieht im Verlauf der zwischen den Jahren 1987 und 2008 hin und her springenden, stilistisch hochstehenden, mit starken Charakteren und fesselnden Landschaftsschilderungen aufwartenden Geschichte einen erstaunlichen Reifeprozess – aus dem Desperado mit untrüglichen Überlebensinstinkten wird ein fürsorglicher Mann, der sich nicht davor scheut, Verantwortung für Schwächere zu übernehmen.

Bibliografie:

‚Galveston‘ – ‚Galveston‘ (2010).