(*1944)

Castle Freeman wurde in San Antonio, Texas geboren, wuchs in Chicago auf und studierte an der Columbia University in New York, Abschluss 1968. Ein Jahr danach heiratete er die Künstlerin Alice Chaffee. 1972 zog er mit ihr ins County Windham im südöstlichen Teil Vermonts. Seither arbeitet er als Korrektor, Lektor, Redakteur und Autor von Essays, Reportagen, Sachtexten zu geschichtlichen und naturgeschichtlichen Themen und Kurzgeschichten. 1997 debütierte er als Romanautor.

‚Männer mit Erfahrung‘, angesiedelt in einem gottverlassenen Kaff in Vermont, besteht zu 80% aus lakonischen Dialogen. Hier lebt die junge, alleinstehende Schönheit Lillian, die sich durch den üblen Kerl Blackway bedroht fühlt und deshalb Sheriff Wingate um Hilfe bittet, doch der verweist sie an eine Gruppe betagter schräger Vögel. Einer von ihnen, der ausgebuffte Lester, sowie der gutmütige, etwas einfältige Muskelprotz „Nate the Great“ machen sich mit Lillian auf den Weg, den Schurken aufzuspüren und unschädlich zu machen, während die alten Säcke um den ehemaligen Fabrikanten Whizzer sich die Zeit mit herrlichem Gefasel – Kommentaren zu Lesters Expedition, Erinnerungen an die guten alten Zeiten, ausufernde Diskussionen über brennende Themen wie Bauchnabelpiercing – vertreiben und Wingate eine ruhige Kugel schiebt. Nach 24 Stunden hat der Spuk ein Ende.

Sheriff Lucian Wing lernte sein Handwerk von seinem Vorgänger Sheriff Wingate. Er hat einen zwei Jahre älteren Bruder Paul, und ihr Vater ist von vierzig Jahren in Vietnam verschollen. Der mit Clemmie, der aufmüpfigen Tochter des angesehenen, leutseligen, mehrheitlich dem Müssiggang und Picheln frönenden Anwalts Addison Jessup kinderlos verheiratete Ich-Erzähler ist ein gelassener, weiser, sein Licht stets etwas unter den Scheffel stellender und deshalb unterschätzter Gemütsmensch wohl in seinen Fünfzigern. „Den Dingen Gelegenheit geben, sich zu entwickeln“ und „Hier und da ein bisschen herumstochern“ sind seine eisernen Regeln, und er ist stets ohne Dienstwaffe und ohne Uniform in seinem Pickup unterwegs. Umso ehrgeiziger ist Deputy Lyle Keen, der lieber heute als morgen Wings Posten übernehmen würde. Freeman erzählt die Lucian Wing-Krimis mit staubtrockenem Humor, kein Wort ist zu viel.

Im ersten Band ‚Auf die sanfte Tour‘ lässt der Rumtreiber und Frauenheld Sean „Superboy“ Duke bei seinem Einbruch in einem abgelegenen, von russischen Mafiosi bezogenen Luxus-Anwesen einen kleinen Tresor mit brisantem Material mitlaufen und sucht danach das Weite. Für den Sheriff gilt es jetzt, den Dieb zu finden, bevor die Russen ihn erwischen und aus dem Weg räumen, und selbstverständlich erledigt er seinen Job, den Mafia-Clan endgültig aus dem Tal zu vertreiben, ohne viel Federlesens.

Für sein stoisches Eingreifen im Mafia-Fall wird der Sheriff schlecht belohnt. Clemmie treibt sich mit dem dämlichen Arbeiter Jake Stout herum und schmeisst ihren Mann aus dem gemeinsam erbauten Haus, worauf er seine Bürocouch als Schlafstätte benützt. Terry St. Clair verliert bei der Arbeitsunfall seine dominante linke Hand, Nelson Butterfield kommt ein Auge abhanden – zwei der bisher letzten bizarren „Unfälle“ im Tal -, worauf Steve Roark, der forsche Anwalt und Vorsitzende der drittgrössten Ortschaft des Countys, mächtig Druck ausübt, indem er dem Sheriff mit drei seiner alten Politikerkollegen ins Handwerk pfuscht. Der kolossale, mehr oder weniger herrenlose Mastiff „Don Corleone“ reisst Vieh jeder Grösse und sorgt für Angst und Schrecken. Sheriff Wings Mutter verfällt allmählich der Demenz. Alte, schwelende Geheimnisse dringen ans Licht und Selbstjustiz ist wieder auf dem Vormarsch. Doch der feine Beobachter Wing und seine pflichtbewuste, furchtlose Deputy Olivia Gilfeather – sie ist 1.86 gross und verbrachte acht Jahre bei den Marines – behalten die Übersicht.

Bibliografie:

Judgement Hill (1997), ‚Go With Me‘ – ‚Männer mit Erfahrung‘ (2008), ‚The Devil in the Valley‘ (2015);

Lucian Wing-Krimis: ‚All that I Have‘ – ‚Auf die sanfte Tour‘ (2009), ‚Old Number Five‘ ‚Der Klügere lädt nach‘ (2018), ‚Children of the Valley‘ – ‚Herren der Lage‘ (2020).