(*1959)

Raul Montanari, geboren in der norditalienischen Stadt Bergamo, wuchs in Mailand auf, wo er auch heute lebt. Er studierte Altphilologie und Soziale Kommunikation in Mailand, um danach als Übersetzer von Seneca sowie Edgar Allan Poe, Oscar Wilde, Cormac McCarthy, Robert Louis Stevenson, Philip Roth und anderen angloamerikanischen Autoren, und als Werbetexter, Lyriker, Bühnen-, Drehbuch- und Prosaautor zu arbeiten. Zudem leitet der begeisterte Fliegenfischer seit 1999 Kurse in Kreativem Schreiben an einer Mailänder Schule.

Nach mehreren Erzählungen und dem unausgegorenen, den Leser wenig berührenden psychologischen Roman ‚Das Dunkel verschlingt die Strasse‘ veröffentlichte Montanari im Jahr 1994 den schlanken Noir ‚Der Perfektionist‘, eine poetische, an dem norditalienischen Lago d’Iseo angesiedelte Geschichte, in der lange Zeit fast nichts geschieht. Drei Personen treffen aufeinander: Ein junger, namenloser Mann, dessen Gesicht seit einem Autounfall vor zehn Jahren, bei dem er seine ganze Familie verlor, schwer entstellt ist, und der die Sommerferien bei seiner Grossmutter am See verbringt; die von Liebeskummer geplagte Kellnerin Adriana; und ein hünenhafter, geheimnisvoller Holländer mittleren Alters, der eigentlich keine Pistole bräuchte, um wie jeden Sommer seinem Hobby, dem Angeln, nachzugehen. Doch kurz vor Schluss geschieht ein Mord, dessen Ursprünge in der Vergangenheit liegen.

’Rückkehr eines Mörders’ spielt in einem kleinen, verschlafenen Ort in der gleichen Gegend wie ‚Der Perfektionist‘, wo vor dreizehn Jahren der ungeklärt gebliebene Mord an der jungen Schönheit Ilaria verübt worden ist. Bis heute ist sich die Bevölkerung einig, dass der Einheimische Andrea Livolsi die Tat begangen hat. Dieser ist damals vor den Anschuldigungen nach Kanada geflüchtet, hat dort als Polizist und Waldhüter gearbeitet. Jetzt kehrt er zum Begräbnis seiner Mutter ins Heimatdorf zurück, wo ihm eine Welle des Hasses entgegenschlägt. Andrea beschliesst, den Verbrecher auf eigene Faust zu entlarven, um endlich seine Ruhe zu finden. Montanari lässt sich viel Zeit bei der Entwicklung seiner Krimihandlung, legt stattdessen grossen Wert auf farbige Schilderungen seiner Figuren – neben Andrea sind dies namentlich Ilarias dumpfe Brüder Loris und Gianni, deren gewalttätiger Kumpel Mauro, der junge, schwule Intellektuelle Gilberto, die attraktive, von Andrea faszinierte 18-jährige Gymnasiastin Doris, Adoptivtochter des unglücklichen Ehepaars Antonella (Andreas frühere Geliebte) und Werner (der damals für den Mordfall Ilaria zuständige Polizist, der seither aufgrund einer Schussverletzung an den Rollstuhl gefesselt ist), der durch seine Geilheit gemarterte Pater Don Alfio, die Wahrsagerin Anna, deren Sohn Claudio vor dreizehn Jahren die Schuld auf sich nahm und Selbstmord beging, der alte Fischer Roberto, der zu viel weiss, und der kluge marokkanische Einwanderer Azzedine. Viel Raum erhalten die schwelenden Konflikte im Städtchen und Andreas erotische Erlebnisse.

Bibliografie:

‚Il buio divora la strada‘ – ‚Das Dunkel verschlingt die Strasse‘ (1991), ‚La perfezione‘ – ‚Der Perfektionist‘ (1994), ‚Sei tu l’assassino‘ (1997), ‚Dio ti sta sognando‘ (1998), ‚Chiudi gli occhi‘ – ‚Rückkehr eines Mörders‘ (2004), ‚La verità bugiarda‘ (2005), ‚L’esistenza di Dio‘ (2006), ‚L’esordiente‘ (2011)‘, ‚Il tempo dell‘ innocentia‘ (2012), ‚Tu non sai niente di me‘ (2015), ‚Sempre piu vicino‘ (2017), ‚La seconda porta‘ (2019).