(*1964)

Pascal Dessaint wurde als sechstes Kind einer einfachen Arbeiterfamilie in der nordfranzösischen Küstenstadt Dünkirchen geboren. Mit zwanzig Jahren ging er nach Toulouse, wo er sein Geschichtsstudium absolvierte und Gelegenheitsjobs verrichtete. Als er 1991 während zwei Monaten den Kunstmaler Eric Alibert in den Alpen begleitete, entdeckte er seine Passion für die Berge, die Natur. 1990 machte er das Schreiben zum Hauptberuf. Sein Werk umfasst knapp dreissig Romane, darunter viele Krimis, und zahlreiche Erzählungen. Zwei Krimis liegen in deutschen Übersetzungen vor.

’Pulp und die Opfer der Berge’, ist Dessaints Beitrag zu der von Jean-Bernard Pouy 1995 ins Leben gerufenen linksradikalen Reihe ’Le Poulpe’. Gabriel Lecouvreur, alias Pulp, verschlägt es diesmal in die Pyrenäen, nachdem die Leiche eines in Stücke gerissenen Mannes mit zerschmettertem Schädel in einem gottverlassenen Dorf entdeckt worden ist. Als Täter scheint einzig ein Bär in Frage zu kommen, selbst wenn es diese Spezies in der Region seit Jahrzehnten nicht mehr gibt. Als Gabriel unter Einsatz seines Lebens tiefer gräbt, bringt er ein wüstes, weit zurückliegendes Drama ans Licht.

’Schlangenbrut’, ein anspruchsvoller, aus wechselnden Perspektiven erzählter und mit lyrischen Passagen geschmückter Noir, dreht sich um den Kriminalbeamten Félix Dutrey, der bei seiner Lebensgefährtin Elisa auf einem Hausboot am Canal du Midi in Toulouse lebt. Als Jaques Lafleur, ein abenteuerlustiger, vor kurzem bei einer Fabrikexplosion schwer verletzter Wandervogel, mit durchtrennter Kehle im verwilderten Garten seiner psychisch kranken Schwester Jeanne aufgefunden wird, taucht Dutrey tief in die verschlungene Vergangenheit der Familie Lafleur ein und enthüllt ein verhängnisvolles Beziehungsgeflecht. Wichtige Rollen spielen Jaques‘ Tagebücher, die der junge Kehrichtarbeiter Rémi, Sohn eines gewalttätigen Vaters, zufällig in einer Mülltonne findet und fasziniert verschlingt – mit fatalen Folgen; sowie Jaques‘ älterer Bruder Pierre, der sein Leben den Reptilien widmet, und seine bildschöne Frau Valérie – ein Vorzeigepaar, das vor vielen Jahre auf Abwege geriet und jetzt dafür die Quittung bekommt.

Bibliografie:

‚Les paupières de Lou‘ (1992), ‘Une pieuvre dans la tête‘ (1994), ‘Les Pis rennais’ – ’Pulp und die Opfer der Berge’ (1996), ‘Bouche d’ombre’ (1996), ‘A trop courber l’échine’ (1997), ‘Journal de Grèce’ (1998), ‘Du bruit sous le silence’ (1999), ‘On y va tout droit’ (2001), ‘Cruelles natures’ (2007), ‘Les derniers jours d’un homme’ (2010), ‘Le bal des frelons’ (2011), ‘Maintenant, le mal est fait’ (2013), ‘Le chemin s’arrêtera là’ (2015), ‘Un homme doit mourir’ (2017), ‘L’horizon qui nous manque’ (2019).

Capitaine Félix Dutrey-Krimis: ‘Mourir n’est peut-être pas la pire des choses’ (2003), ‚Loin des humains‘ – ‚Schlangenbrut‘ (2005), ‚Tu ne verras plus‘ (2008).