(Kürzel für Patricia McElroy Carlson, *1940)

P.M. Carlson, geboren in Guatemala City als Tochter von amerikanischen Eltern, die während der Depression die USA verlassen hatten und 1950 dorthin zurückkehrten, studierte Statistik und Psycholinguistik an der Cornell University in Ithaca, New York State, Promotion 1974. Danach arbeitete sie als Wissenschaftlerin für experimentelle Psychologie und Statistik und veröffentlichte mehrere Sachbücher Studien zu statistischen Problemen in der Psychologie. 1985 begann sie als Krimiautorin. Nach einem siebenjährigen Aufenthalt in einem Viktorianischen Haus in Indiana lebt die Mutter von zwei Söhnen mit ihrem Mann, dem Theaterwissenschaftler M.A. Carlson, seit 1986 wieder in New York City.

Carlsons erste, in den späten 60er- und der ersten Hälfte der 70er-Jahre (während des Vietnamkrieges, der ein immer wiederkehrendes, allerdings eher oberflächlich behandeltes Thema der Romane darstellt) angesiedelte – auch als Mord-Serie bezeichnete – Reihe dreht sich um die schlagfertige Amateurdetektivin Maggie Ryan aus New York City, zunächst Statistikstudentin, später eine renommierte Statistikerin, eine junge Frau mit vielen Begabungen und hoher Sozialkompetenz – fast zu gut, um wahr zu sein.

Der erste Roman ‚Vorspiel zum Mord‘ spielt an einer Universität in der New Yorker Provinz, wo die Studenten den ‚Hamlet‘ aufführen wollen, unterstützt durch ein paar Profis – unter ihnen der charismatische, warmherzige Nick O’Connor und seine höchst attraktive, jedoch psychisch labile Frau Lisette, die üblicherweise erfolgreich in New York City auf der Bühne stehen. Die Studentin Maggie Ryan ist für die Beleuchtung zuständig. Als sich Anschläge auf Lisettes Leben häufen, sind Maggies kriminalistische Talente gefragt.

In den 90ern liess die Autorin eine zweite Serie folgen, in der Deputy-Sheriff Martine „Marty“ Hopkins im Mittelpunkt steht, eine (noch) mit dem charmanten Träumer und Vagabunden Brad verheiratete, alleinerziehende Mutter der neunjährigen Chrissie, die ihren Vater vergöttert. Marty ist eine originelle Figur mit einfühlsam dargestellten privaten und beruflichen Sorgen, eine intelligente und mutige Frau, die es schwer hat, in der Provinz des für Rassismus, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit bekannten Bundesstaats Indiana ihre anspruchsvollen Ermittlungen durchzuführen, selbst wenn ihr Vorgesetzter Sheriff Wes Cochran sein Herz am rechten Fleck hat.

In ‚Grabes Stimme‘, dem ersten Band des Vierteilers, bearbeitet Marty Hopkins zwei Fälle, die, wie sich zeigen wird, eng miteinander verknüpft sind: Ein mit einer Afroamerikanerin verheirateter jüdischer Musiker ist auf grässliche Weise umgebracht worden – ein Verbrechen, das die Handschrift des Ku Klux Klan trägt. Als einige Tage später ein dunkelhäutiger Mann nach ähnlichen Muster ermordet wird, tritt zu Cochrans Verdruss das FBI auf den Plan. In einem parallelen Strang glaubt der Ex-Richter Hal Denton, der aufgrund eines fortgeschrittenen Hirntumors jeden Realitätssinn verloren hat, seine seit acht Jahren verschollene, damals zwölfjährige Tochter trachte ihm nach dem Leben, doch Marty findet ihre längst verweste Leiche in einer alten Kalksteinhöhle – mit einer Bibel, in der eine Klan-Karte steckt. Welche Verbindung gibt es zwischen den drei gegensätzlichen Toten? Und was führt die geheimnisvolle Forscherin Professor Wolfe im Schilde, die den Ermittlern immer wieder auf der Nase herumtanzt? Das klaustrophobische Finale findet in dem Labyrinth von Gängen in der Kalksteinhöhle statt. Doch dann setzt Carlson noch einen drauf und enthüllt ein ungeheures Familiendrama als Ausgangspunkt der Verbrechen.

Der Geschichtenband ‚Miss Mooney‘ ist Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert angesiedelt. Er enthält zehn Stories, in denen die toughe Shakespeare-Mimin und Gelegenheitsdetektivin auf President Ulysses S. Grant, den Erfinder Thomas Edison, den Banditen Jesse James, die Schauspielerin Sarah Bernhardt und andere Berühmtheiten trifft – eine spannende, vergnügliche Lektüre.

Bibliografie:

Maggie Ryan-Serie: ‚Audition for Murder‘ – ‚Vorspiel zum Mord‘ (1985), ‚Murder Is Academic‘ – ‚Sicher ist nur der Mord‘ (1985), ‚Murder Is Pathological‘ – ‚Versuch mit Mord‘ (1986), ‚Murder Unrenovated‘ – ‚Makler und Mord‘ (1988), ‚Rehearsal for Murder‘ – ‚Bühne frei für Mord‘ (1988), ‚Murder in the Dog Days‘ – ‚Heiss genug für Mord‘ (1990), ‚Murder Misread‘ – ‚Studie mit Mord‘ (1990), ‚Bad Blood‘ – ‚Blut ist dicker als Mord‘ (1991);

Martine Hopkins-Serie: ‚Gravestone‘ – ‚Grabes Stimme‘ (1993), ‚Bloodstream‘ – ‚Blutstrom‘ (auch unter dem Titel ‚Knochenstrom‘, 1995), ‚Deathwind‘ – ‚Todes Hauch‘ (1998), ‚Crossfire‘ (2006);

Einzelwerk: ‚Renowned Be The Grave‘ – ‚Miss Mooney‘ (Stories, 1998).