(1970)

Ein funkelndes Juwel aus dem kleinen, verdienstvollen – seit 1973 existierenden – deutschen Verlag ‚Edition Nautilus‘: Jonathan Robijns dritter Roman ‚Kongo Blues‘. Der flämische Autor kam in Gent zur Welt. Nach Abschluss seines Soziologie- und Psychologiestudiums arbeitete er von 2003 bis 2011 für die Hilfsorganisation ‚Ärzte ohne Grenzen‘, ehe er sich dem Verfassen von Kurzgeschichten und Romanen zuwandte. Mehr ist über seinen Lebenslauf nicht bekannt.

‚Kongo Blues‘, angesiedelt im Jahr 1988, erzählt die Geschichte eines wurzellosen, dunkelhäutigen Jazzpianisten. Er nennt sich Morgan, doch seinen wahren Namen kennt er nicht, und auch an seine ersten Lebensjahre in der belgischen Kolonie Kongo hat er nur vage Erinnerungen – er kam kurz vor der 1960 erlangten Unabhängigkeit des schrecklich ausgebeuteten Landes zur Welt. Nach der Adoption durch ein wohlhabendes belgisches Ehepaar wuchs er in Brüssel auf, später zog er für eine Weile nach Paris. Seine Ehe mit der begabten Musikerin Angela endete tragisch – die junge Frau erkrankte an einer unheilbaren Krankheit, der sie innert weniger Wochen erlag.

Nach einem Sylvesterkonzert stolpert Morgan im verschneiten Brüssel über die blutjunge Simona, rettet sie vor dem Erfrierungstod, und bringt sie in seiner winzigen Wohnung unter. Simona verbrachte in Zaire (heute: Republik Kongo) in einer riesigen Villa eine sorgenfreie Jugendzeit an der Seite ihrer reichen belgischen Eltern. Sie hat einen Haufen Geld, kleidet Morgan mit teuren Klamotten ein, damit er auf der Bühne einen guten Eindruck hinterlässt, lädt ihn in teure Restaurants ein, geniesst seine Musik, doch mehr passiert nicht zwischen ihnen. Und Simona kennt alle möglichen – mehr oder weniger vertrauenswürdigen – Leute in der Stadt. Als sie nach einigen Wochen plötztlich aus seiner Wohnung verschwindet, begibt sich Morgan auf Spurensuche – auf eine qualvolle Reise in die eigene Vergangenheit, damals, als kurz vor der Unabhängigkeit Kinder von kongolesischen Müttern und belgischen Vätern zwecks Rassentrennung bei weissen Nonnen in Ruanda entsorgt und danach von einer belgischen Familie adoptiert wurden. ‚Kongo Blues‘: Eine Geschichte ohne Kriminalfall, die ein ungeheures Verbrechen dokumentiert.

Bibilografie:

‚Congo Blues‘ – ‚Kongo Blues‘ (2017).