(Kürzel für Virginie Brac de La Perrière, *1955)

Virginie Bracs Leben begann 1955 in der algerischen Hauptstadt Algier, der Jacques Chevalier, ihr Grossvater mütterlicherseits, als Bürgermeister vorstand. Sie studierte Psychologie in Frankreich und den USA, absolvierte dort ein Praktikum in einem Gefängnis und arbeitet seither vornehmlich als Drehbuchautorin für Film und Fernsehen. Darüber hinaus verfasste sie von 1982 bis 2004 sieben Spannungsromane und ein Kinderbuch.

Bracs Ich-Erzählerin Véra Cabral kommt in drei Romanen zum Zuge. Die 35-jährige, einer portugiesischen Grossfamilie entstammende Psychiaterin, deren Leben von einem weit zurückliegenden Geheimnis überschattet wird, arbeitet in einem durch Intrigen und Misstrauen zerrütteten Pariser Kriseninterventionszentrum. Sie ist eine intelligente, nicht besonders selbstsichere, bisweilen etwas schnoddrig auftretende Frau; Geheimnisse, die in einer dunklen Ecke verrotten, jagen ihr Angst ein.

Véra und ihre Mitarbeiter werden von der Polizei immer dann als Fachpersonen zugezogen, wenn in der französischen Hauptstadt Geiselnahmen, Amokläufe und ähnliche Dramen stattfinden. Der zweite und dritte Teil liegen (mit sperrigen Titeln verunstaltet) auch auf Deutsch vor – spritzige, mit bissigem Humor erzählte, ohne grosses Psychologisieren auskommende Geschichten.

‚In den Nächten brütet still der Tod‘, straff gebaut und flüssig übersetzt, beginnt mit einer dramatischen Szene: Mitten in der Nacht steht Professor Edouard Russell (Spitzname: Dédé-Pitbull), der ehrgeizige und rücksichtslose Chef des Zentrums, vor Véras Haustür – sein 17-jähriger Sohn Fred hat offenbar im Drogenrausch eine junge Frau zerstückelt, Véra soll ihn jetzt psychiatrisch betreuen, bzw. seine Schuldunfähigkeit beweisen und ihm damit eine jahrelange Haft oder Verwahrung ersparen. Doch Véra lässt sich nicht so leicht manipulieren und führt ihre eigenen Ermittlungen durch, während Fred im Krankenhaus mit Psychopharmaka ruhiggestellt wird und der Professor seine Ränke schmiedet.

In ‚Du hast ein dunkles Lied mit meinem Blut geschrieben‘ beordert man Véra Cabral in ein Pariser Frauengefängnis: Die junge Delinquentin Giselle Leguerche hat eine Wärterin ermordet, sich dann in einer Zelle verbarrikadiert und ein Baby als Geisel genommen – eine Tat, die niemand versteht, denn die Frau wäre in wenigen Tagen nach zehn Jahren Haft wegen guter Führung auf Bewährung freigelassen worden. Die neuerdings mit ihrer Jugendliebe, dem Neurologen Hugo Markovitch, liierte Psychotherapeutin spricht mit den Eltern und Bekannten der verstockten Verbrecherin – gibt es eine Verbindung zu ihrer Vergangenheit, als sie, wenige Monate nach der Geburt eines Sohnes, ihre beste Freundin ermordet hat? Und wo steckt dieses Kind heute? Seltsam auch die Rolle des algerischen Polizisten, der Véra hinterher zu schnüffeln scheint.

Bibliografie:

‚Sourire kabyle‘ (1982), ‚Mort d’un fauve‘ (1983), ‚Miss monde chez les anges‘ (1984), ‚Coeur caillou‘ (1997);

Véra Cabral-Trilogie: ‚Tropique de pervers‘ (2000), ‚Notre-Dame des barjots‘ – ‚In den Nächten brütet still der Tod‘ (2002), ‚Double peine‘ – ‚Du hast ein dunkles Lied mit meinem Blut geschrieben‘ (2004).