(*1949)

Andreu Martin wurde in Barcelona geboren, wo er auch heute noch lebt. Nach dem Psychologie- und Philosophiestudium an der Universität Barcelona begann er (teils auf Spanisch, teils auf Katalanisch) Comics, Fotoromane, Reportagen, Kurzgeschichten und Literaturkritiken zu schreiben. Daneben arbeitete er für Theater, Film und Fernsehen und als Übersetzer aus dem Französischen (unter anderem der Krimis von Jean-Patrick Manchette). Seit 1987 schreibt er zusammen mit Jaume Ribera vorwiegend für jugendliche Leser – die wunderbare Krimireihe um den Schülerdetektiv Flanagan und Einzelwerke mit hübschen Titeln wie ‚Wenn der Postmann 1000x klingelt‘ und ‚Der Alte, der Indianertöten spielte‘.

International bekannt wurde Andreu Martin, der Meister der „Novela Negra“, mit seinen sechzehn anspruchsvollen, atmosphärisch dichten, in der katalanischen Hauptstadt Barcelona angesiedelten Spannungsromanen, in denen die Allgegenwart der Gewalt in der modernen Gesellschaft das grosse Thema darstellt, am drastischsten behandelt in ‚Aus Liebe zur Kunst‘, einem Roman über perverse Auswüchse von Konzept-Kunst.

‚Isabels Clou‘ handelt von Isabel Corominas, einer jungen, idealistischen Anwältin, die als Pflichtverteidigerin des süchtigen Drogenkuriers Jaime Sayagues ihren ersten Fall übernimmt. Im Verlauf ihrer Ermittlungen verstrickt sie sich immer tiefer in die kriminellen Machenschaften ihres Mandanten. Sie legt sich mit Jaimes ‚Arbeitgebern‘ an, fälscht Entlastungsmaterial – bis sich die Katastrophe nicht mehr abwenden lässt.

‚Hammerschläge‘ erzählt die düstere Geschichte des arbeitslosen Underdogs Benito Sanchez Muzas, der im Zahlenlotto 426 Millionen Peseten gewonnen hat. Wie geht Sanchez mit seinem neuen Reichtum, seiner neuen Identität um? Er erwirbt Statussymbole sonder Zahl, kauft Menschen, verfällt dem Wahnsinn, beginnt zu morden; und bezahlt mit seinem Leben.

In ‚Barcelona Connection‘ untersucht der junge Polizeiinspektor Francisco Huertas, ein unbestechlicher (bereits aus ‚Hammerschläge‘ bekannter) Ermittler, der in seiner Freizeit mit seinem Sohn Oscar ein Raumschiff baut, den Mord an drei angesehenen Geschäftsleuten. Seine hartnäckigen Recherchen stossen jedoch nicht überall auf Gegenliebe – Huertas gerät in Lebensgefahr.

In ‚Don Jesus in der Hölle‘ begibt sich Don Jesus Alguer, ein zurückgezogen in einem Pyrenäen-Kuhdorf lebender Landwirt auf die Suche nach seinem Schwager Pedro, der dummerweise einen Spielschuppen überfallen hat, und gerät in die Hölle: In Barcelonas von Dealern, korrupten Bullen, Huren, Spekulanten (Olympia 1992 steht unmittelbar bevor!) bevölkerte Unterwelt.

Mit ‚Die Stadt, das Messer und der Tod‘, Martins von manchen Kritikern am höchsten eingestuftem Spannungsroman, führt der Autor das Genre des Serienkiller-Thrillers ad absurdum. Die alptraumhafte, in zwölf locker miteinander verknüpfte Kapitel gegliederte (aus zwölf Perspektiven erzählte) Geschichte, ein Potpourri aus blutrünstigen und komischen, beklemmenden und spöttischen Passagen, dreht sich vordergründig um einen Psychopathen, den so genannten Messermann, der durch die Gassen der katalanischen Metropole schleicht, um mit einem Rasiermesser scheinbar wahllos Frauen aufzuschlitzen. Vielleicht gibt es aber auch mehr als einen Mörder – oder vielleicht ist alles bloss eine wilde Phantasie.

Bibliografie:

‚Aprende y calla‘ (1979), ‚El senor Capone no esta en casa‘ (1980), ‚A la vejez, novajodos‘ (1980), ‚Prothesis‘ (1980), ‚Por amor del arte‘ – ‚Aus Liebe zur Kunst‘ (1982), ‚Si es no es‘ – ‚Bis dass der Mord euch scheidet‘ (1983), ‚La camisa del reves‘ (1983), ‚Hay amores que maten, y que?‘ (1984), ‚El caballo y el mono‘ – ‚Isabels Clou‘ (1984), ‚Sucesos‘ (1984), ‚Memento de difuntos‘ (1986), ‚El dia Menos Pensado‘ (1986), ‚A martillazos‘ – ‚Hammerschläge‘ (1987), ‚Barcelona Connection – ‚Barcelona Connection‘ (1988), ‚Jesus a l’infern‘ – ‚Don Jesus in der Hölle‘ (1990), ‚El Hombre de la Novaja – ‚Die Stadt, das Messer und der Tod‘ (1992).