(1925-2007)

Marc Behm kam in Trenton, New Jersey, zur Welt. Als Teenager versuchte er sich als Schauspieler in der damals bekannten Truppe von Ernie Kovacs. Im Zweiten Weltkrieg nahm er an der Invasion in der Normandie teil und blieb danach in Paris hängen. Er studierte an der Sorbonne, arbeitete in der Filmbranche und heiratete eine französische Rotkreuzschwester. Von 1961 bis 1980 war er vorrangig als Drehbuchautor (‚Charade‘, ‚Help!‘, ‚Lady Chatterley’s Lover‘) tätig. Zwischen 1977 und 1994, verfasste er sieben (zum Teil nur in französischen Übersetzungen erschienene) Romane, von denen fünf dem Krimigenre zuzurechnen sind, sowie eine Handvoll Kurzgeschichten. Der Vater von sieben Kindern starb 82-jährig im nordfranzösischen Küstenort Fort-Mahon-Plage, wo er nach dem Tod seiner Frau zurückgezogen gelebt hatte.

Behms bekanntester, 1983 von Claude Miller mit Isabelle Adjani und Michel Serrault grandios verfilmter Roman ‚Das Auge‘ handelt von Joanna Eris und einem namenlosen New Yorker Detektiv, genannt „das Auge“. Zwei am Rande der Gesellschaft stehende Figuren, die verzweifelt versuchen, ihrem Leben einen Sinn zu geben. Joanna liest Horoskope und Shakespeare, hört, pfeift und summt das berühmte Lied ‚La Paloma‘, dröhnt sich mit Cognac zu, ändert ständig Namen und Outfit – und reisst reihenweise reiche Männer auf, die sie früher oder später umbringt und beraubt. Ihr Beobachter und heimlicher Beschützer, zunächst noch für eine grosse Detektivagentur tätig, im Verlauf der Geschichte verständlicherweise gefeuert, ist eine gescheiterte Existenz mit der fixen Idee, seine „verloren gegangene“ Tochter Maggie zu finden (zeitweise hält er die Killerin für dieselbe), von der er nur ein fünfzehn altes Schulfoto besitzt – ein Foto von sieben- bis achtjährigen Mädchen in ihrem Klassenzimmer, wobei er nicht die leiseste Ahnung hat, welches der Kinder Maggie war. Und ob sie noch am Leben ist. Seine „Freizeit“ verbringt er damit, Kreuzworträtsel zu lösen. Das vereinsamte, irgendwie rührende Paar hetzt jahrzehntelang kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten, ohne sich je richtig kennen zu lernen.

‚Todespoker‘ dreht sich um die tragische Figur Joe Egan. Joe hat seit seiner Jugend die Fähigkeit, Geheimnisse anderer Menschen (Seitensprünge, Diebstähle, Drogenkonsum) wahrzunehmen, und schwingt sich dank dieser Gabe zu einem glänzenden Pokerspieler empor. Die Kehrseite: Joe kann den Tod, der in Gestalt einer blonden Frau mit violetten Augen auftaucht, sehen, flieht vor ihm von Stadt zu Stadt, verkleidet sich mal als Clochard, mal als Baron, doch es hilft alles nichts.

In ‚Durchgeknallt‘, der Geschichte des verschrobenen, durch den Tod seiner Eltern reich gewordenen Eigenbrötlers Patrick Nelson, persifliert Behm das Genre des Psychopathen-Thrillers. Patrick Nelson verliebt sich hoffnungslos in eine Polizistin, die mit dem Fall eines Serienkillers befasst ist (der Mörder zerstückelt wahllos Leute jeden Alters und Geschlechts fein säuberlich mit einer Axt) und versucht nun in recht unbedarfter Manier, ihren Verdacht auf sich selbst zu lenken, etwa indem er mehrere Äxte anschafft und sie in seinem Haus „versteckt“.

Behms nicht auf Deutsch (und auch nicht im originalen Englisch!) verfügbare Krimis ‚Ne cherche pas à savoir‘ und ‚Crabe‘ drehen sich um Lucy, eine schöne junge Frau mit übernatürlichen Gaben.

Bibliografie:

‚The Eye of the Beholder‘ – ‚Mortelle Randonée‘ – ‚Das Auge‘ (1980), ‚Afraid To Death‘ – ‚Trouille‘ – ‚Todespoker‘ (1991), ‚Off the Wall‘ – ‚A Côté de la Plaque‘ – ‚Durchgeknallt‘ (1992);

Lucy-Romane: ‚Seek to Know No More‘ – ‚Ne cherche pas à savoir‘ (1993), ‚Crabs‘ – ‚Crabe‘ (1994).