(1915-1996)

Richard Condon kam in New York City zur Welt. Nach seinem Dienst bei der amerikanischen Handelsmarine und einem Abstecher in die Werbebranche verfolgte er eine schriftstellerische Laufbahn. Er war Drehbuch- und Bühnenautor und Theaterregisseur, bevor er sich Ende der 50er-Jahre dem Verfassen von Romanen zuwandte. Als begeisterter Globetrotter lebte er mit seiner aus der Ehefrau Evelyn Hunt und zwei Töchtern bestehenden Familie lange Zeit abwechselnd in Paris, Madrid, New York, Genua und Mexiko City. Seine letzten Jahre verbrachte er in der texanischen Stadt Dallas, wo er 81-jährig starb.

Condons Meisterwerk ‚Botschafter der Angst‘ kam 1959 heraus und wurde zweimal verfilmt – 1962 durch John Frankensteiner, 2004 durch Jonathan Demme. Es dreht sich um den jungen Journalisten Sergeant Raymond Shaw, der, eben erst aus dem Koreakrieg zurückgekehrt, in ganz Amerika als Held gefeiert wird. Was niemand weiss: Shaw ist in einem Gefangenenlager in der Mandschurai von kommunistischen Wissenschaftlern mittels Gehirnwäsche zum Killer umgepolt worden. Die ausländischen Verschwörer spielen indes schon bald keine wesentliche Rolle mehr, denn Shaw wird jetzt zum Spielball seiner machthungrigen, intriganten, in zweiter Ehe mit dem grobschlächtigen Senator John Iselin verheirateten Mutter. Ihr Gegenspieler ist Shaws früherer Vorgesetzter und bester Freund Major Ben Marco, der herauszufinden versucht, was damals in der Mandschurai geschah. Condon zeichnet in seinem anspruchsvollen, mit satirischen und surrealen Elementen angereicherten Roman ein düsteres Bild der amerikanischen Politszene in der Hochblüte des Kalten Krieges.

Von 1982 bis 1994 veröffentlichte Condon vier das Genre parodierende Romane über die umtriebige, von dem hochbetagten Don Corrado und seinem „Consigliere“ Angelo Partanna, zwei verschlagenen Ränkeschmieden, angeführte Mafiafamilie Prizzi in Brooklyn. Im Mittelpunkt steht jeweils der „Sottocapo“ Charley Partanna (Angelos Sohn), der wichtigste „Puntatore“ – Eintreiber und Vollstrecker – der Familie, ein etwas einfältiger Mann um die vierzig, der als 13-jähriger Junge in kurzen Hosen seinen ersten „nassen Job“ erledigt hat und danach einen stetigen Zuwachs an Prestige und Macht erlebte, obwohl er sich immer wieder in die falsche Frau verliebte – etwa in Don Corrados durchtriebene Enkelin Maerose, die noch immer von einer Zukunft an Charleys Seite träumt – und im chronologisch letzten Band ‚Der Ruhm der Prizzis‘ ihr Ziel erreicht.

Im ersten und bekanntesten (von John Huston mit Jack Nicholson und Kathleen Turner verfilmten) Band ‚Die Ehre der Prizzis‘, der zehn Jahre nach dem Prequel ‚Die Familie der Prizzis‘ angesiedelt ist, verknallt sich Charley Partanna in Irene Walker, eine junge Amerikanerin, die, wie er zu seinem Entsetzen erfahren muss, denselben Beruf ausübt wie er. Trotzdem vermählen sich die beiden Turteltäubchen bereits wenige Tage nach ihrer ersten Begegnung. Das junge Glück wird indes auf eine harte Probe gestellt, als Charley und Irene von verschiedener Seite den Auftrag erhalten, den anderen zu liquidieren – Maerose Prizzi zieht die Fäden. Verglichen mit Mario Puzo in den Mafiaepen ‚Der Pate‘ und ‚Omerta‘  legt Condon viel weniger Gewicht auf die Darstellung blutrünstiger Hinrichtungen und Racheaktionen als auf die Schilderung des Alltags, der Familienfeste und der nicht immer nachvollziehbaren Gedankengänge des geldgierigen, seine Cleverness oftmals überschätzenden Clans, dessen führende Mitglieder Weisheiten zum besten geben wie ‚Je weniger die Verhältnisse sich ändern, desto mehr bleiben sie die gleichen‘ oder ‚In diesem Geschäft ist Misstrauen wichtiger als Gehirn‘. Und auch die US-Behörden kriegen bei Condon gehörig ihr Fett ab.

Bibliografie:

Einzelwerke: ‚The Oldest Confession‘ – ‚Rendezvous in Madrid‘ (1958), ‚The Mandchurian Candidate‘ – ‚Botschafter der Angst‘ (1959), ‚Some Angry Angel‘ (1960), ‚A Talent for Loving‘ (auch unter dem Titel ‚The Great Cowboy Race‘ (1961), ‚An Infinity or Mirrors‘ – ‚Jahre der Nacht‘ (1964), ‚An God Will Do‘ (1966), ‚The Ecstasy Business‘ (1967), ‚Mile High‘ – ‚Nur Geld zählt‘ (1969), ‚The Vertical Smile‘ (1971), ‚Arigato‘ – ‚Arigato-Coup‘ (1972), ‚Winter Kills‘ – ‚Der Patriarch‘ (1974), ‚The Star-spangled Crunch‘ (1974), ‚Money is Love‘ (1975), ‚The Whisper of the Axe‘ – ‚Das Messer‘ (1976), ‚The Abandoned Woman‘ (1977), ‚Bandicoot‘ – ‚Der Dandy-Gauner‘ (1978), ‚Death of a Politician‘ (1978), ‚The Entwining‘ (1980), ‚A Trembling Upon Rome‘ (1983), ‚Emperor of America‘ (1990), ‚The Final Addiction‘ (1991), ‚The Venerable Bead‘ (1992);

Prizzi-Serie: ‚Prizzi’s Honor‘ – ‚Die Ehre der Prizzis‘ (1982), ‚Prizzi’s Family‘ – ‚Die Familie der Prizzis‘ (1986), ‚Prizzi’s Glory‘ – ‚Der Ruhm der Prizzis‘ (1988), ‚Prizzi’s Money‘ (1994).