(*1944)

Gerald Petievich wuchs als Sohn eins LAPD-Cops in Los Angeles auf. Nach Abschluss des Studiums an der UCLA und einer mehrjährigen Tätigkeit beim amerikanischen Geheimdienst (Petievich war zur Zeit des Kalten Krieges in Deutschland stationiert und erlebte 1968 hautnah die Invasion der CSSR durch die UDSSR) arbeitete er ab 1970 fünfzehn Jahre als Special Agent für das Amerikanische Finanzministerium. Als er während eines längeren berufsbedingten Aufenthaltes in Paris auf das Romanwerk von Graham Greene und John le Carré stiess, beschloss er, sein Glück als Autor zu versuchen. Zunächst, als er noch für die Regierung tätig war, schrieb er nur in den frühen Morgenstunden, doch 1985 verliess er den Geheimdienst, um sich ausschliesslich der Schriftstellerei zu widmen.

In der Reihe um Charles Carr und Jack Kelly, zwei coole, abgebrühte Special Agents des Schatzamtes (Treasury Agents, oder kurz: T-Men) zur Aufklärung von Falschgeldverbrechen, beide um die fünfzig, glänzt Petievich mit temporeicher, dichter Erzählweise, knappen, sarkastischen Dialogen und realistischer Darstellung von Polizeiarbeit. ‚Sumpfblüten‘, der erste Titel der im Original vier Bände umfassenden Serie, beruht auf dem wahren Fall des Undercover-Cops Rico de Fiore, der erschossen wird, als er kurz davorsteht, einem Geldfälscherring das Handwerk zu legen.

Widersacher der Falschgeldfahnder Charles Carr und Jack Kelly im vierten Band ‚Die Informantin‘ sind der raffinierte, über Leichen gehende Gangster Paul LaMonica alias Robert French alias Paulie der Drucker – er erlernte das perfekte Fälschen von Banknoten, Schecks und Ausweisen während eines Knastaufenthalts und entwich vor einem Jahr aus dem Hochsicherheitstrakt von Terminal Island – und LaMonicas alter Kumpel Teddy Mora, der die Hollywoodstars mit Kokain und anderem Stoff versorgt. Seine langjährige Informantin Linda Gleason füttert Charly mit Hinweisen auf einen Deal, den der flüchtige Verbrecher gerade anleiert, doch dieser kommt Linda auf die Schliche, serviert sie kurzerhand ab und sucht das Weite – Destination Ensenada im kalifornisch-mexikanischen Grenzgebiet, wo er ein mit perfekten Blütenherstellungs-Utensilien ausgestattetes Haus besitzt und im Handumdrehen Travellerschecks im Wert von einer Million Dollar fabriziert. Die Papiere verhökert er dann für fünfzig Riesen der zuständigen Versicherungsgesellschaft „Travel Checks Incorporated“, damit er endlich in Moras Drogengeschäfte einsteigen kann. Carr und Kelly hat er dabei allerdings nicht auf der Rechnung. Unterstützt durch den rabiaten Polizeichef von Ensenada, treiben die beiden Fahnder den Drucker immer auswegloser in die Enge, bis zum blutigen Showdown im Norden Mexikos. ‚Die Informantin‘, der letzte Band des Vierteilers um die beiden coolen Bundesbeamten Carr und Kelly, besticht durch rasante Actionszenen, trockene, oft sarkastische Dialoge und einprägsam skizzierte Figuren.

Der 1988er Standalone ‚Entscheidung in Las Vegas‘ ist Petievichs grösster Wurf. Eddie Sands, ein ehemaliger Detective von der Polizei in Las Vegas, sitzt wegen Korruption im Knast, darf jedoch als Freigänger gelegentlich das Gefängnis verlassen. Bei einem seiner Ausflüge fädelt er zusammen mit dem Gangster Parisi eine raffinierte Erpressung ein, die ihm die vorzeitige Entlassung einbringt. Doch kaum auf freiem Fuss, setzt sich Sands gewaltig in die Nesseln, indem er Parisi bei einem neuerlichen Erpressungscoup übers Ohr haut. Dieser Anthony Salvatore Parisi, genannt Tough Tony, ein führendes, auf Schutzgeld-Erpressung von Spielcasinos spezialisiertes Mitglied der Cosa Nostra, steht indes schon lange Zeit im Visier des FBI-Agenten John Novak, der zurzeit einer Spezialeinheit des Justizministeriums für die Bekämpfung des organisierten Verbrechens zugeteilt ist. Als ein wichtiger Zeuge in die Luft gesprengt wird, gerät Novak in Zugzwang. Die drei Protagonisten liefern sich fürderhin einen Kampf auf Biegen und Brechen, den Petievich schnörkellos dokumentiert.

Nach zwölfjähriger Schreibpause veröffentliche Petievich 2003 seinen neunten (bislang letzten) Krimi ‚The Sentinel‘, von dem es keine deutsche Übersetzung, aber eine Verfilmung (mit Michael Douglas und Kiefer Sutherland in den Hauptrollen) gibt.

Petievich ist Vater einer erwachsenen Tochter namens Emma und lebt mit seiner Frau Pamela, einer bekannten Gourmetköchin, in der westkalifornischen Kleinstadt San Gabriel.

Bibliografie:

Charlie Carr & Jack Kelly-Serie: ‚Money Man‘ – ‚Sumpfblüten‘ (auch unter dem Titel ‚Boiling Point‘, 1981), ‚One-Shot Deal‘ – ‚Der Todesengel‘ (1981), ‚To Die in Berverly Hills‘ (1983), ‚The Quality of the Informant‘ – ‚Die Informantin‘ (1985);

Einzelwerke: ‚To Live and Die in LA‘ – ‚Leben und Sterben in L.A.‘ (1984), ‚Shakedown‘ – ‚Entscheidung in Las Vegas‘ (1988), ‚Earth Angels‘ (1989), ‚Paramour‘ (1991), ‚The Sentinel‘ (2003).