(1943-2006)

Leonard Schrader, der ältere Bruder des berühmten Drehbuchautors und Filmregisseurs Paul Schrader, wurde als Sohn einer streng calvinistischen holländisch-stämmigen Familie in Grand Rapids, Michigan, geboren und wuchs auch dort auf. Er studierte an der Michigan Academy of Arts and Sciences und besuchte zusammen mit Grössen wie Jorge Luis Borges, Robert Cover, Nelson Algren und Kurt Vonnegut einen Autoren-Workshop an der University of Iowa, bevor er nach Japan ging, wo er seine spätere Ehefrau Chieko kennenlernte und Amerikanische Literatur an den Universitäten Doshisha und Kyoto unterrichtete. 1973 kehrte er in die USA zurück, um eine Laufbahn als Drehbuchautor (unter anderem ‚Kiss of a Spider Woman‘), „Skriptdoktor“ und Filmregisseur einzuschlagen. Ab 1996 war er vornehmlich als Lehrer tätig. Er unterrichtete drei Jahre Drehbuchschreiben an der University of Southern California’s Film School, danach vier Jahre Film an der Chapman University und war von 2003 bis 2005 am American Film Institute in Los Angeles. Schrader starb 62-jährig in Los Angeles und hinterliess seine Frau und seinen Bruder.

Schraders Erstlingsroman ‚Yakuza‘ ist auf Umwegen entstanden. Mit japanischen Traditionen eng vertraut, schrieb Schrader in den frühen 70er-Jahren eine Kurzgeschichte und schickte sie seinem damals noch wenig bekannten Bruder. Dieser entwickelte daraus ein Drehbuch, das ein „Skriptflicker“ namens Robert Towne in die endgültige Fassung brachte, nach der Sidney Pollack den Streifen ‚Yakuza‘ drehte, und die Leonard Schrader schliesslich in Romanform brachte.

‚Yakuza‘ (wörtlich: Spieler) ist heute gleichbedeutend mit Gangster oder Mafioso. Und der Yakuza ist ein höchst gefährlicher Mafioso – einer, der, anders als sein sizilianischer Vetter, den Tod nicht nur nicht fürchtet, sondern geradezu herbeisehnt (Kamikaze, Harakiri usw.). Und so ist Harry Kilmer – Investor, ehemaliger Privatdetektiv und Veteran des Zweiten Weltkriegs mit langjähriger Japan-Erfahrung, wohnhaft in Los Angeles – begreiflicherweise nicht darauf erpicht, gegen die Yakuza anzutreten, als die 17jährige Tochter seines Kriegskumpels, des international tätigen Reeders George Tanner, in Tokio von einem Gangsterboss entführt wird. Doch Harry kann seinen alten Freund nicht im Stich lassen. Er geht nach Japan, befreit zusammen mit Tanaka Ken, dem Bruder seiner Ex-Geliebten Eko und ehemaligen Yakuza, in einer Blitzaktion Georges Tochter. Diese aber wird kurz danach tot aufgefunden, und George ist verschwunden. ‚Yakuza‘, ein finsterer und temporeicher, mit blutrünstigen Szenen gespickter Krimi, vermittelt dem Leser faszinierende Einblicke in die japanische Kultur.

Neben seinen drei Krimis verfasste Leonard Schrader Artikel über die Aktivitäten der Yakuza sowie, zusammen mit seiner Frau, eine Reihe von japanischen Bühnenwerken.

Bibliografie:

‚The Yakuza‘ – ‚Yakuza‘ (1975), ‚Blue Collar‘ (1977), ‚Hardcore‘ (1979).