(Pseudonym für James Tucker, *1929; schreibt auch als David Craig und Judith Jones)

James Tucker (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Arzt und Medical-Thriller-Autor) kam in Grangeville, Südwales, zur Welt, wo er auch aufwuchs. Er besuchte das University College in Cardiff und arbeitete dann als Journalist für die ‚Western Mail‘, das ‚South Wales Echo‘, den ‚Daily Mirror‘ und die ‚Sunday Times‘.

Unter dem Pseudonym David Craig veröffentlichte Tucker 1973 den einflussreichen Noir-Roman ‚Jill und die Boys‘. Im Mittelpunkt steht der versoffene Ex-Kriminalinspektor Jim Naboth, ein lässiger, irgendwie rührender Mann, der als alleinerziehender Vater zweier halbwüchsiger Söhne von der Sozialhilfe lebt. Als seine von ihm getrennt lebende Frau Jill samt der Tochter ihres neuen Lebensgefährten, des begüterten Geschäftsmannes Robert Freeman, gekidnappt wird, legt sich Jim Naboth – zunächst noch recht zaghaft – mit der Londoner Unterwelt an. Die Geschichte besticht durch den lakonischen Tonfall, die knappen Dialoge und die herrlichen Selbstgespräche des Protagonisten.

Zehn Jahre später, unter dem Pseudonym Bill James, begann Tucker die Reihe um die ausgekochten, zynischen, in einer fiktiven südenglischen Hafenstadt tätigen Ermittler Detective Chief Superintendent Colin Harpur und Assistant Chief Constable Desmond Iles (Harpurs direkter Vorgesetzter), die sich in juristischen Grauzonen am wohlsten fühlen. Die anspruchsvolle, mit bissigem Humor erzählte und mit schnellen Wortwechseln und umwerfenden inneren Monologen gewürzte (und wohl noch nicht abgeschlossene) Serie enthält bisher 34 Romane: kongeniale Mixturen aus Gangster- und Polizeiroman, mit fliessenden Übergängen zwischen den beiden nur scheinbar gegensätzlichen Berufen. Drei Titel liegen auf Deutsch vor.

‚Auf Rosen gebettet‘ beginnt mit einem Paukenschlag: Colin Harpurs Frau Megan wird in einer kalten Nacht kurz vor Weihnachten erstochen, als sie von einem Schäferstündchen mit ihrem Liebhaber, dem hochrangigen Polizisten Tambo, aus London nach Hause kommt. Mit der Unterstützung seiner bereits erstaunlich abgebrühten halbwüchsigen Töchter Hazel und Jill, seines zuverlässigsten Spitzels Jack Lamb und der örtlichen Polizei ermittelt Harpur die Hintergründe der auf den ersten Blick sinnlosen, ihn persönlich herzlich kalt lassenden Tat und stösst auf kriminelle Machenschaften seines korrupten Nebenbuhlers, von denen auch Megan gewusst haben muss.

In ‚Rivalen‘ ist die Ausgangslage ebenso einfach wie brisant: Nach dem gewaltsamen Tod des lokalen Drogenbarons Kenward Knapp herrscht in der Stadt ein Vakuum, das der Nachtclubbesitzer Ralph Ember, wegen seiner Angstattacken Panikralph genannt, nur allzu gerne füllen möchte. Er lässt sich auf einen Machtkampf mit den Verbrechern Keith Vine und Stanley Stanfield ein, und dazwischen steht Colin Harpur, der sich ebenfalls an der Neuaufteilung der Drogenpfründe zu beteiligen scheint.

Keith Vine und Ralph Ember sind auch in ‚Tote schreien nicht‘ auf der Piste. Vine beherrscht den Kokainhandel in der Stadt, muss jedoch Acht geben, dass ihm die Londoner Syndikate nicht das Wasser abgraben, und Ember betreibt ein kleines Konkurrenzunternehmen. Zwischen den Fronten: Colin Harpur, der verdeckt in der lokalen Drogenszene ermittelt. Das vordringliche Ziel der Polizei ist jedoch nicht, die einheimischen Gangster hinter Gitter zu bringen, sondern ihnen gerade so viel Macht zu lassen, dass die auswärtigen – und weniger berechenbaren – Rivalen auf Distanz bleiben.

Tuckers weitere Serienfiguren: Simon Abelard, britischer Spion; Roy Rickman, Agent des britischen „Home Office“; Stephen Bellecroix und Sheila Roath, britische Geheimagenten; Dave Brade und Glyndwr Jenkins, Police Detectives in Cardiff; Sally Bithron, Detective Constable in Cardiff; Kerry Lake, Polizistin in Grossbritannien.

James Tucker, verheirateter Vater von vier erwachsenen Kindern, ein auch heute noch, mit fast neunzig Jahren, ein überaus schreibfreudiger Autor, lebt in seiner südwalisischen Heimat in einem Haus in der Nähe von Cardiff, zeitweise auch in einem Wohnmobil an der Küste von Pembrokeshire. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit war er bis vor kurzem Teilzeitdozent für Kreatives Schreiben an der University of Wales in Cardiff.

Bibliografie:

Als Bill James:

Colin Harpur & Desmond Iles-Serie: ‚You’d Better Believe It‘ (1985), ‚The Lolita Man‘ (1986), ‚Halo Parade‘ (1987), ‚Protection‘ (auch unter dem Titel ‚Harper & Iles‘, 1988), ‚Come Clean‘ (1989), ‚Take‘ (1990), ‚Club‘ (1991), ‚Astride a Grave‘ (1991), ‚Gospel‘ (1992), ‚Roses, Roses‘ – ‚Auf Rosen gebettet‘ (1993), ‚In Good Hands‘ (1994), ‚The Detecitve is Dead‘ (1995), ‚Top Banana‘ (1996), ‚Panicking Ralph‘ – ‚Rivalen‘ (1997), ‚Lovely Mover‘ – ‚Tote schreien nicht‘ (1998), ‚Eton Crop‘ (1999), ‚Kill Me‘ (2000), ‚Pay Days‘ (2001), ‚Naked at the Window‘ (2002), ‚The Girl with the Long Back‘ (2003), ‚Easy Streets‘ (2004), ‚Wolves of Memory‘ (2005), ‚Girls‘ (2006), ‚The Sixth Man an Other Stories‘ (2006), ‚Pix‘ (2007), ‚In the Absence of Iles‘ (2008), ‚Hot Bed‘ (2009), ‚I Am Gold‘ (2010), ‚Vacuum‘ (2011), ‚Undercover‘ (2012), ‚Play Dead‘ (2013), ‚Disclosures‘ (2014), ‚Blaze Away‘ (2015),  ‚First Fix Your Aliby‘ (2016), ‚Close‘ (2017);

Simon Abelard-Romane: ‚Split‘ (2001), ‚A Man’s Enemies‘ (2003);

Kerry Lake-Roman (zwei weitere als Judith Jones, s.u.): ‚Double Jeopardy‘ (2002);

Einzelwerke: ‚The Last Enemy‘ (1997), ‚Middleman‘ (2002), ‚Between Lives‘ (2003), ‚Making Stuff Up‘ (2006), ‚Letters from Carthage‘ (2007), ‚Off-Street Parking‘ (2008), ‚Full of Money‘ (2009), ‚World War Two Will Not Take Place‘ (2011), ‚Noose‘ (2013), ‚Snatched‘ (2014), ‚The Principals‘ (2016).

Als David Craig:

Roy Rickman-Romane: ‚The Alias Man‘ (1968), ‚Message Ends‘ (1969), ‚Contact Lost‘ (1970);

Stephen Bellecroix & Sheila Roath-Romane: ‚Young Men May Die‘ (1970), ‚A Walk at Night‘ (1971);

Dave Brade & Glyndwr Jenkins-Serie: ‚Forget it‘ (1995), ‚The Tattoed Detective‘ (1998), ‚Torch‘ (1999), ‚Bay City‘ (2000);

Sally Bithron-Romane: ‚Hear me Talking to You‘ (2005), ‚Tip Top‘ (2006);

Einzelwerke: ‚Up from the Grave‘ (1971), ‚Double Take‘ (1972), ‚Bolthole'(‚Auch unter dem Titel ‚Knifeman‘) – ‚Die Angst kehrt stets zurück‘ (1973), ‚A Dead Liberty‘ (1974), ‚Whose Little Girl are You?‘ (auch unter dem Titel ‚The Squeeze‘) – ‚Jill und die Boys‘ (1974), ‚The Albion Case‘ (1975), ‚Faith, Hope and Death‘ (1976).

Als Judith Jones:

Kerry Lake-Romane: ‚Baby Talk‘ (1998), ‚After Melissa‘ (1999).

Als James Tucker:

‚Equal Partners‘ (1960), ‚The Right Hand Man‘ (1961), ‚Burster‘ (1966), ‚Blaze of Riot‘ (1979), ‚The King’s Friends‘ (1982).