Pseudonym für H. Bill Miller, 1920-1961, und Robert Allison Wade, 1920-2012; schrieben auch als Will Daemer, Whit Masterson und Dale Wilmer)

Bill Miller und Robert „Bob“ Wade, beide im Jahr 1920 in der südkalifornischen Metropole San Diego geboren, wurden enge Freunde, als sie dort dieselbe High School besuchten. Sie arbeiteten gemeinsam für Schülerzeitungen, schrieben Theaterstücke, Radioskripts und Sketches und gaben während ihrer Collegezeit die Zeitung ‚East San Diego Press‘ heraus. 1942 gingen sie zusammen zur Air Force und partizipierten unter anderem an den Invasionen Nordafrikas und Südfrankreichs.

Im Jahre 1946 veröffentlichten die seelenverwandten Autoren ihren ersten von 33 Krimis, oder, in ihren oft zitierten Worten, „Wade schreibt die Substantive, Miller die Verben“. Es folgte der erste Teil der sechsteiligen, von 1947 bis 1951 erschienenen, jedoch in der zweiten Hälfte der 50er-Jahre angesiedelten, Max Thursday-Serie, die sich durch ausgeklügelte Plots und feinfühlige Charakterzeichnung auszeichnet.

Thursday hat einen langen, sehnigen Körper, kantige Gesichtszüge, dichtes schwarzes Haar und blaue Augen. Vor dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Ermittler bei der Agentur ‚Consolidated‘. Nach Pearl Harbor kämpfte er bei der Marine-Infanterie gegen die Japaner, unter anderem nahm er an der blutigen Invasion der Insel Saipan teil. Diese Kriegserlebnisse lösten bei ihm Depressionen aus. Zurück in seiner Heimat fand er keine Arbeit, er begann zu trinken und seine Ehe mit Georgia zerbrach. Als er sich wieder etwas aufgerappelt hatte, wurde er für Kost und Logis als Detektiv in einem schäbigen Hotel in San Diego angeheuert.

Thursday ist ein harter und unbestechlicher, jede Art von Waffen verabscheuender Einzelgänger mit einem Faible für Underdogs. Sein bester Freund ist Austin Clapp, der zehn Jahre ältere Leiter der örtlichen Mordkommission, der bereits in Millers erstem Krimi ‚Deadley Weapon‘ (ohne Thursday) auf der Piste war.

Im ersten Band ‚Wer sich in Gefahr begibt‘ erhält Thursday, der noch immer als Hoteldetektiv tätig ist, Besuch von seiner Ex-Frau: Ihr gemeinsamer fünfjähriger Sohn Tommy ist entführt worden, und die Polizei muss selbstverständlich aussen vor bleiben. Fast gleichzeitig verschwindet Glorias neuer Ehemann Dr. Homer Mace, und als Thursday bei dessen Partner Dr. Elder aufkreuzt, wird er mit gezogener Pistole begrüsst – der Arzt erwartete offenbar einen anderen Besucher. Am nächsten Tag wird Elder ermordet aufgefunden, und Thursday ist zunächst der Hauptverdächtige. Doch Thursday lässt sich nicht einschüchtern, schwört dem Alkohol ab und löst den um die so genannten Manila-Perlen kreisenden Fall.

Max Thursday entwickelt sich im Fortgang der Serie zu einem angesehenen und sehr erfolgreichen Privatermittler, der eine Liaison mit der kratzbürstigen Polizeireporterin Merle Osborn eingeht und schliesslich vier Teilzeitermittler beschäftigt. Im vierten Roman ‚Geschäft mit der Angst‘ kämpft der Detektiv gegen einen mächtigen Erpresserring, dessen Opfer einsame, wohlhabende Frauen sind. Dabei verliebt er sich heftig in eine bildschöne Frau, die er später als Kopf der Verbrecherbande entlarvt.

Zu Beginn des fünften Bandes ‚Party auf dem Pulverfass‘ taucht ein aufstrebender Ostküstengangster namens Harry Blue in San Diego auf; ein einheimischer Hitman schiesst sogleich auf ihn, doch Blue überlebt den Anschlag schwer verletzt und liegt im Krankenhaus. Clapp überredet nun Max Thursday, Blues Rolle zu spielen, denn die beiden gleichen sich ein wenig – und das Gesicht des Verbrechers kennt in San Diego vermutlich eh kein Mensch. Thursday erweist sich dann als glänzender Schauspieler. Er wartet immer wieder mit cleveren Schachzügen auf, kann jedoch nicht verhindern, dass er mehrmals in äusserst brenzlige Situationen gerät. Und plötzlich stehen sich Thursday und der echte Harry Blue gegenüber.

Thursdays Klient in ‚Jagd auf den Würger‘ ist der verheiratete Frauenheld Bliss Weaver, Merle Osborn hat ihn ihrem Freund vermittelt. Was Thursday erst jetzt erfährt: Osborn und Weaver sind seit längerer Zeit ein Liebespaar und wollen heiraten. Zornerfüllt verfolgt der Detektiv seinen Nebenbuhler, um sich an ihm mit einer Tracht Prügel zu rächen. Es ist mitten in der Nacht, als Weaver seine getrennt von ihm lebende Frau Joyce aufsucht, und als er ihr Haus verlässt, scheint er unter Schock zu stehen. Neugierig geworden betritt nun auch Thursday das Haus – und findet Joyce ermordet vor. Weaver wird als Hauptverdächtiger verhaftet, doch ihm gelingt die Flucht aus dem Gefängnis – und kurz danach wird eine junge Frau auf exakt dieselbe Weise umgebracht.

Zu den besten Romanen der beiden Autoren zählt der mit Whit Masterson gezeichnete, von Orson Welles unter dem Titel ‚Touch of Evil‘ verfilmte Roman noir ‚Unfehlbarkeit kann tödlich sein‘. Rudy Linneker, millionenschwer und einflussreich, wird mit Dynamit in die Luft gesprengt, die legendären Cops McCoy und Quinlan, die seit 30 Jahren ein unglaublich erfolgreiches Gespann bilden, und der integre, glücklich mit einer Mexikanerin verheiratete Assistant District Attorney Mitch Holt verbeissen sich in den brisanten Fall. Der Verdacht fällt zunächst auf den Verlobten von Linnekers Tochter (und Alleinerbin) Tara, doch sein Alibi ist wasserdicht – und dann gesteht ein verbitterter ehemaliger Angestellter Linnekers die Tat. Holt wird indes den Verdacht nicht los, dass McCoy und Quinlan Beweismaterial gefälscht haben. Gegen den Willen seines opportunistischen Vorgesetzten beginnt er in der Vergangenheit der beiden Cops zu wühlen – und gerät in Teufels Küche.

Die fruchtbare und höchst erfolgreiche Zusammenarbeit des Gespanns endete im August 1961 mit Millers plötzlichem Herztod, das letzte gemeinsam verfasste Buch ist ‚Evil Come, Evil Go‘. Wade setzte seine schriftstellerische Tätigkeit fort und veröffentlichte bis 1979 unter dem bereits zuvor verwendeten Pseudonym Whit Masterson elf und unter seinem bürgerlichen Namen zwei weitere Krimis. Danach, in den 80er-Jahren, schrieb Wade vornehmlich für Fernsehen und Kino. Von 1977 bis 2011 verfasste er die Krimikritik-Spalte „Spadework“ für die Tageszeitung ‚The San Diego Union-Tribune‘. Überdies war er Redakteur der Kolumne ‚Wild in the City: The Best of Zoonooz‘, einer Publikation des Zoos von San Diego. Mit 92 Jahren starb er in seinem Haus in San Carlos, Kalifornien. Er hinterliess seine Frau Jeanne, seine Töchter Winke und Sara und seine Söhne Robert und Timothy.

Bibliografie:

Max Thursday-Serie: ‚Guilty Bystander‘ – ‚Wer sich in Gefahr begibt‘ (1947), ‚Fatal Step‘ – ‚Mord unterm Karussell‘ (1948), ‚Uneasy Street‘ – ‚Gefährliche Strasse‘ (auch unter dem Titel ‚Blondine im Halbdunkel‘, 1948), ‚Calamity Fair‘ – ‚Geschäft mit der Angst‘ (1950), ‚Murder Charge‘ – ‚Party auf dem Pulverfass‘ (1950), ‚Shoot to Kill‘ – ‚Jagd auf den Würger‘ (1951);

Einzelwerke: ‚Deadly Weapon‘ (1946), ‚Devil on Two Sticks‘ (auch unter dem Titel ‚Killer’s Joice‘ (1948), ‚Devil May Care‘ (1950), ‚The Killer‘ – ‚Menschenjagd‘ (1950), ‚The Tiger’s Wife‘ – ‚Die Frau des Tigers‘ (1951), ‚The Big Guy‘ (1953), ‚South of the Sun‘ (1953), ‚Mad Baxter‘ (1955), ‚Kiss Her Goodbye‘ – ‚Gefährliche Umarmung‘ (auch unter dem Titel ‚Todesursache Liebe‘, 1956), ‚Kitten with a Whip‘ – ‚Das sanfte Biest‘ (1959), ‚Sinner Take All‘ – ‚Tiefschlag‘ (auch unter dem Titel ‚Falle mit Goldrand‘, 1960), ‚Nightmare Cruise‘ (auch unter dem Titel ‚The Sargasso People‘) – ‚Die unheimliche Reise‘ (1961), ‚The Girl from Midnight‘ (1962).

Als Whit Masterson (ab 1963 Robert Wade allein): ‚All Through the Night‘ (auch unter dem Titel ‚A Cry in the Night‘) – ‚Schrei in der Nacht‘ (1955), ‚Dead, She Was Beautiful‘ – ‚Tod im Swimming-Pool‘ (1955), ‚Badge of Evil‘ (auch unter dem Titel ‚Touch of Evil‘) – ‚Unfehlbarkeit kann tödlich sein‘ (1956), ‚A Shadow in the Wild‘ – ‚Jagd auf Janie‘ (1957), ‚The Dark Fantastic‘ – ‚Wettlauf mit dem schwarzen Tod‘ (1959), ‚A Hammer in the Hand‘ (1960), ‚Evil Come, Evil Go‘ – ‚Kennwort Kanarienvogel‘ (1961), ‚The Man on a Nylon String‘ (1963), ‚711 – Officer Needs Help‘ (auch unter den Titeln ‚Killer with a Badge‘ und ‚Warning Shot‘) – ‚Der Killercop‘ (1965), ‚Play Like You’re Dead‘ – ‚Mein Mann ist irr und lässt mich grüssen‘ (1967), ‚The Last One Kills‘ – ‚Die Zeugin soll sterben‘ (1969), ‚The Death of Me Yet‘ (1970), ‚The Gravy Train‘ (auch unter dem Titel ‚The Great Train Hijack‘) – ‚Ein Sarg für Colonel Heaston‘ (1971), ‚Why She Cries, I Do Not Know‘ – ‚Bomben fürs Establishment‘ (1972), ‚The Undertaker Wind‘ – ‚Notwehr‘ (1973), ‚The Man with Two Clocks‘ – ‚Die Zeit, die es nicht gab‘ (1974), ‚Hunter of the Blood‘ – ‚Eine Bombe Urbi et Orbi‘ (1977), ‚The Slow Gallows‘ – ‚Nicht mehr auf der Fahndungsliste‘ (1979).

Als Dale Wilmer: ‚Memo for Murder‘ – ‚Allein mit der Angst‘ (1951), ‚Dead Fall‘ – ‚Der Mörder mit der Glatze‘ (1954), ‚Jungle Heat‘ (1954).
Als Will Daemer: ‚The Case of the Lonely Lovers‘ (1951).

Als Robert Wade: ‚The Stroke of Seven‘ (1965), ‚Knave of Eagles‘ – ‚Ein Hai an der Angel‘ (1969).