(*1957)

Horacio Castellanos Moya, geboren in Tegucigalpa, Honduras, als Sohn eines salvadorianischen Autors und einer honduranischen Mutter, aufgewachsen in San Salvador, studierte Literatur an der Universidad de El Salvador und der York University in Toronto. Nach Ausbruch des Bürgerkriegs in El Salvador im Jahr 1980 verliess er das Land. Er lebte in Costa Rica und zwölf Jahre in Mexiko Stadt, wo er als Redakteur der Presseagentur ’Salpress’ und Korrespondent einer brasilianische Zeitschrift arbeitete. Daneben engagierte er sich für die linksgerichtete Befreiungsarmee FMNL, von der er sich später enttäuscht abwandte. 1986 begann er nebenberuflich zu schreiben.

Sechs Monate vor Kriegsende kehrte Castellanos Moya 1991 nach San Salvador zurück, um den Übergang mitzuerleben und die Zeitschrift ’Tendencias’ zu gründen. Als 1997 sein Buch ’El Asco’ erschien, in dem er die Gesellschaft seiner Heimat scharf kritisierte, musste er das Land fluchtartig verlassen. Die folgenden Jahre verbrachte er in Spanien, Guatemala und Mexiko. 2004 liess er sich im Rahmen des Programms ’Städte der Zuflucht’ in Frankfurt/Main nieder. 2006-08 unterrichtete er Spanisch an der University of Pittsburgh, anschliessend, bis heute, das selbe Fach an der University of Iowa.

Castellanos Moya gilt als einer der bedeutendsten, originellsten und mutigsten zeitgenössischen Autoren Lateinamerikas. Sein Werk enthält Essays , Gedichte, mehrere Erzählungbände und bislang elf Romane, von denen fünf ins Deutsche übertragen wurden.

Im Jahr 2000 erschien sein erster Krimi ‚Die Spiegelbeichte‘, in dem die verheiratete, gut situierte Mutter zweier Töchter und Boutique-Besitzerin Olga Maria Trabanino, die scheinbar ein unauffälliges Leben geführt hat, vor den Augen ihrer Kinder von einem Berufskiller mit dem Übernamen Robocop bei helllichtem Tag erschossen wird. Ihre beste Freundin, die egozentrische Opportunistin Laura Rivera, beginnt zu recherchieren, wühlt sich immer tiefer in die Vergangenheit der Ermordeten – die Spuren führen in die höchsten Kreise der rechtsgerichteten salvadorianischen Regierungspartei. In diesem stets aus Lauras Perspektive erzählten Roman rechnet Castellanos Moya schonungslos mit der Doppelmoral der salvadorianischen Oberschicht ab.

Castellanos Moyas zweiter Krimi ‚Der Waffengänger‘ sieht den aus ’Die Spiegelbeichte’ bekannten Verbrecher Robocop ganz im Mittelpunkt. Robocop war im salvadorianischen Bürgerkrieg ein berüchtigter, für die Armee tötender Unteroffizier, ein Überlebenskünstler. Nun ist der Bürgerkrieg zu Ende. Doch einer, der ausser töten nichts gelernt hat, ist im zerrütteten Zentralamerika immer gefragt, sei es als Killer für den militärischen Geheimdienst oder als Mann fürs Grobe bei der amerikanischen Drogenfahndungsbehörde. Die harte, schnörkellose Geschichte thematisiert die Allgegenwart von Gewalt und Paranoia in einem von jahrelanger Militarisierung geprägten Staat, in dem das Leben seinen Wert verloren hat.

In mehreren Romanen beleuchtet der Autor das Schicksal verschiedener Repräsentanten der fiktiven Familie Aragon aus der Oberschicht El Salvadors, die alle im Leben gescheitert sind – des abgewrackten Strippenziehers und Frauenhelden Alberto Aragon in ‚Aragons Abgang‘ (angesiedelt Mitte der 90er-Jahre); des Journalisten und Ex-Politikers Pericles Aragon in ‚Der schwarze Palast‘ (angesiedelt 1944 in der Zeit des Sturzes der Militärdikatur unter Hernandez Martinez); des feigen, versoffenen Journalisten Erasmo Aragon, Pericles‘ Enkel, in ‚Der Traum von Rückkehr‘ (angesiedelt zu Beginn der 90er-Jahre, kurz nach Ende des Bürgerkriegs)  – und gestaltet daraus ein faszinierenden Porträt des zerrissenen Landes.

Bibliografie (nur ins Deutsche übersetzte Romane):

‚La diabla en el espejo‘ – ‚Die Spiegelbeichte‘ (2000), ‚El arma en el hombre‘ – ‚Der Waffengänger‘ (2001), ‚Donde no estén ustedes‘ – ’Aragons Abgang’ (2003), ‚Tirana Memora‘ – ‚Der schwarze Palast‘ (2008), ‚El Sueno del retorno‘ – ‚Der Traum von Rückkehr‘ (2013).