(1923-2007; schrieb auch als C.S. Cody, Patrick Mann und Drake Waller)

Leslie Waller wurde als Sohn ukrainischer Einwanderer in Chicago geboren und wuchs auch dort auf. Nach Abschluss der High School arbeitete er als Polizeireporter für das’‚City News Bureau‘ und die ‚Chicago Sun‘, bevor er sich an der University of Chicago immatrikulierte. 1942 wurde er zum Geheimdienst der Luftwaffe eingezogen. Nach dem Krieg kehrte er an die University of Chicago zurück, und 1950 machte er einen Master-Abschluss in Amerikanischer Literatur an der Columbia University, Manhattan.

Mit seiner ersten Frau Louise Hetzel, die zwei Töchter, Elizabeth und Susan, gebar, verbrachte Waller knapp zwanzig Jahre in New York City, wo er – neben seiner Tätigkeit in der Werbung – seine ersten Romane verfasste. 1967 liess er sich scheiden. Im selben Jahr heiratete er die Fotografin und Schauspielerin Patricia Mahen, mit der er dann ausgiebige Reisen unternahm. Nach Aufenthalten in Kalabrien (1978-89), und London (1989-93) kehrte er mit Patricia in die USA zurück. Seine letzten vierzehn Jahreverbrachte er in Florida, wo er unter anderem für das angesehene Kulturmagazin ‚Naples Review‘ arbeitete und an der Florida Gulf Coast University in Forth Myers Kreatives Schreiben unterrichtete. Vier Tage vor seinem 84. Geburtstag starb er während eines Besuchs seiner älteren Tochter in Rochester, New York State.

Leslie Waller, der bereits als Teenager seine ersten Texte verfasst hatte, gab bis 2001 über fünfzig Bücher heraus – vorwiegend Krimis und Kinderbücher, aber auch Sachliteratur über organisierte Kriminalität. Gemeinsam mit dem gleichaltrigen (und fast zur selben Zeit verstorbenen) Autor Arnold Drake, unter dem Pseudonym Drake Waller, begründete er 1950 mit ‚It Rhymes with Lust‘ das Konzept der so genannten „Graphic Novel“, einer Kreuzung zwischen Roman und Comic. Darüber hinaus novellisierte er die Filme ‚Dog Day Afternoon‘ und, zusammen mit dem Regisseur Steven Spielberg, ‚Close Encounters of the Third Kind‘.

Zu Wallers berühmtesten Werken zählen die zwischen 1963 und 1971 erschienene „Organisierte Kriminalität-Trilogie“, bestehend aus ‚The Banker‘, ‚The Family‘ und ‚The American‘, sowie die thematisch ähnlichen Romane ‚The Swiss Account‘, ‚Embassy‘ und ‚Mafia Wars‘; ferner der Politthriller ‚K‘, in dem der russische Präsident Nikita Khrushchev während einer Reise in die USA ermordet werden soll. In seinem letzten Buch ‚Target Diana‘ wartet Waller mit einer verblüffenden These zum Tod der englischen Prinzessin Diana auf.

‚Der Banker‘, einer von sieben ins Deutsche übersetzten Romanen, ist die Geschichte des aufstrebenden Bankers und Familienvaters Woods Palmer aus Chicago, der mit 44 Jahren geschäftsführender Vizepräsident der (fiktiven) United Bank & Trust Company wird, der grössten Bank der Vereinigten Staaten, und sich jetzt im Haifaischbecken der New Yorker Hochfinanz durchsetzen muss. An seiner Seite: Virginia Clary, Expertin für Öffentlichkeitsarbeit und bald auch Palmers Bettgefährtin, und Mac Burns, Strippenzieher und Ränkeschmied libanesischer Herkunft. Die Erzählung handelt von Machthunger und Geldgier, von Intrigen und Erpressung – und kommt doch ganz ohne Blutfluss aus. (Dies ändert sich jedoch markant, als im Fortgang des Dreiteilers die Mafia auf den Plan tritt.)

Woods Palmer steht auch in den beiden nachfolgenden Bänden der „Organisierte Kriminalität-Trilogie“ im Mittelpunkt – und erlebt zwanzig Jahre später in ‚Deadly Sins‘ ein Comeback: Als Banker im Ruhestand, der zuoberst auf der Abschlussliste der Mafia steht.

Bibliografie:

Organisierte Kriminalität-Trilogie: ‚The Banker‘ – ‚Der Banker‘ (1963), ‚The Family‘ – ‚Die Familie‘ (1968), ‚The American‘ (1971);

Einzelwerke: ‚Three Day Pass‘ (1944), ‚Show Me the Way‘ (1947), ‚The Bed She Made‘ (1951), ‚Phoenix Island‘ (1958), ‚Will the Real Toulouse Lautrec Please Stand up?‘ (1965), ‚Overdrive‘ (1966), ‚New Sound‘ – ‚Ich, Stacy Nora‘ (1968), ‚A Change in the Wind‘ (1970), ‚Number One‘ (1973), ‚The Coast of Fear‘ – ‚Mord kennt keine Ferien‘ (1974), ‚K. Assignment‘ (auch unter dem Titel ‚K‘, 1976), ‚The Swiss Account‘ (1976), ‚Close Encounter of the Third Kind‘ (gemeinsam mit Steven Spielberg, 1977), ‚Hide in Plain Sight‘ (1978), ‚Trocadero‘ (1978), ‚The Brave and the Free‘ (1979), ‚Blood and Dreams‘ – ‚Die Königin von New Orleans‘ (1980), ‚Gameplan‘ (1983), ‚Embassy‘ – ‚Die Botschaft‘ (1987), ‚Amazing Faith‘ – ‚Die Fürstin und die Mafia‘ (1988), ‚Mafia Wars‘ (1991), ‚Deadly Sins‘ (1992), ‚Tango Havana‘ (1993), ‚Manhattan Transfer‘ (1994), ‚Eden‘ (1997), ‚Comeback‘ (1997), ‚Target Diana‘ (2001).

Als C.S. Cody: ‚The Witching Night‘ (1952), ‚Lie Like a Lady‘ (1955).

Als Patrick Mann: ‚The Vacancy‘ (1973), ‚Dog Day Afternoon‘ (1974), ‚Steal Big‘ (1981), ‚Falcon Crest‘ (1984).