(1924-2004; schrieb auch als Walter Herman, John Tiger und Lee Davis Willoughby)

Walter Herman Wager, geboren in der New Yorker Bronx als Spross einer russischen Einwandererfamilie (der Vater war Arzt, die Mutter Krankenschwester), besuchte eine Privatschule in Manhattan. Er studierte an der Columbia University und der Harvard Law School, Abschluss 1946, um sich dann an der Northwestern University und der Pariser Sorbonne auf das Luftfahrtrecht zu spezialisieren. Im Jahr 1951 heiratete er Sylvia Leonard und hatte mit ihr eine Tochter.

Nach einjähriger Tätigkeit für das israelische Zivilluftfahrtamt in Tel Aviv kehrte Wager nach New York zurück, arbeitete dort zwei Jahre für die UNO und verfasste in dieser Zeit seine ersten Spannungsromane. Mitte der 50er-Jahre entschloss er sich für ein Leben als Drehbuch- und Romanautor sowie als Journalist für verschiedene Radiostationen und Magazine mit Schwerpunkte Kunst und Reisen. Darüber hinaus schrieb er Vorlagen zu Dokumentarfilmen für das Fernsehen, war Chefredakteur des Theaterblatts ‚Playbill‘ und arbeitete gelegentlich auch in der Werbung. Der äusserst reisefreudige Autor erlag 79-jährig in Manhattan einem Hirntumor. Er hinterliess seine zweite Frau Winifred McIvor, mit der er knapp dreissig Jahre kinderlos verheiratet war, und die ihn nur um wenige Monate überlebte.

Wagers belletristisches Werk besteht aus zwei mit Lee Davis Willoughby gezeichneten Westernromanen, dem satirischen Roman ‚My Side by King Kong‘ und 28 actiongeladenen, mit einer gehörigen Portion Humor erzählten – von tickenden Zeitbomben, zum Äussersten entschlossenen Terroristen und anderen drohenden Katastrophen geprägten – Politthrillern, die zumeist in New York City angesiedelt sind – und auf Deutsch nur in verstümmelten, schlecht übersetzten Versionen zu haben sind.

Wagers bekannteste Krimis sind ‚Viper Three‘, die atemlose, durch Robert Aldrich unter dem Titel ‚Das Ultimatum‘ verfilmte Geschichte über fünf entflohene Schwerverbrecher, die zehn Interkontinental-Raketen in ihre Gewalt bringen und nun die Vereinigten Staaten erpressen; ‚Telefon‘, die Vorlage zu Don Siegels gleichnamigem Film mit Donald Pleasance als durchgedrehtem KGB-Agenten, der mit seinem 51 „Schläfern“ den Dritten Weltkrieg auslösen will und von Charles Bronson daran gehindert wird; ’58 Minutes‘, der Roman zum Bruce Willis-Streifen ‚Stirb langsam 2‘; ‚The Spirit Team‘ um einen afrikanischen Diktator, der einen Angriff auf New York mit biologischen Waffen plant; ‚Otto’s Boy‘, die spektakuläre Geschichte eines versuchten Giftgasanschlags auf das New Yorker U-Bahn-Netz; und ‚Tunnel‘, in dem eine Gruppe von internationalen Terroristen, die „Beirut Brigade“, damit droht, den Lincoln Tunnel unter dem Hudson River in die Luft zu sprengen.

Drei Krimis kreisen um die intelligente, hart gesottene, umwerfend schöne Ermittlerin Alison B. Gordon, eine jung verwitwete ehemalige CIA-Agentin Anfang dreissig, die sieben Jahre in Afrika und Asien im Einsatz war. Sie spricht fünf Sprachen, trägt stets eine .357er Magnum im Bauchholster, ist mit einem Porsche unterwegs, hat Sex mit wechselnden Partnern und betreibt seit kurzem in Beverley Hills höchst erfolgreich eine Detektivagentur – Spezialgebiet: Spektakuläre Kriminialfälle mit internationalem Touch; Tagessatz: 400 Dollar plus Spesen.

Unter dem Pseudonym John Tiger veröffentlichte Wager in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre sieben auf der TV-Serie ‚I Spy‘ (mit den CIA-Agenten Kelly Robinson und Alexander Scott) und zwei auf den ‚Mission Impossible‘-Filmen beruhende Romane.

Bibliografie:

‚Sledgehammer‘ (1970), ‚Viper Three‘ (auch unter dem Titel ‚Twilight’s Last Gleaming‘) – ‚Rothaut in Viper 3‘ (1971), ‚Swap‘ – ‚Fluchthilfe auf israelisch‘ (1972), ‚Telefon‘ – ‚Krieg per Telefon‘ (1975), ‚Time of Reckoning‘ (1977), ‚Warhead‘ (1978), ‚Designated Hitter‘ (1982), ‚Otto’s Boy‘ (1985), ‚The Assassin‘ (1985), ‚Raw Deal‘ – ‚Der Cityhai‘ (1986), ’58 Minutes‘ (auch unter dem Titel ‚Die Hard 2: Die Harder‘) – ’58 Minuten Angst‘ (1987), ‚The Spirit Team‘ (1996), ‚Tunnel‘ (2000), ‚Kelly’s People‘ (2002);

Alison Gordon-Trilogie: ‚Blue Leader‘ (1979), ‚Blue Moon‘ (1981), ‚Blue Murder‘ (1982).

Als John Tiger:

‚Death Hits the Jackpot‘ (1954);

I Spy-Serie: ‚I Spy‘ (1965), ‚Masterstroke‘ (1966), ‚Superkill‘ (1967), ‚Wipeout‘ (1967), ‚Countertrap‘ (1967), ‚Doomdate‘ (1967), ‚Death-Twist‘ (1968);

Mission Impossible-Romane: ‚Mission Impossible‘ (1967), ‚Code Name: Little Ivan‘ (1969).

Als Walter Herman: ‚Operation Intertrigue‘ (1956).