(1900-1988)

Geoffrey Household, geboren in Bristol als Sohn eines Anwalts, ausgebildet am Clifton College in Bristol und am Magdalen College in Oxford, schloss 1922 in Englisch ab und führte danach ein abwechslungsreiches Leben: Er war vier Jahre Bankangestellter in Bukarest, drei Jahre Bananenhändler in Spanien, Verfasser von Hörspielen und Artikeln für Kinderlexika in den Vereinigten Staaten zur Zeit der Grossen Depression sowie, von 1933 bis 1939, Reisender für Druckfarben in Europa, Südamerika und dem Nahen Osten. Im Zweiten Weltkrieg war er Einsatzleiter im Militärischen Geheimdienst in Osteuropa, Griechenland und dem Nahen Osten, 1949 wurde er hoch dekoriert als Lieutenant Colonel entlassen.

In den 30er-Jahren war Household mit der rumänisch-stämmigen Amerikanerin Elisaveta Kopelanoff verheiratet,  von 1942 bis zu seinem Tod mit Ilona Zsoldos-Gutman, mit der er nach dem Krieg als freier Autor in einem Landhaus in der Nähe von Banbury, Oxfordshire, lebte und einen Sohn und zwei Töchter hatte. Er starb kurz vor seinem 88. Geburtstag.

In Households weitaus bekanntestem Werk, der 1939, am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, erstmals erschienenen, zweimal verfilmten (1941 von Fritz Lang, Titel ‚Man Hunt‘, und 1976 für die BBC, Titel ‚Rogue Male‘) Man-on-the-Run-Story ‚Einzelgänger, männlich‘, handelt von einem namenlosen britischen Ich-Erzähler, einem prominenten Angehörigen der höheren Gesellschaft und erfahrenen Jäger, der für die englische Regierung arbeitet. In einem ungenannten Land wird er bei einem Attentatsversuch auf den „Grossen Mann“ (gemeint ist Adolf Hitler) von seinen Gegnern erwischt, danach gefoltert und unter Vortäuschung eines Unfalls von einem Felsen gestürzt. Schwer verletzt gelingt ihm indes die Flucht zurück nach England, ins ländliche Dorset, wo er sich wie ein verwundetes Tier in einer von ihm selbst ausgebauten Erdhöhle verkriecht. Als sich der trickreiche Überlebenskünstler nach langen Wochen von seinen Verletzungen einigermassen erholt hat, kommt es zu einem mörderischen Duell mit dem sadistischen Geheimagenten Major Quive-Smith. Das Motiv für das misslungende Attentat wird dem Leser erst gegen Ende dieses meisterhaft gestalteten Krimis kundgetan.

1960 kam ‚Augen im Dunkeln‘ heraus, die Geschichte des Kampfes zwischen Charles Dennim, einem österreichischen Grafen, der im Zweiten Weltkrieg für den britischen Geheimdienst tätig war und jetzt gut getarnt als Zoologe in England lebt, und dem ebenfalls adeligen Saint Sabas, einem ehemaligen Résistance-Führer, der in der Nachkriegszeit einen Rachefeldzug gegen ehemalige Nazi-Offiziere führt – und irrtümlicherweise Dennim für einen solchen hält.

Dr. Owen Dawnay, ein liebenswerter und gelassener, in England zum Agronomen ausgebildeter Argentinier Anfang dreissig, hat Mitte der 60er-Jahre im kolumbianischen Niemandsland zwischen der Savanne und den Tropenwäldern des Amazonas, wo nur einige halbindianische Hirten und verwahrloste Viehherden leben, eine landwirtschaftliche Station eingerichtet mit dem Ziel, die vertrockneten Felder in fruchtbare Weideländer umzuwandeln, während das Land durch den Guerillakrieg erschüttert wird. Sein Leben in der Einsamkeit dokumentiert er minutiös in einem Tagebuch. Ein befreundeter kolumbianischer Offizier „schenkt“ ihm das zärtliche und wissensdurstige Indianermädchen Chucha, mit dem er eine erfüllende sexuelle Beziehung beginnt, und dem er das Reiten und Schreiben beibringt. Die Idylle wird jedoch bald gestört – nicht nur durch blutrünstige Partisanen, sondern vor allem auch durch „tanzende Kobolde“, die Eingeborene und Pferde in Todesangst versetzen. Als Owen Dawnay sich in die Wälder begibt, um das Wesen der mysteriösen Zwerge zu ergründen, macht er eine schaurige Entdeckung. ‚Tanz der Zwerge‘ – eine mitreissende Mischung aus Abenteuer- und Horrorgeschichte mit wunderbaren Naturschilderungen – wird von manchen Kritikern als Households Meisterwerk eingestuft.

Geoffrey Household, ein sprachlich und stilistisch versierter, im deutschsprachigen Raum wenig beachteter Autor, der ab 1936 rund dreissig Romane (sechzehn allein in den 70er- und 80er-Jahren), mehrere Erzählbände, Abenteuerbücher für Kinder und Jugendliche und die Autobiografie ‚Against the Wind‘ (1958) zu Papier brachte, gehört zu den einflussreichsten Schöpfern von Spannungsliteratur des 20.Jahrhunderts.

Bibliografie:

‚The Third Hour‘ (1937), ‚Rogue Male‘ – ‚Einzelgänger, männlich‘ (auch unter dem Titel ‚Der Gehetzte‘, 1939), ‚Arabesque‘ (1948), ‚The High Place‘ (1950), ‚A Rough Shoot‘ (auch unter dem Titel ‚Shoot First‘, 1951), ‚A Time to Kill‘ (1951), ‚Fellow Passenger‘ (auch unter dem Titel ‚Hang the Moon High‘, 1955), ‚Watcher in the Shadows‘ – ‚Augen im Dunkeln‘ (1960), ‚Thing to Love‘ (1963), ‚Olura‘ (1965), ‚The Courtesy of Death‘ (1967), ‚Dance of the Dwarfs‘ – ‚Tanz der Zwerge‘ (auch unter dem Titel ‚Geh nicht hinaus bei Nacht‘, 1968), ‚Doom’s Caravan‘ (1971), ‚The Three Sentinels‘ (1972), ‚The Lives and Times of Bernardo Brown‘ (1975), ‚Red Anger‘ (1975), ‚Hostage London‘ (1977), ‚The Last Two Weeks of Georges Rivac‘ (1978), ‚The Sending‘ (1980), ‚Summon the Bright Water‘ (1981), ‚Rogue Justice‘ (1982), ‚Arrows of Desire‘ (1985), ‚Face to the Sun‘ (1988).